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Die Konfrontation der Tauben

Quelle: iStock

Die wichtigste Zentralbank der Welt, die Fed in den USA, hat gestern eine von vielen Investoren beobachtete Mitteilung bekannt gegeben. Nunmehr gibt sie nicht mehr die Zusicherung „geduldig“ sein, bevor die Leitzinsen angehoben werden. Damit wurde die Möglichkeit für das Verlassen der Nullzinspolitik geschaffen, wenn die wirtschaftliche Lage es erforderlich macht. Die neue Formel lautet: Die Leitzinsen werden angehoben, wenn eine weitere Verbesserung am Arbeitsmarkt stattfindet und der Offenmarktausschuss einigermaßen zuversichtlich ist, dass die Inflation in Richtung des mittelfristigen Zwei-Prozent-Ziels ansteigen wird.

Gleichzeitig hat die Vorsitzende des Offenmarktausschusses, Janet Yellen, es zustande gebracht, die Markterwartungen für die zukünftigen Leitzinsen zu senken. Das wurde vor allem damit erreicht, dass die Projektionen der Zentralbank für den Leitzinssatz nach unten revidiert wurden. Der Mittelwert der Schätzungen der Mitglieder des Offenmarktausschusses für den Leitzinssatz für Ende 2015 beträgt nun 0,63% (vormals: 1,13%). Der Markt preist immerhin 0,44% ein.

Die Annahme der Zentralbank ist, dass die US-Wirtschaft mit einer niedriger als ursprünglich erwarteten Arbeitslosenrate ohne zunehmenden Inflationsdruck wachsen kann (5.0% – 5,2% statt bisher 5,2% – 5,5%). Im Februar betrug die Arbeitslosenrate 5,5%.

Die Handlungen der US-Zentralbank sind von der Anhebung der zu niedrigen Inflation und der Unterstützung der Wirtschaft motiviert. Die „Tauben“ regieren und nicht die „Falken“. Letztere sind auf die Bekämpfung der Inflation fokussiert. Dazu gehört auch, die eigene Währung nicht zu stark werden zu lassen. Der US-Dollar hat sich ja in den vergangenen Monaten deutlich gegenüber anderen Währungen gefestigt. Dass dämpft die Inflation und die Wirtschaftsleistung. Die geldpolitische Ausrichtung ist derzeit in vielen Ländern ähnlich. Die Konfrontation der Zentralbanken geht in die nächste Runde. Jene Währung, deren Zentralbank am expansivsten agiert, hat das größte Abschwächungspotenzial. Die US-Fed hat die Erwartungen für die zukünftigen Leitzinsen zwar gedämpft, aber die Europäische Zentralbank hat langfristig die Nase vorn. Sie vollzieht auf absehbare Zeit eine Negativzinspolitik und weitet die Geldmenge massiv aus.

Die Indikationen der US-Fed für nur vorsichtige Leitzinserhöhungen halten die Renditen von US-Staatsanleihen auf einem niedrigen Niveau und dämpfen den Aufwertungsdruck des US-Dollar. Das ist ceteris paribus positiv für US-Aktien und US-Dollar Anleihen von Schwellenländern.

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Gerhard Winzer

Gerhard Winzer ist seit März 2008 bei der Erste Asset Management tätig. Bis März 2009 war er Senior Fondsmanager im Bereich Fixed Income Asset Allocation, seit April 2009 ist er Chefvolkswirt.

Er hat einen HTL Abschluß und studierte an der Universität Wien Volkswirtschaft und Betri...

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