Nach einer jahrelangen Durststrecke haben europäische Bankaktien heuer eine solide Wertentwicklung an den Tag gelegt. Der Stoxx 600 Banken-Index, der die 45 größten europäischen Banken beinhaltet, konnte seit Jahresbeginn bis Ende August ca. sechs Prozent zulegen.* Damit haben sich europäische Banken besser geschlagen als europäische Aktien insgesamt (um 2,6 Prozent, bezogen auf den Stoxx 600*) als auch US-Banken-Aktien (um 4,7 Prozent bezogen auf den KBW Bank-Index*).
*Quelle: Daten per 31.8 2017, Quelle: Bloomberg
Wir glauben, dass der europäische Bankenindex auch im zweiten Halbjahr seine Stärke gegenüber europäischen Aktien und US-Banken behaupten wird.

Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Index zu.
Seit Jahresbeginn haben sich Aktien europäischer Banken stärker entwickelt als US-Bankaktien und Aktien anderer europäischer Branchen.

Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Index zu.
In den letzten fünf Jahren waren hingegen US-Bankaktien die klaren Gewinner.
Gründe für den guten Lauf europäischer Bankaktien
Die unterschiedliche Entwicklung des Bankensektors auf den zwei Seiten des Atlantiks hat mehrere Ursachen:
Da wäre einmal der Basiseffekt: Der starke Aufschwung der europäischen Banken seit Jahresbeginn ist darauf zurückzuführen, dass die Ausgangsbasis eine niedrigere war. Nimmt man als Basis für den Kursanstieg den Tag nach der Brexit-Entscheidung (24. Juni 2016), so sind zunächst US-amerikanische Banken besser gelaufen als europäische. Dies hat damit zu tun, dass europäische Bankaktien negativer von dem Brexit betroffen waren. Umgekehrt konnten US-Banken nach dem Wahlsieg Trumps im November 2016 von den gestiegenen Wachstums- und Inflationserwartungen profitieren.
Einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die gute Performance hatte die Entwicklung der Anleihenrenditen, die dieses Jahr besonders politischen Ereignissen getrieben wurden. Höhere Renditen wirken sich positiv auf die Banken aus, da die Erträge aus der Zinsmarge – eine der Haupteinkommensquellen für Banken – steigt.
Vertrauen in gemeinsames Europa
2017 hat sich das politische Klima in Europa deutlich besser entwickelt als in den USA. Das größte politische Risiko für Europa stellte die Präsidentschaftswahl in Frankreich dar. Der Wahlsieg Macrons ließ vorhandene Ängste vor einer Stärkung populistischer Strömungen in den Hintergrund rücken. Auch die Wahl in den Niederlanden, sowie Fortschritte im italienischen Bankensektor verbesserten das politische Umfeld.
US-Markteuphorie über Trump „verflogen“
In den USA nahm die anfängliche Euphorie der Investoren nach Trumps Wahlsieg kontinuierlich ab. Die Vorwürfe in der Russland-Affäre konnten nicht beseitigt werden. Personalveränderungen in der Regierung häuften sich, und die Spannungen zwischen den USA und Nordkorea spitzen sich immer weiter zu. Auch die Problematik um die Anhebung der Schuldenobergrenze wurde nicht langfristig gelöst. Die neue Deadline wurde nun auf den 15. Dezember hinausgeschoben. Dies alles trug dazu bei, dass die Hoffnung der Investoren in Infrastrukturpläne, Steuerreformen und weniger Regulatorien immer weiter zurückging.
Dieser Vertrauensverlust ist besonders an den Entwicklungen der US-Renditen abzulesen: 10-jährige US-Renditen, die stark vom langfristigen Wachstumsausblick abhängen, fielen seit Jahresanfang um mehr als 32 Basispunkte (100 Basispunkte = 1 Prozent). Von ihrem Jahreshoch im März waren es sogar über 50 Basispunkte (Angaben per 31.8.2017, Quelle: Bloomberg).
In Europa konnte sich die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihen dem fallenden Renditentrend – ausgelöst durch zunehmende geopolitische Risiken – in den letzten Wochen zwar nicht entziehen. Ende August stand sie jedoch etwa 10 Basispunkte höher als zu Jahresbeginn.
Der Euro steigt und steigt
Der Euro – beflügelt von der relativ komfortablen politischen Situation in der Eurozone, als auch durch solide Wachstums- und Makrodaten – konnte in diesem Jahr mehr als 13 Prozent gegen den US-Dollar gewinnen, siehe Grafik (31.8.2017, Quelle: Bloomberg). EZB-Präsident Draghi zeigte sich bislang recht unbesorgt über die stärkere Gemeinschaftswährung und stellte in Aussicht, im Oktober Details hinsichtlich der geplanten Reduzierung des Anleihekaufprogramms der EZB zu verkünden. Diese Ankündigung ließ den Wert des Euro im September weiter steigen.

Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.
Starkes Comeback des Euro in den letzten Monaten.
Gute Wirtschaftsdaten und Hoffnung auf Renditeanstieg treiben Banken
Solide Wirtschaftsdaten aus der Eurozone sowie das bevorstehende Tapering der EZB (=Reduktion des Volumens der Anleihekäufe), sollten sich positiv in Form eines höheren Zinsausblicks auf europäische Banken auswirken. Weiterhin zu erwartende politische Spannungen in den USA – vor allem Nordkorea und die Deadline zur Anhebung der Schuldenobergrenze – sollten unterstützend auf den Euro wirken. Der stärkere Euro ist nicht per se positiv für den europäischen Bankensektor. Banken werden von der stärkeren Gemeinschaftswährung jedoch weniger negativ beeinflusst als exportsensitive europäische Sektoren, die unter dem höheren Euro leiden.
Die genannten Gründe stimmen uns optimistisch, dass europäische Bankaktien den europäischen Gesamtmarkt auch im zweiten Halbjahr schlagen werden. Den größten Schub hat zweifellos die französische Präsidentschaftswahl ausgelöst. Der Aufwärtstrend könnte deswegen schaumgebremster ausfallen als im ersten Halbjahr. Auch gegenüber US-Banken könnten die Europäer abermals die Nase vorn haben, da die politische Unsicherheit sich weiterhin negativ auf US-Zinsen und den US-Dollar auswirken sollte.
Wichtige rechtliche Hinweise:
Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.