Hitzewellen werden in Europa immer häufiger und intensiver und damit auch ihre ökonomischen Folgen. Mit steigenden Temperaturen nehmen nicht nur die Belastungen für Mensch und Umwelt zu – auch die Wirtschaft spürt die Folgen.
Dabei hat sich die Zahl extremer Hitzeereignisse seit den 80er-Jahren weltweit versiebenfacht, wie aus einer im Mai veröffentlichten Studie von Allianz Research hervorgeht. Europa leidet dabei besonders unter Hitzewellen, auch wegen der älteren Bevölkerung und der im internationalen Vergleich noch geringen Ausstattung mit Klimaanlagen.
Die kritische Schwelle liegt bei 30 Grad
Die ökonomischen Auswirkungen der Hitzewellen sind dabei nicht proportional zum Temperaturanstieg. Eine Temperatur von 30 Grad gilt unter Expert:innen als die kritische Marke, ab der sich extreme Hitzephasen plötzlich sprunghaft in Produktivitätsverlusten niederschlagen. Die Ökonom:innen der Allianz errechnen in ihrem Modell einen Produktivitätsverlust von 1 Dollar pro Arbeitsstunde oder 3 Prozent für jedes zusätzliche Grad in der 30 bis 35 Grad-Spanne.
Die daraus resultierenden Verluste von Steuereinnahmen sind bei progressiven Steuersätzen sogar noch stärker. Die Stundenlöhne sinken zwar parallel mit der Produktivität, allerdings zeitverzögert. Kurzfristig steigen damit die Arbeitskosten für Unternehmen. Dieser Effekt, zusammen mit höheren Energiekosten für die Kühlung, belastet auch die Rentabilität von Unternehmen, so die Allianz-Studie.
Südliche Länder besonders betroffen, positive Effekte in nördlichen Ländern
Unter der 30 Grad-Marke überwiegen die positiven Effekte der Wärme, wie zum Beispiel die niedrigeren Heizkosten. Das zeigt sich auch in Ländervergleichen der Hitzefolgen. Während nordische Länder wie Kanada, Schweden oder Finnland von Hitzewellen noch profitieren, sinkt die Produktivität in wärmeren Regionen stark.
Eine ökonometrische Analyse von Allianz Research, basierend auf den Daten von 35 Ländern im Zeitraum von 1997 bis 2023, etwa zeigt ein klares Ländergefälle. Die nördlicheren Länder Großbritannien, Schweden, Finnland, Norwegen und Irland profitieren laut der Analyse sogar von Hitzewellen mit Anstiegen des Arbeitsoutputs pro Stunde zwischen 2 und 3 Prozent. Hier lagen die Temperaturen auch großteils unter der wichtigen 30-Grad-Marke.
Anders sieht es in wärmeren Regionen aus. So litten südlichere Länder wie Slowenien, Italien, Frankreich oder Australien mit Produktivitätseinbußen von bis zu knapp 3 Prozent am deutlichsten unter der Hitze.

Stand per 1.7.2026
Besonders betroffen: Landwirtschaft, Bau und Tourismus
Auch branchenseitig wirken sich die Hitzewellen unterschiedlich stark aus. „Ein großes Problem“ ergibt sich etwa für die Landwirtschaft, erklärte jüngst der Wifo-Ökonom Marcus Scheiblecker im Gespräch mit der Austria Presse Agentur (APA).
Hitzewellen treten immer öfter von Juni bis September auf und nicht wie früher nur zur Sommermitte. Viele Feldfrüchte vertragen große Hitze über längere Zeit aber nicht, insbesondere ohne ausreichende Bewässerung, so der Ökonom. Besonders betroffen ist dabei naturgemäß die Landwirtschaft in südlichen Regionen. In Italien warnten Branchenverbände bereits vor drastischen Auswirkungen der jüngsten Hitzewellen auf die Wein- und Reisproduktion.
Auch für den Bau entstehen neue „Hindernisse“, aber womöglich nicht nachhaltig. Andere Zeiten zum Bauen und auch mehr Hitzevorschriften könnten nötig werden, so Scheiblecker. Eine Verlagerung in kühlere Zeiten sei wahrscheinlich, dadurch könnten die Kosten allerdings steigen, da in kürzeren Phasen im Frühjahr und im Herbst mehr gebaut werden müsste. „Es könnte im Sommer ein Bauloch entstehen wie bisher im Winter“, so der Experte.
Im Tourismus dürften Städtereisen in der heißen Zeit weniger attraktiv werden, erwartet Scheiblecker. Im Gesundheitswesen drohten zudem höhere Kosten, da mit mehr Hospitalisierungen wegen Hitze zu rechnen sei. Hersteller von Klimaanlagen stellen sich hingegen auf einen Boom ein, wie das Handelsblatt von führenden deutschen Produzenten erfuhr. 2024 produzierten die Hersteller allein in Deutschland rund 317.000 Klimaanlagen. Das ist eine Steigerung von mehr als 90 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Hitzeflaute trieb Strompreise zeitweise deutlich nach oben
Besonders betroffen von den Hitzewellen ist naturgemäß der Energiesektor, da die Nachfrage nach Strom für Kühlungssysteme und Klimaanlegen steigt. Das zeigte sich bei der jüngsten Hitzewelle auch an den Strompreisen an Europas Energiebörsen, die sich zeitweise vervielfacht haben. Vor allem für die Sommerzeit sind derart hohe Strompreise ungewöhnlich. Vergleichbar hohe Niveaus wurden zuletzt 2022 verzeichnet, nachdem der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine eine Energiekrise ausgelöst hatte.
Besonders stark ist die Stromnachfrage dabei am Abend. Hier müssen Wohn- und Büroräume aber auch Industrieanlagen gegen die Hitze ankämpfen, erklärte Christoph Maurer vom Beratungsunternehmen Consentec in einem Interview mit dem „Handelsblatt“.

Hinweis: Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Wertentwicklungen.
Auch bei der Stromnachfrage ortet die Allianz-Studie dabei naturgemäß ein merkliches Gefälle zwischen kühleren und wärmeren Regionen. In heißeren Ländern wie Ägypten, China, Senegal oder Spanien steigt der Strombedarf laut der Studie während der Hitzewellen zwischen 2 bis knapp 6 Prozent im Vergleich zu einem 20-Jahresschnitt. Kühlere Länder wie Irland, Norwegen, Großbritannien oder Finnland profitierten in der Vergangenheit sogar von geringeren Heizkosten. Diese positiven Effekte dürften allerdings in Zukunft erodieren, wenn die Temperaturen weiter ansteigen, warnen die Studienautoren.
Vor dem Hintergrund der steigenden Stromnachfrage rücken auch erneuerbare Energien wieder stärker in den Fokus. „Jüngste Prognosen rechnen mit einem deutlichen Anstieg des Strombedarfs in den kommenden Jahrzehnten – nicht zuletzt auch durch den rasanten Ausbau der KI-Infrastruktur“, betont Alexander Weiß, Umweltaktien-Fondsmanager bei der Erste Asset Management.
Erneuerbare Energien könnten hier als kostengünstige und schnell verfügbare Energiequelle eine wichtige Rolle bei der Deckung des Strombedarfs spielen, führt der Experte weiter aus. „In diesem Zusammenhang sind auch die Netzinfrastruktur und Batterielösungen wichtige Wachstumsthemen auf die wir im Umweltaktienfonds ERSTE GREEN INVEST gezielt setzen“, so Weiss.
Fazit: Klimarisiken rücken stärker in den Fokus
Extreme Hitze ist längst mehr als ein Wetterphänomen. Sie verändert Produktionsbedingungen, Lieferketten, Energiebedarf und Investitionsentscheidungen. Für Anleger:innen wird deshalb immer wichtiger, wie gut Unternehmen auf diese Entwicklungen vorbereitet sind.
Gleichzeitig entstehen neue Chancen. Investitionen in Energieeffizienz, erneuerbare Energien, intelligente Stromnetze oder Lösungen zur Anpassung an den Klimawandel gewinnen an Bedeutung. Unternehmen, die innovative Antworten auf diese Herausforderungen entwickeln, könnten langfristig Rückenwind durch den strukturellen Wandel erhalten.
Nachhaltig investieren – mit Blick auf die Zukunft
Wer in diese langfristigen Entwicklungen investieren und gleichzeitig auf Unternehmen setzen möchte, die aktiv zur Transformation der Wirtschaft beitragen, findet im ERSTE GREEN INVEST eine interessante Anlagemöglichkeit. Der Fonds investiert weltweit in Unternehmen, deren Produkte und Dienstleistungen einen Beitrag zu Umwelt- und Klimaschutz leisten – etwa in den Bereichen erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Wasser, Kreislaufwirtschaft oder nachhaltige Mobilität.
Auch die Bereiche Transformation und Adaption zählen zu den Fokusthemen im Fonds. So wird auch gezielt in Anbieter von Kühl- und Klimatechnologien investiert, darunter das Unternehmen Trane Technologies, das in der Entwicklung, Herstellung, dem Vertrieb und dem Service von Haustechnik-Anlagen, sowie der Transportkühlung und der Herstellung maßgeschneiderter Kühllösungen tätig ist. Auch das Portfoliounternehmen Johnson Controls International entwickelt Lösungen im Bereich Haustechnik und Kältetechnik.
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