Die geopolitische Lage im Nahen Osten hat sich in den vergangenen Tagen weiter zugespitzt. US-Präsident Donald Trump betonte zwar, dass die USA und Iran „direkt und indirekt“ miteinander kommunizierten und zeigte sich zuversichtlich, dass die neue iranische Führung „vernünftig“ agiere. In einem Interview äußerte Trump jedoch zugleich offen, die USA könnten „das Öl im Iran nehmen“ und erwägen, mit Kharg Island den wichtigsten iranischen Öl-Exportterminal zu besetzen.
Gleichzeitig haben sich die Huthi-Milizen aus Jemen offiziell dem Konflikt angeschlossen und die USA haben Marineeinheiten in die Region verlegt. Das deutet darauf hin, dass die USA eine militärische Operation gegen Kharg Island oder Maßnahmen zur Kontrolle der Straße von Hormus vorbereiten oder zumindest damit drohen.
Stagflationärer Impuls
Die möglichen Implikationen des Krieges für die Wirtschaft und den Finanzmarkt sind bekannt, weil sie an die Muster früherer Energiekrisen erinnern:
- steigende Energiepreise und Störungen globaler Lieferketten
- Zunehmender Inflationsdruck
- Restriktive Zentralbankpolitik und steigende Zinsen
- Sinkende Realeinkommen und gedämpfte Nachfrage
- Abschwächung des globalen Wachstums
- Verschärfung des Finanzumfeldes (steigende Zinsen, fallende Aktienkurse, steigende Renditeaufschläge, höhere Risikoprämien in Schwellenländern).
Ausmaß des Schocks unbekannt
Während der stagflationäre Wirkungsmechanismus bekannt ist, bleiben Dauer und das Ausmaß des Schocks äußerst unsicher. Fest steht jedoch, dass die Impulse auf die Energiepreise seit Beginn des Krieges zugenommen haben, und damit auch die Folgewirkungen.
Das zentrale Risiko liegt jetzt in einer weiteren Eskalation. Sollte die Straße von Hormus über einen längeren Zeitraum blockiert werden oder zivile Infrastruktur verstärkt ins Visier geraten – von Öl- und Gasterminals über Chemieanlagen bis hin zu Stromerzeugung, Datenzentren und Entsalzungsanlagen –, könnten Energie‑ und Rohstoffpreise nochmals deutlich steigen. Die Auswirkungen würden dabei weit über Öl und Gas hinausreichen, etwa auf Düngemittel oder industrielle Spezialrohstoffe wie Helium.
Fallende Marktkurse
Die Marktreaktion seit Ausbruch des Krieges weist das klassische Muster eines Energiepreisschocks auf. Die Preise für Rohöl und Erdgas und davon abgeleitete Rohstoffe sind angestiegen, während sowohl die Anleihen- als auch die Aktienkurse gefallen sind. Auch der Goldpreis ist deutlich gefallen. Die im Aktienmarkt gepreisten Erwartungen für die zukünftigen Kursschwankungen haben kräftig zugenommen.
Fallende Konjunkturindikatoren und höhere Inflation
Mittlerweile wurden die ersten volkswirtschaftlichen Indikatoren für März veröffentlicht, anhand derer der Einfluss des Krieges auf die Wirtschaft sichtbar wird. Die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für Industrienationen sind im Aggregat deutlich gefallen, ebenso wie der deutsche Geschäftsklimaindex und die Konsumentenstimmung in den USA. Gleichzeitig sind die in den Berichten enthaltenen Teil-Indikatoren für die Inflation (Einkaufs- und Verkaufspreise der Unternehmen, Inflationserwartungen der Konsument:innen) angestiegen. Auch die für Spanien und Deutschland veröffentlichten Schnellschätzungen für die Konsumentenpreisinflation weisen kräftige Anstiege auf.
Angepasste Prognosen
Als erste multilaterale Organisation hat die OECD vergangene Woche eine Einschätzung der Auswirkungen des Energiepreisschocks abgegeben. Die Prognose für das Wirtschaftswachstum bleibt (noch) resilient. Jedoch wurde die Einschätzung für die Inflation doch deutlich nach oben genommen.
Für die Eurozone wurde die Wachstumsprognose um 0,4 Prozentpunkte auf 0,8 % gesenkt, während die Inflationsprognose um 0,7 Prozentpunkte auf 2,6 % angehoben wurde. Der makroökonomische Einfluss ist damit spürbar, aber bislang nicht überwältigend.
Hinweis: Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Wertentwicklungen.
Zentralbanken im Spannungsfeld
Die Zentralbanken stehen vor einem klassischen Dilemma: Sollen die Leitzinsen angehoben werden, um eine Überwälzung auf die Sektoren außerhalb der Energie und Sekundärrundeneffekte (höhere Lohnsteigerungen) zu dämpfen? Oder sollen geldpolitische Lockerungsschritte erfolgen, damit die wirtschaftliche Abschwächung gelindert wird?
In vielen Ländern liegt die Inflation seit mittlerweile rund fünf Jahren über dem Zentralbankziel von 2%. Die meisten Zentralbanken haben sich daher – zumindest in der Rhetorik – für Variante eins entschieden. So sprachen sich einige Zentralbanker in zahlreichen Aussagen für einen Fokus auf niedrige Inflation aus. Denn ein weiterer Energiepreisschock erhöht das Risiko einer erneuten Inflationswelle. Diese würde die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken, auf die mittlere Sicht für eine niedrige Inflation zu sorgen, untergraben.
Entsprechend kam es an den Zinsmärkten zu einer Neubewertung. Beispielsweise wird für die Europäische Zentralbank bis Jahresende ein um 0,76 Prozentpunkte höherer Leitzins erwartet (aktuell: 2%). Für die US-amerikanische Zentralbank sind die zuvor eingepreisten Leitzinssenkungen verschwunden. Zusammengefasst erzwingt der Energiepreisschock eine restriktive und damit wachstumsdämpfende Haltung der Zentralbanken.
Die Rolle möglicher Verhandlungen
Zumindest kurzfristig scheint Irans Verhandlungsposition stärker als von den USA und Israel erwartet wurde. Die Gründe dafür sind klar: Die Auswirkungen des Krieges sind für die USA schmerzhafter (höhere Energiepreise und fallende Aktienkurse). Außerdem hat der Iran nach wie vor die Kontrolle über die wichtige Straße von Hormus.
Es gibt Argumente, die für offizielle direkte oder indirekte Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran sprechen: die Gefahr einer militärischen Eskalation bis hin zum Einsatz von Bodentruppen, die potenzielle Ausweitung des Konflikts auf weitere Länder sowie das Interesse des iranischen Regimes am politischen Überleben.
Auf der anderen Seite scheint der Iran damit zu kalkulieren, die Hand am wichtigsten Hebel – also die Kontrolle über die Straße von Hormus – behalten zu können. Hinzu kommt die geringe Popularität des Krieges in den USA, die Zurückhaltung des Kongresses bei der Finanzierung und die hohen politischen Kosten eines möglichen Bodeneinsatzes.
Sollte es tatsächlich offiziell zu Verhandlungen kommen, könnten die Märkte kurzfristig erleichtert reagieren: fallende Ölpreise und Risikoprämien, steigende Aktienkurse. Allerdings: Scheitern die Verhandlungen oder eskalieren die militärischen Operationen weiter – insbesondere rund um Kharg Island oder die Straße von Hormus – wären weitere Marktverwerfungen denkbar. Ein wichtiges Argument für ein Scheitern der Verhandlungen: Der Iran könnte die Einschätzung haben, den Krieg zwar militärisch zu verlieren, aber den Energiekrieg gewinnen zu können.
Portfoliomanagement: Fokus auf Risikokontrolle
Bereits Mitte März haben wir die Aktienquote in unseren Portfolios unter die strategische Zielallokation gesenkt und verstärkt in sicherheitsorientierte Geldmarktinstrumente umgeschichtet. Auch der Goldanteil wurde zugunsten des Geldmarktes reduziert, da mehrere Zentralbanken in Schwellenländern Goldreserven veräußern, um ihre Währungen zu stabilisieren.
Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, gab in einem Interview drei Leitprinzipien zur Bewältigung der Krise vor:
1. Die Art, das Ausmaß und die Dauer der Krise einschätzen.
2. Den Fokus auf das Risiko und nicht nur auf das Basisszenario legen.
3. Eine abgestufte Palette von Reaktionsmöglichkeiten bereithalten.
Diese Prinzipien eignen sich nicht nur für die Geldpolitik – sondern auch für das Management eines robusten Portfolios in der aktuellen Lage.
WICHTIGE RECHTLICHE HINWEISE
Hierbei handelt es sich um eine Werbemitteilung. Sofern nicht anders angegeben, Datenquelle Erste Asset Management GmbH. Die Kommunikationssprache der Vertriebsstellen ist Deutsch und jene der Verwaltungsgesellschaft zusätzlich auch Englisch.
Der Prospekt für OGAW-Fonds (sowie dessen allfällige Änderungen) wird entsprechend den Bestimmungen des InvFG 2011 idgF erstellt und veröffentlicht. Für die von der Erste Asset Management GmbH verwalteten Alternative Investment Fonds (AIF) werden entsprechend den Bestimmungen des AIFMG iVm InvFG 2011 „Informationen für Anleger gemäß § 21 AIFMG“ erstellt.
Der Prospekt, die „Informationen für Anleger gemäß § 21 AIFMG“ sowie das Basisinformationsblatt sind in der jeweils aktuell gültigen Fassung auf der Homepage www.erste-am.com jeweils in der Rubrik Pflichtveröffentlichungen abrufbar und stehen dem/der interessierten Anleger:in kostenlos am Sitz der jeweiligen Verwaltungsgesellschaft sowie am Sitz der jeweiligen Depotbank zur Verfügung. Das genaue Datum der jeweils letzten Veröffentlichung des Prospekts, die Sprachen, in denen der Prospekt bzw. die „Informationen für Anleger gemäß § 21 AIFMG“ und das Basisinformationsblatt erhältlich sind, sowie allfällige weitere Abholstellen der Dokumente, sind auf der Homepage www.erste-am.com ersichtlich. Eine Zusammenfassung der Anlegerrechte ist in deutscher und englischer Sprache auf der Homepage www.erste-am.com/investor-rights abrufbar sowie bei der Verwaltungsgesellschaft erhältlich.
Die Verwaltungsgesellschaft kann beschließen, die Vorkehrungen, die sie für den Vertrieb von Anteilscheinen im Ausland getroffen hat, unter Berücksichtigung der regulatorischen Vorgaben wieder aufzuheben.
Hinweis: Sie sind im Begriff, ein Produkt zu erwerben, das schwer zu verstehen sein kann. Bevor Sie eine Anlageentscheidung treffen, empfehlen wir Ihnen, die erwähnten Fondsdokumente zu lesen. Diese Unterlagen erhalten Sie zusätzlich zu den oben angeführten Stellen kostenlos am jeweiligen Sitz der vermittelnden Sparkasse und der Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG. Sie können die Unterlagen auch elektronisch abrufen unter www.erste-am.com.
Unsere Analysen und Schlussfolgerungen sind genereller Natur und berücksichtigen nicht die individuellen Merkmale unserer Anleger:innen hinsichtlich des Ertrags, der steuerlicher Situation, Erfahrungen und Kenntnisse, des Anlageziels, der finanziellen Verhältnisse, der Verlustfähigkeit oder Risikotoleranz. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Fonds zu.
Bitte beachten Sie: Eine Veranlagung in Wertpapieren birgt neben den geschilderten Chancen auch Risiken. Der Wert von Anteilen und deren Ertrag können sowohl steigen als auch fallen. Auch Wechselkursänderungen können den Wert einer Anlage sowohl positiv als auch negativ beeinflussen. Es besteht daher die Möglichkeit, dass Sie bei der Rückgabe Ihrer Anteile weniger als den ursprünglich angelegten Betrag zurückerhalten. Personen, die am Erwerb von Investmentfondsanteilen interessiert sind, sollten vor einer etwaigen Investition den/die aktuelle(n) Prospekt(e) bzw. die „Informationen für Anleger gemäß § 21 AIFMG“, insbesondere die darin enthaltenen Risikohinweise, lesen. Ist die Fondswährung eine andere Währung als die Heimatwährung des/der Anleger:in, so können Änderungen des entsprechenden Wechselkurses den Wert der Anlage sowie die Höhe der im Fonds anfallenden Kosten – umgerechnet in die Heimatwährung – positiv oder negativ beeinflussen.
Wir dürfen dieses Finanzprodukt weder direkt noch indirekt natürlichen bzw. juristischen Personen anbieten, verkaufen, weiterverkaufen oder liefern, die ihren Wohnsitz bzw. Unternehmenssitz in einem Land haben, in dem dies gesetzlich verboten ist. Wir dürfen in diesem Fall auch keine Produktinformationen anbieten.
Zu den Beschränkungen des Vertriebs des Fonds an amerikanische oder russische Staatsbürger entnehmen Sie die entsprechenden Hinweise dem Prospekt bzw. den „Informationen für Anleger gemäß § 21 AIFMG“.
In dieser Mitteilung wird ausdrücklich keine Anlageempfehlung erteilt, sondern lediglich die aktuelle Marktmeinung wiedergegeben. Diese Mitteilung ersetzt somit keine Anlageberatung.
Die Unterlage stellt keine Vertriebsaktivität der Verwaltungsgesellschaft dar und darf somit nicht als Angebot zum Erwerb oder Verkauf von Finanz- oder Anlageinstrumenten verstanden werden.
Die Erste Asset Management GmbH ist mit der Erste Bank und den österreichischen Sparkassen verbunden.
Beachten Sie auch die „Informationen über uns und unsere Wertpapierdienstleistungen“ Ihres Bankinstituts.



