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Finanz Know-How: So „funktioniert“ ein Aktienfonds

Quelle: shutterstock.com

Aktien und Aktienfonds – das Gleiche, oder doch nicht?

Nur ein kleiner Anteil der Österreicherinnen und Österreicher investiert direkt oder indirekt (über Aktienfonds) in Aktien. Ist es die Angst vor Kursverlusten oder die zu geringe Kenntnis der Anlageklasse, welche die Anlegerinnen und Anleger vor Investments zurückschrecken lässt? In diesem Blog-Beitrag gebe ich Ihnen einen Überblick über die Eigenschaften von Aktien und Aktienfonds.

Was ist eine Aktie?

Nehmen wir an, ein Unternehmen sucht Kapital für seine Geschäftsaktivitäten. Das Unternehmen kann nun entweder einen Kredit (Fremdkapital) aufnehmen, also Schulden machen, oder es kann eine Beteiligung am Unternehmen (und am Unternehmenserfolg) anbieten, also Eigenkapital. Anlegerinnen sollten wissen, dass sie bei einer solchen Beteiligung Aktien erwerben. Diese sind charakterisiert durch

  • Eine Beteiligung am Unternehmen, keine Laufzeit, keine Rückzahlung
  • Eventuell eine jährliche Dividende (Ausschüttung an die Aktionäre, nicht fix, abhängig von der Dividendenpolitik des Unternehmens)
  • Ein geregeltes Mitspracherecht bei der jährlichen Hauptversammlung

Es gibt also keine regelmäßigen Zahlungen, keine fixe Laufzeit und keine Rückzahlung des eingesetzten Kapitals. Gibt es dann irgendwelche Argumente, die für ein Investment in Aktien sprechen?

Durch die Beteiligung am Unternehmen von der Wertsteigerung profitieren

Durch die Beteiligung an einem Unternehmen profitiert die Anlegerin bzw. der Anleger unmittelbar vom Know-How und von den Ideen der Firma. Wenn ein Unternehmen gute Produkte erzeugt, dann wird der Gewinn und damit der Wert des Unternehmens langfristig steigen. Bei der Veranlagung in Aktien sprechen wir also von Investments in Produktionsanlagen, Humankapital, Gebäude, Marken usw. – dies wird oft auch „reale Werte“ genannt.

Angst vor Kursverlusten

Warum investieren die Österreicherinnen und Österreicher nicht in Unternehmen? Es ist nicht die Beteiligung alleine, vor der man sich fürchtet. Vielmehr sind es die Kursschwankungen – und dabei vor allem die Schwankungen nach unten, also die Angst vor Kursverlusten. Das Problem entsteht somit zu einem nicht geringen Teil aus dem Handel der Aktien an den Börsen und nicht aus der Beteiligung als solche.

Was macht ein Aktienfonds?

Als Anlegerin und Anleger kann man selber in einzelne Aktien investieren. Doch wie erzielt man mit geringem Kapital eine ausreichende Streuung? Hier können Aktienfonds eine sinnvolle Alternative darstellen. Diese veranlagen üblicherweise in 50 bis 150 Aktien.

Das österreichische Investmentfondsgesetz (InvFG) stellt den Schutz der Anlegerinnen und Anleger in den Mittelpunkt. Die Pflicht zur „Diversifikation“ – also zur Aufteilung des Vermögens auf unterschiedliche Anlagen ist im Gesetz fest verankert und daher eine Vorgabe für alle Investmentfonds nach österreichischem Recht.

Für jeden Aktienfonds gibt es Richtlinien (Fondsbestimmungen). Diese legen fest, in welche Aktien oder in welchen Aktienmarkt der jeweilige Fonds investieren darf.

Grundsätzliche Einteilungskriterien sind z.B.

  • nach Ländern
  • nach Branchen
  • nach Marktkapitalisierung usw.

Jeder Aktienfonds wird durch einen oder mehrere Experten betreut (Fondsmanager). Dieser wählt gemäß den Vorgaben die entsprechenden Titel aus und kauft diese an geregelten Märkten (Börsen).

Ein Aktienfonds besteht aus vielen Aktien – dem Portfolio

Ein Aktienfonds soll einen ausgewählten Aktienmarkt mit breiter Streuung abdecken. Das einbezahlte Kapital muss in der Regel (entsprechend der Fondsbestimmungen)  vollständig in Aktien investiert werden. Bargeld spielt im Aktienfonds nur eine untergeordnete Rolle.

Die Entscheidung welche Aktien gekauft werden, obliegt ausschließlich der zuständigen Fondsmanagerin oder dem Fondsmanager. Anlegerinnen und Anleger haben hier kein Mitbestimmungsrecht. Die Summe aller Vermögenswerte im Fonds nennt man auch Fonds-Portfolio.

Der Aktienfonds aus der Sicht der Anleger

Anlegerinnen und Anleger können jederzeit in einen bestehenden Fonds investieren. Üblicherweise ist das auch mit kleineren Beträgen z.B. EUR 100,- möglich. Für das einbezahlte Kapital erhält man Fondsanteile. Und noch viel wichtiger: Die Fondsanteile können täglich zum aktuellen Wert wieder verkauft werden.

Die Höhe der Ausschüttung legt die Kapitalanlagegesellschaft fest. Sie ist unabhängig von den erzielten Einkünften aus den Dividenden, orientiert sich aber häufig daran.

Sind Aktienfonds sicherer als einzelne Aktien?

Sicherheit ist ein relativer Begriff, der unterschiedlich interpretiert wird. Häufig werden damit Kursschwankungen verbunden. Da einzelne Aktien starken Kursschwankungen unterliegen können – und der Aktienfonds aus vielen Aktien besteht – schwankt auch der Kurs eines Aktienfonds entsprechend stark.

Fehlende Sicherheit kann auch als Möglichkeit des Totalverlusts des eingesetzten Kapitals verstanden werden. Jede einzelne Aktie kann bis auf Null fallen, wenn das dahinter stehende Unternehmen in Konkurs geht. Hier schützt die Risikoaufteilung im Portfolio. Denn es ist unwahrscheinlich, dass alle Unternehmen im Portfolio gleichzeitig in Konkurs gehen. Durch die Streuung ist die Gewichtung der einzelnen Aktien im Verhältnis zum gesamten Portfolio eher niedrig.

Die unterschiedlichen Anteilscheinklassen bei Aktienfonds

Wie bei den meisten Fonds gibt es auch bei Aktienfonds zwei unterschiedliche Varianten um zu investieren.

  • A-Anteile: Bieten eine regelmäßige (zumeist jährliche) Ausschüttung. Im Zuge der Ausschüttung wird gleichzeitig die anfallende Steuer abgeführt. Die Ausschüttung erfolgt aus dem Fondsvermögen und wird dem Verrechnungskonto der Anlegerin bzw. des Anlegers gutgeschrieben. Somit kommt es am Tag der Ausschüttung zu einem Kursrückgang beim Rechenwert des Fonds. Dies ist eine Kursbewegung zusätzlich zu den üblichen Kursschwankungen.
  • T-Anteile: Diese Anteilscheinklasse ist auf Wertzuwachs ausgelegt. Die Erträge verbleiben im Fonds, nur die angefallene Steuer muss ausgeschüttet werden und wird gleichzeitig an das Finanzamt abgeführt.

Wie wird der Kurs bei einem Aktienfonds ermittelt?

Ein Aktienfonds besteht aus Aktien. Deren Kurse werden an Wertpapier-Börsen ermittelt. Somit gibt es täglich für jeden Titel im Fonds-Portfolio eine aktuelle Bewertung. Aus der Summe aller Vermögenswerte (Aktien und ev. Bargeld) geteilt durch die Anzahl der ausgegebenen Fondsanteile ergibt sich der Rechenwert (Kurs) des Fonds.

Wie geht man mit den Kursschwankungen um?

Aktienfonds können hohe Kursschwankungen aufweisen. Als Beispiel zeigen wir mit dem ESPA STOCK GLOBAL einen Fonds, der weltweit in Aktien veranlagt.

Grafik: ESPA STOCK GLOBAL, Performance 10 Jahre, Startwert normiert auf 100 %
Quelle: Datastream, Daten per 06.06.2017
Hinweis: Die Berechnung der Wertentwicklung erfolgt lt. OeKB Methode. In der Wertentwicklung ist die Verwaltungsgebühr berücksichtigt. Der bei Kauf anfallende einmalige Ausgabeaufschlag in Höhe von bis zu 5,00 % und andere ertragsmindernde Kosten wie individuelle Konto- und Depotgebühren sind in der Darstellung nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Fonds zu.

In der Grafik kann man sehr gut die hohen Kursschwankungen erkennen. Die Frage des richtigen Einstiegszeitpunkts ist bei einer einmaligen Kapitalveranlagung entscheidend für den Anlageerfolg.

Einzahlungen in Schritten

Um sein Investments vom Kurs eines einzelnen Tages unabhängiger zu machen, gibt es bei Aktienfonds die Möglichkeit die Einzahlungen aufzuteilen. So ist es möglich z.B. EUR 100,- pro Monat (über einen längeren Zeitraum) zu veranlagen. Damit werden Anlegerinnen und Anleger zwar niemals den optimalen (niedrigster Kurs) Kaufzeitpunkt erzielen, aber auch nicht den schlechtesten (höchster Kurs). Durch die regelmäßige Veranlagung ergibt sich ein Mischkurs. In der Erste Bank und den Sparkassen nennt man diese Art der Veranlagung den s Fonds Plan.

Und wie kaufe ich den gewünschten Aktienfonds?

Aktienfonds werden üblicherweise nicht an Wertpapiermärkten gehandelt. Anlegerinnen und Anleger, die einen Fonds ausgewählt haben, gehen einfach zu ihrer Hausbank. Dort wird der Fonds für sie geordert. Die Fondsanteile werden innerhalb weniger Tage auf dem Wertpapier-Depot eingebucht.

Für den Kauf von Fondsanteilen fallen üblicherweise Kosten an. Zumeist muss einmalig ein Ausgabeaufschlag bezahlt werden (manche Banken verrechnen Transaktionskosten oder Beratungsgebühren), der bei Aktienfonds üblicherweise im Bereich von ca. 3 % bis 5 % liegt.


Fazit:

Aktienfonds bieten Anlegerinnen und Anlegern die Möglichkeit, sich schon mit kleinen Beträgen an Unternehmen mit breiter Streuung zu beteiligen – und somit an der wirtschaftlichen Entwicklung dieser Unternehmen teilzuhaben.

Es gibt viele unterschiedliche Aktien und Aktienmärkte – und ebenso gibt es eine große Anzahl an Aktienfonds, die diese Märkte abdecken. Der große Vorteil eines Aktienfonds im Vergleich zu einer einzelnen Aktie liegt in der Aufteilung des veranlagten Kapitals auf viele Unternehmen, die in unterschiedlichen Ländern und/oder Branchen tätig sind. Diese breite Streuung nennt man in der Fachsprache auch „Diversifikation“.

 

 

Diversifikation ist Bestandteil des aktiven Managements bei allen Fonds der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie auf unserer Homepage www.erste-am.at

 

 

 

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Johann Griener

Johann Griener ist seit 01.01.2001 in der Erste Asset Management GmbH im Bereich „Sales Retail“ tätig. In dieser Funktion betreut er v.a. die Sparkassen in Österreich mit aktuellem Schwerpunkt auf Oberösterreich. Der Aufgabenbereich umfasst die Servicierung, Schulung, Aus- und Weiterbildun...

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