Interview mit Martin Cech

Martin Cech, Senior Fondsmanager Erste Asset Management
Martin Cech ist Fondsmanager unseres nachhaltigen Mikrofinanzfonds ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE in der Erste Asset Management. In diesem Interview geht es darum, welchen positiven Einfluss nachhaltiges Investieren auf Kinderarbeit haben kann.
Was macht ein Mikrofinanzfonds anders als ein normaler Fonds?
Cech: Mikrofinanzfonds verfolgen neben der Erreichung einer positiven Rendite ein weiteres Ziel, nämlich einen positiven sozialen Effekt zu haben. Man spricht deshalb auch von sogenannten Impact-Fonds, also Fonds dessen positiven Einfluss man messen kann. Mit dem investierten Geld wird Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern eine Starthilfe für eine berufliche Existenz gegeben. Mikrofinanz ist damit auch ein Instrument zur Verringerung der Armut auf der Welt. Diese ist oft die Ursache für Kinderarbeit.
Wie lässt sich dieser Impact messen?
Cech: Aufgrund der sehr breiten Diversifikation in über 80 Ländern und mehr als 400 Mikrofinanzinstituten ist eine genaue Messung nicht leicht. Wir wissen dennoch, dass derzeit über unseren Fonds rund 15.000 Menschen in den Genuss von fairen Krediten kommen. Rechnet man das nähere soziale Umfeld dieser Kreditnehmer dazu, profitieren derzeit knapp 100.000 Menschen allein von den Investitionen unseres ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE Fonds. Neben den direkten KreditnehmerInnen, die damit ihre Geschäftsidee umsetzen, sind auch deren Kinder und ihre Angestellten indirekt Nutznießer eines Mikrokredits. Zusätzlich messen wir auch laufend den Anteil der Kredite, die für berufliche Investitionen und nicht für Konsumgüter verwendet wird. Dieser Wert beträgt derzeit rund 85 Prozent.
Warum werden Mikrofinanzfonds so oft mit dem Fokus auf Entwicklungsländern aufgesetzt? – Gäbe es nicht auch Bedarf in Europa?
Cech: Mikrofinanz hat seinen Ursprung in Bangladesch, wo Muhammad Yunus in den 1970er Jahren die Grameen Bank gründete, um diese Idee zu verwirklichen. Aufgrund der globalen Bevölkerungsstruktur und dem starken Wohlstandsgefälle spielt Mikrofinanz in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern der Regionen Lateinamerika, Afrika, Zentralasien, Süd- und Ostasien sowie Zentral- und Osteuropa eine große Rolle. Aber auch in Industrieländern gibt es Initiativen – vielfach von staatlicher Seite oder von NGOs betrieben – die das Motto „Banking the unbankable“ verfolgt. Hier ist das Ziel, Menschen aus niedrigeren sozialen Schichten den Zugang zu Finanzdienstleistungen zu erleichtern. In Österreich setzt die „Zweite Sparkasse“ dieses Modell seit 2006 erfolgreich um.
Welchen Einfluss können Mikrofinanzfonds auf Kinderarbeit nehmen?
Cech: In den Fonds, in die unser Dachfonds investiert, werden „ausbeuterische Kinderarbeit“ und die Verletzung von Arbeitsrechten in den Anlagerichtlinien festgesetzt. Eine 100-prozentige Kontrollierbarkeit ist jedoch nicht gegeben. Vor einem Investment erfolgen jedoch Vorort Überprüfungen der Mikrofinanzfonds und in Stichproben werden Endkunden besucht und deren Geschäftspraktiken begutachtet.
Weltweit erfolgt ein großer Teil der Kinderarbeit in der Landwirtschaft, gefolgt vom Dienstleistungsgewerbe. Mit Mikrofinanz soll den KundInnen die Möglichkeit gegeben werden, sich eine berufliche Existenz aufzubauen. Knapp zwei Drittel der KreditnehmerInnen sind Frauen. Begleitend werden Kindern bessere Ausbildungsmöglichkeiten ermöglicht. Gemäß einer Studie von Dehejia and Gatti aus 2002 kann „(…)der Zugang zu Kreditmärkten Kinderarbeit, (…), deutlich wirkungsvoller reduzieren als Restriktionen und direkte Verbote“.
Der ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE ist ein Dachfonds, der vorrangig in bestehende Mikrofinanzfonds investiert. Vereinzelt beteiligt sich der Fonds auch direkt an der Kreditvergabe an Mikrofinanzinstitute (MFIs), die mit geliehenem Geld arbeiten, damit Mikrokredite vergeben aber auch andere Finanzdienstleistungen wie Mikroversicherungen, Sparprodukte, Electronic Banking, Handy Banking etc. betrieben werden können.