In den vergangenen Wochen hat sich eine ungewöhnlich große US-Militärpräsenz rund um den Iran aufgebaut. Mittlerweile sind zwei amerikanische Flugzeugträger in der Region stationiert, unterstützt von US-Booten, Tankflugzeugen und anderem Gerät. Medien berichten außerdem die Verlegung von Schwertransportflugzeugen, Aufklärungsplattformen und Tankflugzeugen zu US-Stützpunkten in der Region.
Zusätzlich verschärfte der US‑Präsident Donald Trump zuletzt den Ton: Sollte innerhalb von 15 Tagen keine Einigung über das iranische Atomprogramm erzielt werden, würden „schlimme Dinge passieren“.
Eine neue Phase der Krise
Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran sind damit in eine neue, potenziell gefährlichere Phase eingetreten. Gleichzeitig scheinen sich viele Expert:innen einig zu sein: Weder Washington noch Teheran sind an einem umfassenden Krieg interessiert. Dennoch ist das Risiko einer Eskalation angestiegen. Die Finanzmärkte preisen derzeit mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eine Verhandlungslösung zwischen den beiden Konfliktparteien ein.
Die gestiegene Unsicherheit sieht man dennoch vor allen an dem angestiegenen Ölpreis – von rund 60 US-Dollar pro Fass Brent zu Jahresbeginn auf zuletzt etwa 71,3 US-Dollar (Stand 23.2.2026). Öl gilt in geopolitischen Krisen oft als Frühwarnsignal für wachsende Unsicherheit.
Drei Faktoren treiben die Lage im Nahen Osten
Zentral für die fragile Situation im Mittleren Osten sind drei Kräfte:
- Die Unruhen im Iran
Der Iran steckt seit längerem in einer schweren wirtschaftlichen Krise. Hohe Inflation, Arbeitslosigkeit und eine sinkende Kaufkraft haben ab Dezember 2025 zu landesweiten Massenprotesten geführt. Diese wurden vom Regime gewaltsam unterdrückt. Laut Berichten des Time Magazine kamen dabei – unter Berufung auf lokale Gesundheitsbehörden – bis zu 30.000 Menschen ums Leben.
Diese Unruhen haben das Regime erheblich geschwächt und erhöhen den Druck auf die politische Führung.
- Der wachsende Druck der USA
Bereits die Angriffe der US und Israel im vergangenen Jahr haben Irans Abschreckung und sein Netz regionaler Verbündeter geschwächt. Die aktuelle, massive Zunahme der Truppen- und Flottenpräsenz verstärkt diese Entwicklung.
Ziel der USA ist es, eigene Interessen und Verbündete in der Region zu schützen – darunter Militärbasen, Ölanlagen und die strategisch wichtige Straße von Hormus. Gleichzeitig soll die militärische Drohkulisse den Iran zu Verhandlungen zwingen.
Der Iran lehnt zentrale Forderungen der USA jedoch weiterhin ab, etwa Einschränkungen bei Raketenprogrammen, der Urananreicherung und regionalen Aktivitäten.
- Nukleare Unsicherheit
Für den Bau von Atomwaffen wird ein Anreicherungsgrad von rund 90 Prozent Uran benötigt. Schon im Vorjahr hat der Iran seine Produktion auf 60 Prozent erhöht. Die Überwachung dieses Bestands hat die Internationale Atomenergiebehörde IAEA weitgehend verloren.
Bereits im vergangenen Jahr bezeichnete die IAEA die Zusammenarbeit mit Teheran bei der Überprüfung des iranischen Atomprogramms als „nicht zufriedenstellend“. Die Gefahr, dass der Iran das angereicherte Uran zum Bau von Atomwaffen verwendet, ist angestiegen. In der Fachwelt spricht man hierbei vom sogenannten Proliferationsrisiko. Außerdem wird gewarnt, dass Chaos im Iran zu Verlust oder Diebstahl von nuklearem Material führen könnte.
Welche Szenarien sind denkbar?
Theoretisch kristallisieren sich drei mögliche Szenarien heraus:
- Verhandlungslösung. Die Gespräche im Oman finden eine von beiden Seiten akzeptable Lösung. Die Abschreckung der USA war genügend glaubwürdig.
- Weil der Iran Kernzugeständnisse verweigert, setzen die USA zielgerichtete, kurze Angriffe. Die begrenzten US-Militärschläge bedeuten eine moderate und zeitlich begrenzte Eskalation. In diesem Fall liegt das Risiko in der Antwort des Iran (zB. eine mögliche „Schließung“ der Straße von Hormus).
- Größere Eskalation. Im Eskalationsfall würden die USA wahrscheinlich mit größeren Gegenschlägen antworten.
In allen drei Szenarien gibt es zusätzlich das Risiko einer nuklearen Krise auf die mittlere Sicht. Im Fall eines Uran-Materialverlustes könnte es irgendwann / irgendwo zu einem nuklearen Zwischenfall kommen.
Was bedeuten diese Szenarien für die Börsen?
Abgeleitet für die Finanzmärkte impliziert diese Konstellation drei mögliche Entwicklungen. Die Wirkungskanäle sind erstens der Grad an Unsicherheit, zweitens der Ölpreis und drittens der Preis für Flüssiggas (LNG).
Im Fall einer Verhandlungslösung dürfte sich der Ölpreis wieder auf einem niedrigeren Niveau einpendeln. Das würde die Inflation leicht senken (positiv für Anleihen). Der dadurch entstehende kleine Kaufkraftanstieg wäre positiv für das Wirtschaftswachstum (positiv für Aktien). Auch die verminderte Unsicherheit wäre positiv für die Marktstimmung.
Rund ein Viertel des globalen Seetransportes von Öl geschieht durch die Straße von Hormus. Allein das Risiko, dass die Meerenge unpassierbar werden könnte, würde zu einem weiteren Anstieg des Ölpreises führen. Die Inflation und die Unsicherheit an den Märkten würden temporär ansteigen (negativ für Anleihen und Aktien). Zudem fließt auch rund ein Fünftel des globalen LNG-Transports durch die Meeresenge. Im Fall eines befürchteten Engpasses wären wahrscheinlich asiatische und europäische Gaspreise betroffen.
Sichere Häfen könnten an Attraktivität gewinnen, Staatsanleihen aus Golfstaaten wäre Verlierer
Eine tatsächliche Eskalation würden die sogenannten sicheren Häfen attraktiver erscheinen lassen. Dazu gehören: der Euro-Geldmarkt, der US-Dollar, der Schweizer Franken und Gold. Staatsanleihen der entwickelten Volkswirtschaften (US-Staatsanleihen und deutsche Bundesanleihen) gehören in diesem Umfeld wahrscheinlich nicht zu den sicheren Häfen, weil die Inflation zumindest temporär ansteigt. Gleichzeitig würden risikobehaftete Vermögenswerte wie Aktien weniger attraktiv.
Vor allem in den Golfstaaten könnten Staatsanleihen unter Druck geraten, da sich das gestiegene Länderrisiko in höheren Risikoaufschlägen widerspiegeln würde. In der Vergangenheit waren geopolitische Ereignisse für die Finanzmärkte jedoch oftmals nicht nachhaltig relevant. Möglicherweise würde also auch eine Eskalation mit Gegenreaktionen des Iran nur für eine begrenzte Dauer die Märkte beschäftigen.
Droht ein Comeback der Inflation?
Trotzdem bleibt das Risiko von längerfristigen Auswirkungen – vor allem im Fall einer größeren militärischen Eskalation. Die Wirkungskanäle sind ähnlich wie im vorangegangenen Szenario, nur mächtiger. Kräftige Öl- und Gaspreisanstiege und ein sprunghafter Anstieg der Unsicherheit könnten einen stagflationären Schock erzeugen.
Im Hintergrund lauert das Risiko eines permanenten Anstiegs der Inflation und der Inflationserwartungen. Denn die Inflation ist mittlerweile seit 2021 erhöht. Ein nochmaliger – wenn auch anfänglich nur temporärer – Inflationsanstieg könnte die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken in der Inflationsbekämpfung beschädigen. Auch in diesem Fall wären sichere Häfen wie der Geldmarkt oder Gold gefragt.
Fazit
Der General und Militärtheoretiker Carl von Clausewitz beschreibt in seinem Buch „Vom Kriege“ die grundlegenden Eigenschaften, die jeden Krieg prägen. Eine dieser Säulen ist der Zufall, der bei Clausewitz eine zentrale Rolle spielt. Im Krieg ist kaum etwas klar: unvollständige Informationen, Fehleinschätzungen, Täuschungen und widersprüchliche Lagebilder prägen das Umfeld.
Das kommt bekannt vor. Diese Unsicherheit erklärt, warum die Risikoaversion an den Märkten zuletzt gestiegen ist: Aktien stehen unter Druck, der US‑Dollar zeigt sich fester. Für Privatanleger:innen bleibt daher ein ausgewogener, breit diversifizierter Ansatz wichtiger denn je.
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