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Zwei Kanarienvögel in der Kohlenmine

Quelle: iStock

Der US-Dollar hat sich in den vergangenen Monaten gegenüber dem Euro markant gefestigt. Für eine Fortsetzung dieses Trends sind zumindest zwei Entwicklungen notwendig. Erstens: Die US-amerikanische Zentralbank verlässt die Nullzinspolitik. Zweitens: Die Europäische Zentralbank verfolgt weiterhin sowohl die Negativzinspolitik als auch das Anleihenankaufsprogramm.

Die EZB-Politik hält die Renditen von Anleihen in der Eurozone auf sehr tiefen Niveaus. Das bewirkt unter anderem, dass Investoren in andere Wertpapierklassen mit einer höheren versprochenen Rendite, z.B. US-Staatsanleihen, gedrängt werden. Das schwächt den Euro zugunsten des US-Dollar.

Auch wenn die Wirtschaftsdaten in den USA in den letzten Wochen enttäuscht haben. Die US-Wirtschaft befindet sich am Übergang von der Erholung von der Großen Rezession in den Jahren 2008 / 2009 hin zu einer selbst tragenden Expansion. Damit im Einklang zeichnet sich ein baldiges Ende der Nullzinspolitik in den USA ab. Das Anleihenankaufsprogramm hat die US-Zentralbank ja bereits im Herbst des letzten Jahres beendet.

Natürlich bewirkt ein Auseinanderlaufen der Geldpolitiken von zwei Währungsblöcken nicht einen lang anhaltenden Wechselkurstrend. Die Entwicklungen von Zinsen, Wechselkursen und Wirtschaftswachstums sind selbst regulierend.

Die Festigung des US-Dollar verteilt das Wirtschaftswachstum und die Inflation neu. Generell gilt: Je fester der US-Dollar, umso später und in umso geringerem Ausmaß wird die US-Zentralbank den Leitzinssatz anheben. Als Indikatoren dafür, wie stark die US-Wirtschaft in Mitleidenschaft gezogen wird, kann auf täglicher Basis der Renditeaufschlag für das Kreditrisiko von Unternehmensanleihen herangezogen werden. Tatsächlich hat sich der Spread von 1,06 Prozentpunkten im Juni 2014 auf aktuell 1,35 Prozentpunkte ausgeweitet.

Spiegelbildlich unterstützt die Abschwächung des Euro das Wirtschaftswachstum und die Inflation in der Eurozone. Die Inflationserwartungen sind bereits etwas angestiegen. Genauer: Die auf dem Anleihenmarkt eingepreiste durchschnittliche Jahresinflationsrate für die kommenden zehn Jahre ist von dem Tief von 0,60% im Jänner auf aktuell 1,21% angestiegen. Je mehr die Inflationserwartungen ausgehend von dem noch immer sehr tiefen Niveau ansteigen, umso kürzer wird die EZB die aktuell sehr expansive Politik beibehalten. Wenn die EZB-Politik erfolgreich ist, kehrt sich die Wirkungskette (Euro => Wirtschaft) um. Aktuell unterstützt der schwache Euro die Wirtschaft. Läuft die Wirtschaft selbst tragend (ohne Unterstützung der Geldpolitik), wird sich der Euro festigen.

Dann ist der Kreis geschlossen. Die höheren Renditen in den USA bewirken eine US-Festigung. Irgendwann ist der US-Dollar so stark überbewertet, dass Anleihen in der Eurozone trotz der sehr tiefen Renditen attraktiver sind, weil die Erwartung für eine Festigung des Euro markant ansteigen. Das könnte auch ein – zugegeben spekulativer – Gedanke der EZB sein. Wenn sie das Anleihenankaufsprogramm herunter fährt, ist der Euro unterbewertet und damit attraktiv für das Ausland. Als zwei Indikatoren dafür, wie nahe wir diesem Punkt sind, können der Renditeaufschlag für das Kreditrisiko in den USA und die Inflationserwartungen in der Eurozone herangezogen werden.

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Gerhard Winzer

Gerhard Winzer ist seit März 2008 bei der Erste Asset Management tätig. Bis März 2009 war er Senior Fondsmanager im Bereich Fixed Income Asset Allocation, seit April 2009 ist er Chefvolkswirt.

Er hat einen HTL Abschluß und studierte an der Universität Wien Volkswirtschaft und Betriebs...

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