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Europäische Aktien – lohnt sich ein Einstieg noch?

Quelle: shutterstock.com

Seit Anfang des Jahres beobachten wir, dass europäische Aktien besser laufen als amerikanische Titel und das – währungsmäßig betrachtet – sowohl auf lokaler als auch auf Euro-Basis. Nicht einmal ein Anstieg des US-Dollar gegenüber dem Euro von 8% konnte daran etwas ändern. Woher kommt dieser Optimismus für Europa? Schließlich entwickelt sich die US-Wirtschaft deutlicher besser als der Euro-Raum. Ebenso verhält es sich mit US-Unternehmen, die Gewinnanstiege vorweisen, während die Gewinne in Europa zuletzt tendenziell eher gefallen sind. Dazu kommen die Unsicherheiten in Griechenland und in der Ukraine.

Börsen spiegeln die Zukunft wider

Börsen spiegeln selten die Gegenwart, sondern die Zukunft wider. Versuchen wir zu verstehen, was uns die Börsen mitteilen wollen? Beginnen wir mit der Gegenwart: In den USA sind die Gewinne seit den Tiefstständen nach der Lehman Krise um 177% gestiegen. In Zahlen ausgedrückt legte der US-Index etwas mehr als 187% zu. Alles in Allem ein fundamental gerechtfertigter Anstieg, der getrieben war durch die Gewinnanstiege. Ganz anders die Situation in Europa: Hier sind die Gewinne seit der Lehman Krise gerade einmal um 20% gestiegen. Vergleicht man diesen Wert mit der Gewinnsituation vor zehn Jahren, so kann man es in Europa so zusammenfassen: Nichts passiert, nichts versäumt. Obwohl sich die Gewinne seit der Lehman Krise kaum erholt haben, hat sich der Index im selben Zeitraum nahezu verdoppelt. Das hat zur Folge, dass sich die Aktienbewertung deutlich verteuert hat. Das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) ist fast doppelt so hoch wie vor sieben Jahren und liegt mit 20,5 deutlich über dem langjährigen Durchschnitt von 15.

Umschichtungen von den USA nach Europa

Auf den ersten Blick sind Europas Börsen relativ teuer. Aber die Hoffnung auf steigende Gewinne in der Zukunft lässt eine Umschichtung von den USA nach Europa rechtfertigen, argumentieren Investoren. Bereits die letzte Berichtssaison in den USA hat gezeigt, dass der starke Dollar negative Auswirkungen auf amerikanische Unternehmen hat. Und daran wird sich nichts ändern, schließlich kommen 30% der Gewinne aus dem Ausland. Was für USA schlecht ist, ist für Europa gut. Der schwache Euro sollte einen Schlussstrich unter die negative Gewinnentwicklung setzen, die wir seit 2011 beobachten. Exportorientierte Unternehmen profitieren besonders von der der Euro-Schwäche und sollten als Erste einen Auftrieb spüren.

Unterstützung erhalten die Börsen Europas auch durch das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB), das im März 2015 beginnt und bis einschließlich September 2016 laufen soll. Der Markt wird mit monatlich 60 Milliarden Euro frisch gedruckten Euro geflutet. Die Anleihekäufe werden die Renditen niedrig halten. Das Kreditwachstum soll steigen, die Währung schwach bleiben. Perfekte Zutaten, um einen deutlichen Impuls für die Euro-Wirtschaft auszulösen, so zumindest die Theorie. Damit sollten – nein – müssen die Gewinne in Europa endlich steigen. Ein Teil dieser Entwicklung wird von den Börsen gerade vorweggenommen. Ein Anstieg der Gewinne um 25% ist eingepreist. Ist damit das Ende der Fahnenstange erreicht? Weltweit sind die Gewinne bereits um mehr als 10% über dem Vor-Lehman Niveau. Damit das in Europa passiert, müssen sich die Gewinne vom jetzigen Stand verdoppeln! Die Welt außerhalb von Europa hat es vorgemacht und bewiesen, dass es möglich ist. Investoren setzen derzeit darauf, dass Europa einen Teil dieser Entwicklung – unterstützt durch eine schwache Währung und durch ein QE-Programm – nachholen kann.

2,7% Dividendenrendite anstatt 0% Sparzinsen

Trifft das zu, stehen wir erst am Beginn eines längeren Aufschwungs an den europäischen Börsen. Europäische Titel haben eine Dividendenrendite von 2,7% – nicht schlecht im derzeitigen Umfeld, wo Renditen gerade dabei sind auszusterben.

Nach den starken Anstiegen der vergangen Wochen muss mit Korrekturen am Markt gerechnet werden. Das könnte aber die Gelegenheit sein sich mit europäischen Titeln einzudecken, um am neuen Trend der europäischen Outperformance zu partizipieren. Im Gegensatz zum aktuellen KGV zeigt das Shiller PE (stellt den Kurs einer Aktie zum Gewinn-Durchschnitt der letzten 10 Jahre in Relation) durchaus Potential nach oben.

Quelle: MSCI, Thomson Reuters Datastream
Quelle: MSCI, Thomson Reuters Datastream

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Harald Egger

Harald Egger ist Chief Analyst und arbeitet seit 2001 bei der Erste Asset Management. Davor war er vier Jahre als Fondsmanager und Analyst für AXA Investment Management, London tätig. Er leitet den Bereich Aktien innerhalb der Erste Asset Management, bis April 2013 war er CIO für das Unternehm...

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