Der neue Engagement & Voting Report 2025 der Erste Asset Management ist da. Er zeigt, wie wir im vergangenen Jahr unsere Rolle als aktive Investorin wahrgenommen haben – durch Dialoge mit Unternehmen, konsequente Stimmrechtsausübung und einen weiterentwickelten Stewardship-Ansatz.
Nachhaltiges Investieren endet für uns nicht mit der Auswahl von Wertpapieren. Ein wichtiger Teil des Nachhaltigkeitsansatzes der Erste AM ist es, als Investorin Verantwortung wahrzunehmen und Unternehmen auf ihrem Weg zu mehr Nachhaltigkeit, Transparenz und guter Unternehmensführung zu begleiten.
Genau darum geht es im neuen Engagement & Voting Report 2025. Darin blicken wir auf ein weiteres ereignisreiches Active-Ownership-Jahr zurück: mit zahlreichen Unternehmensdialogen, Engagements auf lokaler und internationaler Ebene sowie Stimmrechtsausübungen bei mehr als 600 Unternehmen.
Die wichtigsten Highlights aus dem Engagement & Voting Report 2025:
- Stimmrechte bei über 600 Unternehmen und 670 Hauptversammlungen in 38 Ländern wahrgenommen
- Abgestimmtes Volumen von 10,8 Mrd. Euro
- 11,6 % der Abstimmungen bewusst gegen Management‑Vorschläge
- Klare Engagement‑Schwerpunkte auf Klimawandel, Biodiversität, Humankapital, globale Standards und Unternehmensführung (Good Governance)
- Starke Rolle der Erste AM als Lead‑ oder Co‑Lead‑Investorin in internationalen Initiativen wie Climate Action 100+, Nature Action 100, PRI Spring, und PRI Collaborative Sovereign Engagement on Climate Change
Was bedeutet Active Ownership eigentlich?
Der übergeordnete Begriff ist Active Ownership und beschreibt das aktive Wahrnehmen der eigenen Verantwortung als Investorin auf die investierten Unternehmen und deren Tätigkeit positiv einzuwirken. Ziel ist es, durch den konstruktiven Dialog und verantwortungsbewusstes Handeln positive Entwicklungen in den Bereichen soziale Verantwortung, Umweltschutz sowie Transparenz und Unternehmensführung zu fördern. Das geschieht vor allem über zwei Wege: Engagement und Voting.
Bei Engagement sollen anhand eines strukturierten formellen und informellen Dialogs mit den Unternehmen die Praktiken und Rahmenbedingungen bei Unternehmen im Hinblick auf die Themen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung positiv beeinflusst werden. Dadurch können zum Beispiel Schwächen des Managements im Umgang mit Nachhaltigkeitsthemen identifiziert und adressiert werden und in weiterer Folge gemeinsam an Lösungen für Verbesserungen gearbeitet werden.
Die zweite wichtige Säule umfasst das Voting, also das aktive Ausüben der eigenen Stimmrechte. Seit 2017 nimmt die Erste AM die Stimmrechtsausübung für sämtliche Aktienpublikumsfonds und institutionelle Mandate wahr. Damit wird gewährleistet, dass die Stimmrechte der Kund:innen als mittelbare Anteilseigner:innen der investierten Unternehmen aktiv und verantwortungsvoll wahrgenommen werden. Vorrausetzung für die Ausübung von Stimmrechten für Unternehmen sind entweder ein Aktienbestand von mehr als 2 Mio. Euro oder 5% der ausstehenden Aktien im Erste-AM-Bestand. Die hauseigene Voting Richtlinie dient dabei als Regelwerk für sämtliche Voting-Agenden.
Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick
Im Jahr 2025 hat die Erste AM ihre Stimmrechte bei 606 Unternehmen auf 670 Hauptversammlungen in 38 Ländern wahrgenommen. Das abgestimmte Aktienvolumen lag bei rund 10,8 Milliarden Euro.
Bei 1.071 Agendapunkten wurde bewusst gegen den Vorschlag des Managements gestimmt. Das entspricht 11,6 Prozent aller Abstimmungen. Besonders häufig standen dabei Themen wie Aktionärsrechte, Vergütungspolitik, Corporate Governance sowie die Wahl und Unabhängigkeit von Aufsichtsräten im Fokus.
Auch Umwelt- und Sozialthemen spielten auf Hauptversammlungen wieder eine wichtige Rolle. Viele Aktionärsanträge befassten sich mit Klimathemen. Vor allem in den USA kamen außerdem vermehrt Anträge rund um künstliche Intelligenz auf – meist im Zusammenhang mit Menschenrechten, Governance oder Datenschutz.
Stewardship wird systemischer
Ein besonderer Schwerpunkt des Jahres 2025 war die Weiterentwicklung des Stewardship-Ansatzes. Die Erste AM hat systembezogenes Engagement als festen Bestandteil ihrer Strategie formalisiert.
Das bedeutet: Neben dem direkten Dialog mit Portfoliounternehmen rücken auch weitere Akteur:innen stärker in den Fokus – etwa Regulierungsbehörden, Standardsetzer, Branchenverbände, Regierungsstellen, internationale Organisationen oder zivilgesellschaftliche Akteur:innen.
Warum ist das wichtig? Viele Nachhaltigkeitsherausforderungen lassen sich nicht allein auf Ebene einzelner Unternehmen lösen. Klimawandel, Biodiversitätsverlust oder Fragen globaler Standards betreffen ganze Wirtschaftssektoren und Marktstrukturen. Systembezogenes Engagement soll daher helfen, diese Themen breiter und langfristiger zu adressieren.
Governance: Fortschritte in den Heimatmärkten
Als bedeutende institutionelle Investorin in Österreich sowie in Zentral- und Osteuropa legt die Erste AM weiterhin einen starken Fokus auf lokales Engagement. Gerade in den Heimatmärkten ermöglicht die Marktposition einen konstruktiven und wirksamen Dialog mit Unternehmen.
Im Jahr 2025 konnten in Governance-Engagements konkrete Fortschritte erzielt werden. Dazu zählen Verbesserungen bei der Unabhängigkeit von Aufsichtsratsgremien und zentralen Ausschüssen, bei Vergütungsstrukturen, Diversität sowie bei der Verankerung von Nachhaltigkeit in der Unternehmensaufsicht.
Ein lokaler Engagement-Prozess führte beispielsweise dazu, dass die Leitung wichtiger Aufsichtsratsausschüsse künftig unabhängiger ausgestaltet wird. Zudem wurden Erneuerung und Diversität im Aufsichtsrat gestärkt und die Vergütungspolitik weiterentwickelt – unter anderem mit stärkerem Fokus auf langfristige Anreize, Sicherheit und ESG-Ziele.
Biodiversität: Vom Unternehmensdialog zur breiteren Wirkung
Biodiversität blieb auch 2025 ein strategischer Schwerpunkt. Die Erste AM setzte ihre Rolle als Co-Lead-Investorin bei Nature Action 100 fort und konzentrierte sich dabei insbesondere auf den Dialog mit der Bayer AG.
Im Laufe des Jahres bestätigte Bayer, an einer umfassenden Naturstrategie zu arbeiten. Zudem räumte das Unternehmen Verbesserungsbedarf bei naturbezogenen Offenlegungen ein und plant, diese in künftigen Berichtszyklen weiterzuentwickeln. Auch an einer erweiterten Methodik zur Bewertung naturbezogener Auswirkungen seines Pflanzenschutzportfolios arbeitet Bayer.
Das Beispiel zeigt: Engagement kann dazu beitragen, dass Unternehmen ihre Auswirkungen auf Natur und Biodiversität strukturierter erfassen, transparenter berichten und langfristig besser steuern.
Hinweis: Die in diesem Beitrag angeführten Unternehmen sind beispielhaft ausgewählt worden und stellen keine Anlageempfehlung dar.
Erstes Sovereign Engagement: Dialog mit Kanada
2025 beteiligte sich die Erste AM erstmals an einem sogenannten Sovereign Engagement. Dabei steht nicht ein Unternehmen, sondern ein Staat beziehungsweise staatliche Institutionen im Mittelpunkt des Dialogs.
Konkret trat die Erste AM dem PRI Canada Sovereign Engagement bei. Die Initiative konzentriert sich auf nationale Klimapolitik, glaubwürdige Transformationspfade und die Offenlegung klimabezogener Risiken auf staatlicher Ebene.
Im Laufe des Jahres übernahm die Erste AM eine erweiterte Rolle: Als Co-Lead-Investorin auf Bundesebene begleitet sie den Dialog mit der kanadischen Bundesregierung im Namen der teilnehmenden Investor:innen. Im Rahmen der Initiative fanden strukturierte Gespräche mit Mitgliedern des kanadischen Parlaments sowie Vertreter:innen des Department of Finance Canada statt.
Engagement-Kompetenz weiter ausbauen
Neben den eigenen Aktivitäten arbeitet die Erste AM auch daran, Engagement-Kompetenz in der Investment-Community weiterzuentwickeln.
Der 2024 initiierte Engagement Think Tank wuchs im Jahr 2025 auf 36 Mitglieder. Die Gruppe umfasst große und kleinere Asset Owner und Asset Manager aus unterschiedlichen Regionen – von Asien bis in die USA.
Ziel ist eine vertrauensbasierte Plattform für Austausch, Peer Learning und die Weiterentwicklung wirksamer Stewardship- und Engagement-Praktiken. Denn klar ist: Viele Nachhaltigkeitsthemen lassen sich besser adressieren, wenn Investor:innen Wissen, Erfahrungen und Erwartungen bündeln.
ESG-Backlash: Mehr Klarheit über langfristiges Engagement
Das vergangene Jahr war auch von zunehmender Kritik an ESG und nachhaltigem Investieren geprägt. Für Walter Hatak, Head of Responsible Investments bei der Erste Asset Management, hat diese Entwicklung aber auch etwas sichtbar gemacht: Sie hilft dabei, echtes langfristiges Engagement von kurzfristiger Positionierung zu unterscheiden.
Gerade in einem Umfeld politischer Polarisierung wird deutlich, dass Stewardship mehr braucht als einzelne Unternehmensdialoge. Entscheidend ist die Zusammenarbeit mit politischen Entscheidungsträger:innen, Investor:innen, Wissenschaft und weiteren relevanten Akteur:innen – mit dem Ziel, langfristig nachhaltige Ergebnisse für Kund:innen zu fördern.
Fazit: Engagement ist ein langfristiger Prozess
Der Engagement & Voting Report 2025 zeigt: Active Ownership kann ein wirksames Instrument sein, um Unternehmen bei ihrer nachhaltigen Transformation zu begleiten. Fortschritte entstehen dort, wo klare Erwartungen, kontinuierlicher Dialog und konsequentes Abstimmungsverhalten zusammenspielen.
Für die Erste AM bleibt Engagement daher ein langfristiger Prozess – mit dem Anspruch, Risiken zu reduzieren, nachhaltige Wertschöpfung zu fördern und transparent über Fortschritte, Herausforderungen und Ergebnisse zu berichten.
Mehr dazu erfahren Sie im Engagement & Voting Report 2025!
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