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Sparen wird unattraktiv, Investieren attraktiver

Quelle: fotolia

Die Europäische Zentralbank hat am 22. Jänner ein erweitertes Kaufprogramm von Anleihen bekannt gegeben. Beginnend mit März 2015 bis mindestens Ende 2016 sollen monatlich Anleihen im Umfang von 60 Milliarden Euro gekauft werden. Die Käufe umfassen neben den bisherigen Programmen (Hypothekaranleihen und ABS) auch Staatsanleihen

Der Hintergrund für diesen Schritt ist die schwächelnde Wirtschaft. Obwohl die Leitzinsen auf quasi null Prozent gesenkt worden sind, kommt der Wirtschaftsmotor nicht in Schwung. Die gesamte Wirtschaftsleistung in der Eurozone (das Bruttoinlandsprodukt) befindet sich lediglich knapp 5% über dem Niveau vom 1. Quartal 2008. Berücksichtigt man die niedrige Inflation (durchschnittlich nur 1,1% seit 2008), zeigt sich, dass das reale Bruttoinlandsprodukt nach wie vor 2,2% unter dem Niveau von 2008 liegt.

Wenn Zinsen von null Prozent am Geldmarkt nicht ausreichen um die Wirtschaft zu unterstützen, bleibt als Alternative die Verzinsung über den gesamten Laufzeitbereich von Anleihen nach unten zu drücken. Das funktioniert, in dem die Zentralbank verspricht, auf absehbare Zeit die Leitzinsen bei null Prozent zu belassen und indem sie direkt Anleihen kauft. Der Effekt wird dadurch verstärkt, dass nicht nur der Preis des Geldes (der Zinssatz) sinkt, sondern auch die Menge des Geldes (Zentralbankgeld M0) massiv ausgeweitet wird. Das führt dazu, dass Staatsanleiherenditen immer unattraktiver werden. Die Investoren werden dadurch in Segmente gedrängt, die eine höhere Rendite versprechen (Anleihen mit einer längeren Laufzeit, Anleihen mit Kreditrisiko, Aktien, aber auch Anleihen in einer fremden Währung wie dem US-Dollar).

Schlussendlich sinken die Renditen in vielen Teilen des Finanzmarktes. Auf den Punkt gebracht: Sparen wird unattraktiver, investieren dafür attraktiver. Das gilt für alle Segmente der Volkswirtschaft. Die Konsumenten geben mehr von ihrem Ersparten aus, die Unternehmen erhöhen ihre (aktuell schwache) Investitionstätigkeit. Für die Banken wird die Kreditvergabe interessanter. Staaten könnten bei teilweise negativen (!) Renditen lohnende Infrastrukturinvestitionen finden.

Ein positiver Punkt ist besonders hervorzuheben: Das Anleihenankaufsprogramm wird solange weitergehen, bis dass Erreichen des Inflationsziels (mittelfristig knapp unter 2%) absehbar ist. Damit wird eine mächtiges Instrument aus dem Werkzeugkasten geholt: Das Versprechen nötigenfalls sehr viel Geld zu „drucken“.

Negativ ist, dass nur 20% des hypothetischen Verlustrisikos vom Zentralbankensystem (die EZB und die nationalen Zentralbanken) gemeinsam getragen wird. Der „Rest“ wird auf den Bilanzen der nationalen Zentralbanken verbucht. Anscheinend wäre ohne dieses Zugeständnis das Kaufprogramm nicht zustande gekommen.

Zusammenfassung: Das umfassende Anleihekaufprogramm übt einen Druck für anhaltend niedrige bzw. noch niedrigere Zinsen und Renditen aus. Das erhöht den Abschwächungsdruck auf den Euro. Insgesamt ist der Schritt der EZB positiv für alle Wertpapierklassen in der Eurozone, insbesondere für Aktien.

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Gerhard Winzer

Gerhard Winzer ist seit März 2008 bei der Erste Asset Management tätig. Bis März 2009 war er Senior Fondsmanager im Bereich Fixed Income Asset Allocation, seit April 2009 ist er Chefvolkswirt.

Er hat einen HTL Abschluß und studierte an der Universität Wien Volkswirtschaft und Betriebs...

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