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Weltwirtschaft zwischen KI-Boom und Krisen: Was kommt 2027?

Vor 2 Stunden aktualisiert

Weltwirtschaft zwischen KI-Boom und Krisen: Was kommt 2027?

Das weltweite Wachstum könnte erst im kommenden Jahr wieder mehr Fahrt aufnehmen. Das prognostiziert zumindest der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem aktuellen Wirtschaftsausblick.Während für das aktuelle Jahr ein Wachstum von 3,1 Prozent erwartet wird, liegt die Prognose für 2027 bei 3,4 Prozent, sofern sich die Lage im Nahen Osten wie erwartet normalisiert.

Hinweis: Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Die hohen Energiepreise belasteten die Weltwirtschaft, fügte der IWF hinzu. Zugleich stützten aber hohe Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) die Wirtschaft. Indien traut der IWF ein deutlich höheres Wachstum zu, Deutschland ebenfalls, vor allem für dieses Jahr. Wachstumstreiber sind zudem die USA und China.

KI-Investitionen stützen Weltwirtschaft

Die Weltwirtschaft habe sich im Jahresverlauf bisher besser geschlagen als gedacht, so der IWF. Es gebe neben den Kriegen in Nahost und der Ukraine aber zahlreiche weitere Risiken. Handelsstreitigkeiten lägen wie eine dunkle Wolke über der Weltwirtschaft. Die Energiepreise seien nicht nur höher, sondern auch schwankungsanfälliger. Die Verschuldung sei auch in großen Ländern hoch und steige weiter an. Für Ausgleich sorge der KI-Boom. Der Anteil des Handels mit KI-Hardware sei exponentiell gestiegen. Die USA und China sind in hier besonders aktiv.

KI kurbele aber auch das Wachstum in Indien und anderen asiatischen Ländern an, sagte die neue IWF-Chefökonomin Silvana Tenreyro gegenüber Journalist:innsn vergangene Woche bei der Präsentation des Wirtschaftsausblicks in Bangkok. Ohne den KI-Schub wäre der Welthandel weitaus langsamer gewachsen. Er habe zwischen 2023 und 2025 um 8,3 Prozent zugelegt, während es bei KI-Bezug 29 Prozent waren.

Stand per Oktober 2026

Energiepreise dürften auch bei Beruhigung im Iran hoch bleiben

Die Energiepreise und damit auch die Inflation dürften aber weiter hoch bleiben, erwartet der IWF. Der von den USA begonnene Iran-Krieg hatte heuer zu Einschränkungen bei Öl- und Gaslieferungen durch die Straße von Hormuz geführt. Der IWF geht davon aus, dass sich die Lage in der wichtigen Meerenge am Persischen Golf 2027 schrittweise bessert. Bis Oktober 2027 dürfte die Schiffsroute weitgehend wie vor dem Krieg wieder genutzt werden.

Trotzdem dürfte die Unsicherheit hoch bleiben, ebenso wie die Energiepreise. Die weltweite Inflation dürfte damit 2026 auf 4,7 Prozent (2025: 4,1 Prozent) steigen. 2027 wird sie nach Schätzung des IWF zwar wieder bei 4,1 Prozent liegen, das sind aber 0,2 Prozentpunkte mehr als bisher angenommen.

Irland und Spanien wachsen im EU-Vergleich besonders stark

In Europa werden wahrscheinlich Irland und Spanien besonders hohe Wachstumsraten ausweisen können. Aber auch Deutschland traut der IWF mehr zu – 2026 ein Plus von 1,3 Prozent, 2027 dann 1,1 Prozent. Damit wurde die Schätzung für 2026 um 0,6 Punkte angehoben, für 2027 um 0,1 Punkte. Führende Forschungsinstitute und die deutsche Bundesregierung hatten ihre Prognosen zuletzt ebenfalls deutlich angehoben.

Getrieben wird das Wachstum vor allem von schuldenfinanzierten Investitionen des Staates, zudem von den Exporten. Viele Unternehmen zögern aber mit Investitionen hierzulande, auch der Konsum ist schwach. Für Österreich prognostiziert der IWF für heuer ein BIP-Plus von 0,06 Prozent und für 2027 eines von 0,9 Prozent.

Den USA sagt der IWF für 2026 und 2027 jeweils ein Wachstum von 2,3 Prozent voraus, getragen vom privaten Konsum, den hohen Staatsausgaben sowie Technologieinvestitionen. China werde um 4,5 und 4,0 Prozent zulegen, einen Tick weniger als bisher geschätzt.

Indien dürfte an Japan vorbeiziehen und viertgrößte Volkswirtschaft werden

Indien traut der IWF 2026 und 2027 jeweils 7,0 Prozent Wachstum zu. Das sind 0,6 und 0,3 Punkte mehr als bisher angenommen. Das Land wird laut IWF im kommenden Jahr wirtschaftlich an Japan vorbeiziehen und wäre dann die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt. Indien habe zum Beginn der durch den Iran-Krieg ausgelösten Energiepreiskrise eine starke Position gehabt, sagte IWF-Asiendirektor Krishna Srinivasan bei der Vorstellung des Wirtschaftsausblicks in Bangkok. „Das Wachstum war stark, Haushaltsdisziplin war fest verankert, das Land verfügte über umfangreiche Reserven und so weiter. Vor diesem Hintergrund hat Indien gut auf den Schock reagiert.“

Insgesamt werden 95 Prozent des weltweiten Wachstums von nur 32 Ländern getragen, im April waren es noch 54 Staaten. Die Golf-Staaten werden wegen des Krieges in unmittelbarer Nachbarschaft in Mitleidenschaft gezogen. Die Wirtschaft Saudi-Arabiens dürfte dieses Jahr um 3,3 Prozent schrumpfen. Im Juli wurde noch ein Wachstum von 1,7 Prozent erwartet. Auch für den Iran, den Irak, Kuwait, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate werden jeweils tiefe Rezessionen prognostiziert.

IWF:  Bei weltweitem Schuldenabbau ist Eile geboten

Der Internationale Währungsfonds hat bei der Präsentation des Wirtschaftsausblicks reichere Länder aufgefordert, ihre Haushalte in Ordnung zu bringen. Chefökonomin Tenreyro betonte, der IWF sei weiter besorgt über die hohe Verschuldung und forderte die Länder nachdrücklich auf, mit Haushaltskürzungen zu beginnen, um die Defizite abzubauen.

Nötig seien Ausgabenkürzungen, ein Abbau der teils sehr hohen Defizite und eine Senkung der Schuldenstände, hieß es auch in einem neuen Bericht des IWF zur weltweiten Verschuldung. Eine Verzögerung werde die notwendigen Anpassungen in den kommenden Jahren nur erschweren. IWF-Experte Rodrigo Valdes sagte, die Rahmenbedingungen hätten sich geändert. Angesichts der hohen Inflation und steigender Renditen für Staatsanleihen sei Eile geboten. Letzteres macht es für Staaten teurer, neue Schulden am Kapitalmarkt aufzunehmen.

Valdes sagte, der Druck nehme zu. Die durchschnittliche Staatsverschuldung steuere auf die Marke von 100 Prozent der Wirtschaftsleistung zu. Dies sei der höchste Stand seit dem Zweiten Weltkrieg und lasse den Ländern wenig Spielraum. Die Haushaltslage sei in diesem Jahr schlechter als vor sechs Monaten und auch schlechter als vor einem Jahr erwartet. Die Mehrheit der Staaten plane aber eher höhere Ausgaben.

USA muss mehr sparen, China mehr konsumieren und Europa mehr investieren

IWF-Chefin Kristalina Georgiewa nahm bei der Vorstellung des Weltwirtschaftsausblicks ausdrücklich auch die beiden größten Volkswirtschaften der Welt in die Pflicht, die USA und China. Die Vereinigten Staaten könnten ihr Schuldenproblem nicht – wie sonst üblich – nur durch mehr Wachstum lösen. Um die Verschuldung auf einen nachhaltigeren Pfad zu bringen, seien weitere Anpassungen nötig, also etwa bei den Steuereinnahmen oder Ausgaben. US-Finanzminister Scott Bessent erkenne an, dass die US-Defizite und die Gesamtverschuldung von über 40 Billionen Dollar zu hoch seien, so Georgiewa zu Journalist:innen. Wachstum helfe natürlich, aber es reiche nicht aus.

China müsse laut IWF sein Geschäftsmodell umstellen – weg von exzessiven Exporten und hin zu einem stärkeren Konsum im Inland. Auch europäische Länder – wie aktuell vor allem Frankreich – gehörten zu den schlimmsten Sündern in puncto Verschuldung. Europa müsse vor allem mehr in die eigene Wettbewerbsfähigkeit investieren. „Ganz einfach ausgedrückt: China muss mehr ausgeben, die USA müssen mehr sparen und Europa muss mehr investieren“, so Georgiewa.

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