Was passiert mit Aktien wenn die Zinsen steigen?

Was passiert mit Aktien wenn die Zinsen steigen?
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Zweifelsohne haben Aktien in der Vergangenheit von fallenden bzw. niedrigen Zinsen profitiert. Neben der Entwicklung der Unternehmensgewinne ist das Zinsniveau tatsächlich ein wesentlicher Kurstreiber für Dividenden-Papiere.

Dabei ist klar: Steigen die (Unternehmens-)Gewinne, steigt auch in der Regel der Kurs von Aktien. Bei Zinsen ist der Einfluss umgekehrt. Je höher das Zinsniveau, desto niedriger werden Aktien bewertet. Das ist deshalb der Fall, weil Investoren einen sicheren Ertrag einer riskanten Veranlagung vorziehen. In der jüngeren Vergangenheit hat es so gut wie keine sicheren Erträge gegeben. Damit wurden Investoren „gezwungen“ Risiko zu nehmen, wenn sie Wertsteigerungen generieren wollten. Daher wurde auch verstärkt in Aktien investiert.

Ist der Aufwärtstrend bald am Höhepunkt?

Das Zinsniveau wird unter anderem durch die Inflation beeinflusst. Die Deflation, die uns noch im Jahr 2015 beschäftigt hat, ist im Moment kein Thema. Die Notenbanken haben daher damit begonnen ihre sehr lockere Geldpolitik wieder zu „normalisieren“. Diese Rückkehr zur Normalität, lässt manchen Aktienanleger darüber spekulieren, ob der Aufwärtstrend bald seinen Höhepunkt erreicht?

Inflation (in USA) wieder auf 2% – aktuell keine Deflationsgefahr

Abb. 1, Quelle: Datastream

Abb.1 zeigt: Die Inflation ist in den vergangenen zwei Jahren von einem negativen Bereich wieder auf ein „normales“ Niveau von ca. 2% angestiegen. Trotz steigender Inflationszahlen haben die Aktienmärkte in den letzten beiden Jahren ihren Aufwärtstrend fortgesetzt. Die Bewertung ist dabei tendenziell sogar gestiegen.

Bedeutet das, dass steigende Inflation keinen Einfluss mehr auf die Bewertung von Aktien ausübt? Folgender Chart soll Klarheit zu dieser Frage liefern:

Zusammenhang steigende Inflation – abnehmendes Bewertungsniveau

Abb. 2, Quelle: MSCI, Datastream

Abb. 2 veranschaulicht den Zusammenhang zwischen Inflation und Bewertungsniveau (Kurs-Buchwert-Verhältnis für den US-Gesamtmarkt). Der blaue Balken repräsentiert die Bewertungs-Bandbreiten über die letzten 40 Jahre bei US-Unternehmen. Dabei gilt tatsächlich: Je höher die Inflation, desto niedriger ist die Bewertung an den Aktienmärkten (Betrachtung der Mittelwerte). Allerdings gilt dieser Zusammenhang nur für Inflationsniveaus von über 3%. Die höchsten Bewertungsniveaus wurden in der Vergangenheit im Bereich von einer Inflation von um die 2% beobachtet. Sinkt die Inflation deutlich unter 2%, gilt der oben beschriebene Zusammenhang nicht mehr: Eine fallende Inflation von unter 2% bedeutet nicht eine höhere Bewertung, sondern – im Gegenteil – die Bewertung beginnt wieder zu fallen. Dieses Phänomen konnte in Japan beobachtet werden. Denn viele Unternehmen haben es schwer ihre Gewinne in einem deflationären Umfeld zu steigern.

Die „magische“ 3%-Schwelle der Inflation

Die Aktienmärkte haben in den letzten beiden Jahren von der Inflation eher profitiert, da das Deflationsgespenst in den Hintergrund gedrängt wurde. Eine steigende Inflation im Bereich zwischen null und zwei Prozent geht meistens mit einer höheren Bewertung einher. Aktuell befinden wir uns in einem „sweet spot“, d.h. die Bewertung ist am höchsten, wenn die Inflation um die zwei Prozent schwankt. Gefahr droht erst, wenn die Inflation über das Niveau von drei Prozent steigt. Diese Gefahr sehen wir derzeit nicht.

Bei deutlichem Anleihen-Renditeanstieg droht Korrektur

Sollte – wider Erwarten – die Inflation weiter steigen und damit einhergehend die Renditen von Staatsanleihen deutlich anziehen, ist damit zu rechnen, dass die Aktienmärkte tatsächlich mit einer niedrigeren Bewertung reagieren. Eine Korrektur oder Stagnation wird dann sehr wahrscheinlich. Steigende Gewinne können diesen Effekt dann nur teilweise auffangen.

Value Aktien bei steigenden Anleihen – Renditen

Anleger, die von diesem Szenario ausgehen und deutlich steigende Renditen erwarten, aber dennoch in Aktien investieren wollen, sollten sich eher auf Value Aktien konzentrieren – im Gegensatz zu Quality Aktien. Value Aktien kann man nicht unbedingt mit „unterbewertet“ gleichsetzen. Sie haben lediglich eine niedrige Bewertung in Bezug auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) oder Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBW).

Was sind überhaupt Value-Aktien?

Aktuell sind es vor allem Aktien von Finanzwerten (Banken, Versicherungen) und von Rohstoff-Unternehmen. Bankaktien profitieren von einer steilen Zinskurve, d. h. von deutlich höheren Zinsen bei längeren Laufzeiten als bei kürzeren. Die Gewinne von Rohstoffaktien sollten von einer steigenden Inflation überproportional profitieren. Die Konzentration auf Value Aktien sollte solange aufrecht bleiben, bis die ersten Anzeichen einer Rezession auftauchen. Dann  sollten Quality-Aktien, das sind Papiere von stabilen und finanzstarken Unternehmen wieder Oberwasser erhalten.

Abb. 3 zeigt den Zusammenhang der Outperformance von Value-Aktien und der Entwicklung der Renditen von 10-jährigen US-Staatsanleihen. Der Zusammenhang ist dabei mit freiem Auge erkennbar. Steigen die Renditen, entwickeln sich Value Aktien (vor allem Finanzwerte und Rohstofftitel) besser als der gesamte Aktienmarkt. Sollten die Renditen bei den Anleihen tatsächlich weiter steigen, könnte die anhaltende Underperformance von Value-Aktien seit der Finanzkrise zu einem Ende kommen.

Abb. 3, Quelle: Bloomberg, MSCI
Hinweis: Bei der Wertentwicklung werden keine Gebühren oder Steuern berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

 

Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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