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Mikrofinanz: Reise durch Rumänien

Vor 2 Stunden aktualisiert

Mikrofinanz: Reise durch Rumänien

Von 28. Juni bis 1. Juli reiste der Fondsmanager des ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE, Martin Cech, auf Mikrofinanzreise nach Bukarest/Rumänien. Das Land mit einer Fläche von knapp 240.000 km2 hat rund 19 Mio. Einwohner und ist seit 2007 Mitglied der Europäischen Union.  

Politische Lage

Rumänien befindet sich nach einer Phase politischer Unsicherheit wieder in einer Konsolidierung, steht jedoch weiterhin vor erheblichen Herausforderungen. Zu den wichtigsten Themen gehören die Haushaltskonsolidierung, die Umsetzung von Reformen im Zusammenhang mit EU-Mitteln sowie die Stärkung der staatlichen Institutionen. Die innenpolitische Debatte wird stark von Fragen der Staatsfinanzen, Inflation und wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit geprägt. Gleichzeitig bleibt Rumänien ein verlässliches Mitglied der EU und der NATO, was angesichts der geopolitischen Lage in Osteuropa von besonderer Bedeutung ist.

Ein zentrales politisches Thema ist die Reduzierung des hohen Budgetdefizits. Die Regierung hat seit 2025 umfangreiche Konsolidierungsmaßnahmen beschlossen, darunter Steuererhöhungen und Ausgabendisziplin. Diese Maßnahmen sind wirtschaftlich notwendig, werden jedoch gesellschaftlich und politisch kontrovers diskutiert.

Wirtschaftliche Lage

Die rumänische Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren stark aufgeholt und das Pro-Kopf-BIP von rund 44% des EU-Durchschnitts im Jahr 2007 auf etwa 78% im Jahr 2024 gesteigert. Das Land gehört damit zu den erfolgreichsten „Aufholern“ innerhalb der EU.

Aktuell befindet sich die Wirtschaft jedoch in einer Schwächephase. Nach einem Wachstum von nur 0,7% im Jahr 2025 erwartet die Europäische Kommission für 2026 praktisch eine Stagnation (+0,1%), bevor sich das Wachstum 2027 auf etwa 2,3% erholen soll. Hauptgründe sind die fiskalische Konsolidierung, die hohe Inflation und eine schwächere Binnennachfrage.

Inflation und Kaufkraft

Die Inflation bleibt eines der größten Probleme. Für 2026 wird eine durchschnittliche Inflationsrate von rund 7% erwartet. Ursachen sind unter anderem höhere Energiepreise, Steueranhebungen sowie das Auslaufen staatlicher Preisdeckelungen. Dadurch steht die Kaufkraft vieler Haushalte unter Druck.

Staatsfinanzen

Rumänien weist eines der höchsten Haushaltsdefizite in der EU auf. Das Staatsdefizit lag 2025 bei rund 7,9% des BIP. Für 2026 wird ein Rückgang auf etwa 6,2% erwartet, bleibt damit aber deutlich über den EU-Vorgaben. Gleichzeitig steigt die Staatsverschuldung weiter und könnte bis 2027 über 63% des BIP erreichen.

Mikrofinanzmarkt in Rumänien

Der rumänische Mikrofinanzmarkt gehört zu den am weitesten entwickelten in Mittel- und Osteuropa und spielt eine wichtige Rolle bei der Finanzierung von Kleinunternehmen und Landwirten, die oft keinen ausreichenden Zugang zu klassischen Bankkrediten haben. Anders als in vielen Entwicklungsländern konzentriert sich Mikrofinanz in Rumänien weniger auf Konsumentenkredite und stärker auf:

  • Kleinstunternehmen (Micro Enterprises)
  • Einzelunternehmer
  • Start-ups
  • Landwirtschaftliche Betriebe
  • Selbstständige im ländlichen Raum

Die Anbieter sind überwiegend Nichtbank-Finanzinstitute (NBFI), Kreditgenossenschaften (Credit Unions/CAR), spezialisierte Mikrofinanzorganisationen und staatlich oder EU-gestützte Förderprogramme.

Die Branche ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen. Bereits vor der Pandemie hatte sich das Volumen der Mikrofinanzportfolios auf über 280 Mio. EUR verdoppelt und mehr als 90.000 Kunden erreicht. Rumänische Institutionen gehören zudem zu den aktivsten Nutzern europäischer Mikrofinanzprogramme wie EaSI (Employment and Social Innovation) und InvestEU.

Aktuelle Benchmark-Studien der Romanian MicroFinance Association zeigen, dass die Branche zwischen 2020 und 2024 weiter expandiert hat und die Digitalisierung der Kreditvergabe deutlich zunimmt.

Aus Investorensicht erscheint Rumänien aufgrund folgender Faktoren interessant:

  • Unterversorgte KMU-Finanzierung außerhalb der großen Städte.
  • Landwirtschaftliche Finanzierung, da Rumänien über einen der größten Agrarsektoren der EU verfügt.
  • EU-geförderte Kreditprogramme, die das Risiko reduzieren und hohe Hebeleffekte ermöglichen.
  • Zunehmende Digitalisierung und Fintech-Lösungen, besonders im ländlichen Raum.

Investments in Rumänien haben derzeit im ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE einen Anteil von 3,8%. Damit liegt das Land in Bezug auf seine Gewichtung auf Platz 6. Damit hat das Land mit großem Abstand den höchsten Anteil aller CEE/SEE Länder. Im I-AM Vision Microfinance haben Investments in Rumänien einen Anteil von 4,7%.

Besuch ausgewählter Mikrofinanzinstitute und Endkunden

Im Rahmen der Reise wurden drei Mikrofinanzinstitute – Agricover, Vitas und Rocredit – sowie zwei Endkund:innen besucht.

Mikrofinanzinstitute

Agricover

Agricover ist mit einem Anteil von 2,0% das am zweithöchsten gewichtete Institut im ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE. Das Motto dieses MFIs, der sich hauptsächlich an landwirtschaftliche Kunden richtet, lautet „Understand your clients“ nach zuvor „Know your clients“. Agricover betreibt 12 Filialen in Rumänien und beschäftligt 65 Vertriebsmitarbeiter:innen. Die Beratung und Betreuung der Kunden ist vielfältig und beinhaltet auch finanzielle und nachhaltige Ausbildung. Beispielsweise werden auch Drohnen zur Überwachung des Zustandes der Felder, für die es je nach Anbauprodukt zwei Ernteperioden pro Jahr gibt, verkauft bzw. können geleast werden; dabei decken diese Drohnen bis zu 150 Hektar pro Tag auf diese Weise ab.

Kunden werden segmentiert nach ihrer Größe; bei Anbaufläche unter 100 Hektar erfolgt ein automatisiertes Onboarding innerhalb von zwei Stunden. Bei größeren Anbauflächen dauert es neben einem Bewertungssystem, das auf finanzieller Analyse beruht, bis zu 25 Tage bis zur Auszahlung. Landwirtschaftskredite werden für die Dauer von 8 Monaten bzw. 5 Jahre angeboten. Als Sicherstellung dienen der jeweilige Grundbesitz, gehaltene Tiere sowie Zusagen für zukünftige Ernte. Besicherungen können auch durch lokale Banken wie BCR oder supranationale Institute wie IFC oder Black Sea Trade & Development Bank erfolgen.          Vor einigen Jahren war ein IPO von Agricover an der Börse geplant, dies wurde jedoch wegen der Marktbedingungen abgesagt. Derzeit prüft McKinsey die strategischen Abläufe im MFI und die Möglichkeit, internationale Schritte zu setzen.

Vitas

Vitas wurde 1996 gegründet und ist ein kleinerer MFI mit Sitz in Timisoara. In 10 Filialen betreuen 50 Angestellte die Kunden. Über eine Plattform werden Kreditverträge digital abgeschlossen. Die Kredithöhe bewegt sich zwischen EUR 5.000 und EUR 150.000. Das gesamte Kreditvolumen beträgt rund EUR 32 Mio. und beinhaltet einen hohen Anteil an landwirtschaftlichen Krediten. Die Laufzeiten sind gestaffelt: 12–4 Monate für „Working Capital“, 60 Monate für Investitionen und 120 Monate bei Anschaffung von Land und Lagerraum. Der European Investment Fund (EIF) fördert Kredite bis maximal EUR 50.000, Voraussetzungen sind maximal 9 Arbeitnehmer und ein maximaler jährlicher Umsatz von EUR 2 Mio. Eigentümer von Vitas ist die in den USA beheimatete Non-Profit Organisation Global Communities.

Rocredit

Rocredit besteht seit 2007 und unterhält 19 Filialen mit 127 Mitarbeiter, davon 45 im Vertrieb. Der Hauptsitz ist in Baia Mare im Norden Rumäniens. Anteilsinhaber sind private und institutionelle Investoren in Rumänien. Rocredit bietet unterschiedliche Kreditprodukte an, von kurzfristigen Darlehen über 120 Tage bis hin zu Kreditlinien über 12 Monate. Das Kreditportfolio beträgt rund EUR 180 Mio. Nachhaltigkeit hat für das Unternehmen eine große Bedeutung, neben sozialen Zertifizierungen und der Unterzeichnung des Code of Good Conduct ist Rocredit von Mikrofinanza mit B+ geratet.

Endkunden

PetExpress Retail

Tierfutterhandel „PetExpress Retail“: Erst vergangene Woche wurde im Osten von Bukarest eine neue Lagerhalle in Betrieb genommen. PetExpress bezieht hochwertiges Tierfutter großteils aus Deutschland und Tschechien. Der derzeit laufende Kredit über EUR 40.000 wurde für die Errichtung dieser Halle genutzt. Der Großteil des Absatzes erfolgt über Onlinehandel. Derzeit gibt es in der Nähe ein stationäres Geschäft, weitere Geschäfts-Boxes sind auf den Parkplätzen großer Supermärkte geplant. Marketing erfolgt zu einem großen Teil über TikTok, auf dem der Geschäftsführer von Pet Express, Marius Fulgu, für seine Kunden Videos zur Verfügung stellt.

Marius Fulgu, Geschäftsführer von PetExpress und Frau Carmen Botean, Leiterin des Vitas Büros in Bukarest in der neuen Lagerhalle

Euro Meat Trade

Fleischproduzent „Euro Meat Trade“: Das Unternehmen in Podu Pitarului östlich von Bukarest besteht seit 2016 und bezieht das Rohmaterial aus Rumänien, Ungarn, Belgien und Niederlande. Es wird ausschließlich Schweinefleisch in Form von Wurst (20%) und Fleisch (80%) produziert. 50 Mitarbeiter verarbeiten pro Woche 150 Tonnen Fleisch, bei dessen „traditioneller Herstellung“ auf hohe Qualität ohne Einsatz von Chemikalien Wert gelegt wird. Der aktuelle Kredit in Höhe von EUR 165.000 wird für eine deutliche Vergrößerung und Modernisierung der Produktionsanlage verwendet. Die Installation einer Photovoltaik-Anlage ist in Planung.

Der General Manager von Euro Meat Trade, Dumitru Dumitrascu

Risikohinweise ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE

Der Fonds verfolgt eine aktive Veranlagungspolitik und orientiert sich nicht an einem Vergleichsindex. Die Vermögenswerte werden diskretionär ausgewählt und der Ermessensspielraum der Verwaltungsgesellschaft ist nicht eingeschränkt.

Weitere Ausführungen zur nachhaltigen Ausrichtung des ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE sowie zu den Angaben gemäß Offenlegungs-Verordnung (Verordnung (EU) 2019/2088) und Taxonomie-Verordnung (Verordnung (EU) 2020/852) sind dem aktuellen §21 AIFMG-Dokument, Punkt 12 und Anhang „Nachhaltigkeitsgrundsätze“ zu entnehmen. Bei der Entscheidung, in den ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE zu investieren, sollten alle Eigenschaften oder Ziele des ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE berücksichtigt werden, wie sie in den Fondsdokumenten beschrieben sind.

Warnhinweise gemäß InvFG 2011

Der ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE kann zu wesentlichen Teilen in Anteile an Investmentfonds (OGAW, OGA) iSd § 71 InvFG 2011 investieren.

Die Finanzmarktaufsicht warnt: Der ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE kann bis zu 100 % in Veranlagungen gemäß § 166 Abs. 1 Z 3 InvFG 2011 (Alternative Investments) investieren, die im Vergleich zu traditionellen Anlagen ein erhöhtes Anlagerisiko mit sich bringen. Insbesondere bei diesen Veranlagungen kann es zu einem Verlust bis hin zum Totalausfall des darin veranlagten Kapitals kommen.

 

WICHTIGE RECHTLICHE HINWEISE

Hierbei handelt es sich um eine Werbemitteilung. Sofern nicht anders angegeben, Datenquelle Erste Asset Management GmbH. Die Kommunikationssprache der Vertriebsstellen ist Deutsch und jene der Verwaltungsgesellschaft zusätzlich auch Englisch.

Der Prospekt für OGAW-Fonds (sowie dessen allfällige Änderungen) wird entsprechend den Bestimmungen des InvFG 2011 idgF erstellt und veröffentlicht. Für die von der Erste Asset Management GmbH verwalteten Alternative Investment Fonds (AIF) werden entsprechend den Bestimmungen des AIFMG iVm InvFG 2011 „Informationen für Anleger gemäß § 21 AIFMG“ erstellt.

Der Prospekt, die „Informationen für Anleger gemäß § 21 AIFMG“ sowie das Basisinformationsblatt sind in der jeweils aktuell gültigen Fassung auf der Homepage www.erste-am.com jeweils in der Rubrik Pflichtveröffentlichungen abrufbar und stehen dem/der interessierten Anleger:in kostenlos am Sitz der jeweiligen Verwaltungsgesellschaft sowie am Sitz der jeweiligen Depotbank zur Verfügung. Das genaue Datum der jeweils letzten Veröffentlichung des Prospekts, die Sprachen, in denen der Prospekt bzw. die „Informationen für Anleger gemäß § 21 AIFMG“ und das Basisinformationsblatt erhältlich sind, sowie allfällige weitere Abholstellen der Dokumente, sind auf der Homepage www.erste-am.com ersichtlich. Eine Zusammenfassung der Anlegerrechte ist in deutscher und englischer Sprache auf der Homepage www.erste-am.com/investor-rights abrufbar sowie bei der Verwaltungsgesellschaft erhältlich.

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