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Wenn Wasser fehlt, wird‘s teuer: Dürre als finanzielles Risiko

Vor 7 Stunden aktualisiert

Wenn Wasser fehlt, wird‘s teuer: Dürre als finanzielles Risiko
(c) AdobeStock
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Vor rund zehn Jahren veröffentlichten wir bei der Erste Asset Management erstmals den Wasserfußabdruck unserer nachhaltigen Aktienfonds. Anders als beim CO₂-Fußabdruck, der damals bereits weit verbreitet war, zählt beim Wasser nicht nur, wie viel ein Unternehmen verbraucht, sondern vor allem auch, wo dieser Verbrauch stattfindet.

Eine Tonne CO₂ wirkt unabhängig davon, wo sie ausgestoßen wird, auf das globale Klima. Bei Wasser ist das anders: Ob Wasserverbrauch problematisch ist, hängt stark vom Standort ab. Dieselbe Entnahmemenge kann in einem wasserreichen alpinen Gebiet vergleichsweise unproblematisch sein, in einem trockenen Gebiet aber rasch an seine Grenzen stoßen. Deshalb berücksichtigte unser Wasserfußabdruck von Beginn an auch die regionale Wasserstresssituation.

Der Alpenraum galt damals noch als vergleichsweise wasserreich. Dass längere Dürreperioden schon wenige Jahre später auch in Zentraleuropa zu einem unmittelbaren wirtschaftlichen Risiko werden könnten, erschien vielen eher abstrakt.

Vom Umweltindikator zur Finanzkennzahl

Knapp zehn Jahre später ist die Dürre in Zentraleuropa angekommen und ihre finanziellen Auswirkungen sind inzwischen messbar: So fiel in Österreich von Jänner bis Juni 2026 um 27 Prozent weniger Niederschlag als im langjährigen Durchschnitt. In einzelnen Landesteilen war es seit Beginn der Messreihen im Jahr 1885 nicht mehr so trocken. Die Österreichische Hagelversicherung schätzte den dürrebedingten Schaden in der heimischen Landwirtschaft mit Stichtag 10. August auf rund eine Milliarde Euro. Betroffen sind praktisch alle Bundesländer und zahlreiche Kulturen, darunter Grünland, Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben, Kürbisse und Soja.

Die Folgen reichen weit über landwirtschaftliche Betriebe hinaus: Geringere Ernten und Futterknappheit können die Beschaffungskosten von Lebensmittelproduzent:innen erhöhen, die Selbstversorgung reduzieren und schließlich auch bei Konsument:innen und in der Inflation ankommen. Aus fehlendem Niederschlag wird damit ein finanzielles Risiko.

Wie weit dieses Risiko reicht, zeigt sich derzeit auch am Rhein. Niedrige Wasserstände schränken die Beladung von Frachtschiffen ein und verteuern den Transport wichtiger Rohstoffe. thyssenkrupp Steel setzte im Juli 2026 die Transporte mit eigenen Binnenschiffen zeitweise aus, charterte Schiffe mit geringerem Tiefgang und reduzierte wegen der eingeschränkten Rohstoffversorgung vorsorglich die Produktion in Duisburg. Wie teuer Niedrigwasser werden kann, zeigte der Chemiekonzern BASF bereits im Dürrejahr 2018: Damals belastete das Niedrigwasser am Rhein das Ergebnis des Konzerns im zweiten Halbjahr mit rund 250 Millionen Euro.

Hinweis: Die in diesem Beitrag angeführten Unternehmen sind beispielhaft ausgewählt worden und stelle keine Anlageempfehlung dar.

Die Dürreperiode in weiten Teilen Europas zeigt sich auch am sehr niedrigen Pegelstand des Rheins (im Bild bei Köln). Quelle: APA-Images / Eyevine / Ulrich Hufnagel Xinhua

Wenn aus Wassermangel Strommangel wird

An der Donau zeigt sich eine zweite Wirkungskette: Aus fehlendem Wasser kann fehlender Strom werden. Beispielsweise ist das rumänische Kernkraftwerk Cernavodă für seine Kühlung auf Donauwasser angewiesen und erzeugt im Normalbetrieb rund ein Fünftel des rumänischen Stroms. Wegen der außergewöhnlich niedrigen Wasserführung musste zuletzt auch der zweite Reaktor des Kraftwerks abgeschaltet werden, nachdem der erste bereits Ende Juli vom Netz genommen wurde. Zuvor hatte das rumänische Militär Felsen gesprengt, um mehr Wasser in Richtung des Kraftwerks zu leiten. Der Durchfluss der Donau lag Anfang August bei nur noch rund 1.400 Kubikmetern pro Sekunde und damit bei weniger als einem Drittel des für die Jahreszeit üblichen Werts.

Gleichzeitig vereinbarten die Automobilhersteller Dacia und Ford, ihre Produktion in Rumänien bis zum 19. August auszusetzen und dadurch den Strombedarf um rund 200 Megawatt zu reduzieren. Auch in Ungarn sank die Leistung des Kernkraftwerks Paks, das im Normalbetrieb etwa ein Drittel der heimischen Stromproduktion liefert, zeitweise auf etwas mehr als zehn Prozent seiner Kapazität. Auch hier war der niedrige Pegel der Donau ausschlaggebend. Die Folge: höhere Stromimporte, steigende Kosten und Aufrufe an Haushalte und Unternehmen, den Stromverbrauch zu reduzieren.

Der Übertragungsweg ist damit klar: Niedrigwasser führt zu geringerer Kraftwerksleistung. Diese wiederum erhöht den Importbedarf und die Stromkosten. Das beeinträchtigt vor allem die Produktion energieintensiver Unternehmen. Finanzielle Relevanz beginnt somit bereits bevor der Schaden in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung steht. Produktionsdrosselungen, zusätzliche Stromimporte, höhere Transportkosten und eine schlechtere Auslastung vorhandener Anlagen sind konkrete wirtschaftliche Frühindikatoren.

„Spare Wasser für dich“

In meiner Heimatgemeinde wurde zuletzt wiederholt dazu aufgerufen, Wasser zu sparen, damit bei möglichen Waldbränden ausreichend Löschwasser zur Verfügung steht. In anderen österreichischen Gemeinden wurde die Wasserversorgung nachts bereits zeitweise eingeschränkt. Aus „Spare Wasser für die Umwelt“ wurde innerhalb kurzer Zeit „Spare Wasser für dich“.

Wasserknappheit ist damit längst kein abstraktes Nachhaltigkeitsthema mehr. Sie betrifft die öffentliche Sicherheit, die Lebensmittelversorgung, die Energieproduktion, Unternehmen – und letztlich uns alle. Was lange als Thema ferner Regionen wahrgenommen wurde, erreicht plötzlich den eigenen Wasserhahn.

Laut Daten der GeoSphere Austria weichen die Niederschläge im laufenden Jahr besonders im Osten und Norden Österreichs deutlich vom Normalwert der vergangenen rund 30 Jahre ab. Quelle: GeoSphere Austria

Woher kommt die Dürre?

Die einfache Antwort lautet: Die menschengemachte Klimakrise erhöht die Wahrscheinlichkeit und verschärft die Auswirkungen solcher Ereignisse. Eine wärmere Atmosphäre kann mehr Wasserdampf aufnehmen. Gleichzeitig nehmen Verdunstung und Wasserverlust aus Böden, Pflanzen und Gewässern zu. Dadurch können Böden während niederschlagsarmer Perioden schneller austrocknen. Wenn Niederschlag fällt, kann er intensiver ausfallen. Dabei ersetzt ein Platzregen keinen über Wochen verteilten Landregen, der Böden, Grundwasser und Flüsse kontinuierlich versorgt.

Der Klimawandel intensiviert damit den Wasserkreislauf: Trockenperioden und Starkregen können in derselben Region zunehmen. Entscheidend ist damit, wann, wo und in welcher Form das Wasser zur Verfügung steht. Europa ist zudem der Kontinent, der sich am schnellsten erwärmt. In den vergangenen 30 Jahren stiegen die Temperaturen hier laut Copernicus doppelt so schnell pro Jahrzehnt, als im globalen Durchschnitt.

Fatalismus ist keine Strategie

Wie also mit all diesen Fakten und Auswirkungen der Klimakrise umgehen? Fatalismus ist jedenfalls keine besonders überzeugende Strategie.

Auf persönlicher Ebene werden wir uns stärker an Hitze und Trockenheit anpassen müssen: durch Beschattung, besser isolierte Gebäude, nächtliches Lüften, einen effizienteren Umgang mit Wasser.

Auf Ebene der Energieversorgung und der Unternehmen reicht es nicht, auf Regen zu hoffen. Notwendig sind ein diversifizierter Erzeugungsmix, leistungsfähige Stromnetze, mehr Speicher und ein professionelles Resilienzmanagement. Photovoltaikanlagen liefern an wolkenlosen Hitzetagen wertvollen Strom. Sie ersetzen aber keine jederzeit verfügbare Erzeugung, deshalb benötigt es zusätzliche Investitionen in Speicher, Netze und die Incentivierung flexibler Nachfrage.

Es sind sowohl Klimaschutz als auch Anpassungsmaßnahmen erforderlich. Wir müssen Emissionen reduzieren, um eine weitere Verschärfung der Klimakrise zu verhindern. Gleichzeitig müssen wir uns auf jene Veränderungen vorbereiten, die bereits heute unvermeidbar sind.

Was bedeutet „Responsible“ in der Veranlagung?

Wie beschreibt man die Vorbereitung auf Extremereignisse, die mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten werden, deren genauen Zeitpunkt aber niemand vorhersagen kann?

Verantwortungsvoll

Im Zusammenhang mit Veranlagungen sprechen wir von Responsible Investments. So heißt mein Team heute, und so hieß es auch während der Boomphase der ESG-Investments. Begriffe und Markttrends können sich verändern, aber Verantwortung bleibt.

Innerhalb klarer Leitplanken, etwa beim Ausschluss von Kinderarbeit, schweren Menschenrechtsverletzungen oder kontroversen Geschäftspraktiken, versuchen wir jene Unternehmen zu identifizieren, die die künftigen Herausforderungen ihrer Branche besser bewältigen können als ihre Mitbewerber.

Beim Thema Wasser bedeutet das, Unternehmen über den absoluten Verbrauch hinaus zu analysieren. Ein Unternehmen mit einem relativ geringen Wasserverbrauch kann ein hohes finanzielles Wasserrisiko haben, wenn seine gesamte Produktion an einem einzigen gefährdeten Standort konzentriert ist. Umgekehrt kann ein wasserintensives Unternehmen sein Risiko durch Kreislaufsysteme, alternative Bezugsquellen und geografische Diversifikation deutlich reduzieren.

Finanzielle Relevanz entsteht dort, wo Wasser Umsatz, Kosten, Cashflows oder Vermögenswerte beeinflusst. Genau diese Verbindung zwischen Natur und Unternehmenswert muss eine verantwortungsvolle Investmentanalyse sichtbar machen.

Vom Wasserfußabdruck zum Biodiversity Score

Wasser lässt sich dabei nicht isoliert betrachten. Seine Verfügbarkeit hängt unter anderem mit Klimawandel, Landnutzung, Entwaldung, Bodenqualität, Verschmutzung und dem Zustand von Ökosystemen zusammen.

Deshalb ist die Ressourcennutzung mit Fokus auf Wasser heute eine der fünf Säulen unseres proprietären EAM Biodiversity Score. Ergänzt wird sie durch die Bereiche Klimawandel, Landnutzung, Verschmutzung sowie naturpositive Aktivitäten und Programme.

Die Faktoren werden entsprechend ihrer Bedeutung in der jeweiligen Branche unterschiedlich gewichtet. Ein Lebensmittelproduzent hat andere wesentliche Biodiversitätsrisiken als ein Softwareunternehmen oder ein Energieversorger. Für alle unsere Responsible-Fonds kommt dabei ein definierter Mindestscore zur Anwendung, wodurch Biodiversität ein konkretes Kriterium für die Investierbarkeit eines Unternehmens ist. Mehr zum Score erfahren Sie in unserer Biodiversity-Richtlinie.

Hinweis: Bitte beachten Sie, dass eine Veranlagung in Wertpapiere neben Chancen auch Risiken beinhaltet.

Fazit: Wir kennen nicht den Zeitpunkt – aber das Risiko


Wann die nächste Dürre eintritt, wie lange sie dauert und welcher Fluss als Nächstes einen kritischen Pegel erreicht, können wir nicht exakt vorhersagen. Dass es in absehbarer Zukunft  weitere Dürreperioden geben wird, ist dagegen eine vernünftige Annahme.

Verantwortungsvolle Veranlagung bedeutet bereits zu reagieren, bevor eine Gewinnwarnung erfolgt, Schiffe nicht mehr fahren, Kraftwerke ihre Leistung reduzieren oder Fabriken ihre Produktion anpassen müssen. Sie beginnt damit schon früher, mit der Frage, welche Unternehmen ihre Abhängigkeiten kennen, in Widerstandsfähigkeit investieren und auch unter veränderten klimatischen Bedingungen handlungsfähig bleiben. Denn aus einem niedrigen Wasserstand kann sehr schnell ein finanzieller Verlust resultieren.

 

WICHTIGE RECHTLICHE HINWEISE

Hierbei handelt es sich um eine Werbemitteilung. Sofern nicht anders angegeben, Datenquelle Erste Asset Management GmbH. Die Kommunikationssprache der Vertriebsstellen ist Deutsch und jene der Verwaltungsgesellschaft zusätzlich auch Englisch.

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Der Prospekt, die „Informationen für Anleger gemäß § 21 AIFMG“ sowie das Basisinformationsblatt sind in der jeweils aktuell gültigen Fassung auf der Homepage www.erste-am.com jeweils in der Rubrik Pflichtveröffentlichungen abrufbar und stehen dem/der interessierten Anleger:in kostenlos am Sitz der jeweiligen Verwaltungsgesellschaft sowie am Sitz der jeweiligen Depotbank zur Verfügung. Das genaue Datum der jeweils letzten Veröffentlichung des Prospekts, die Sprachen, in denen der Prospekt bzw. die „Informationen für Anleger gemäß § 21 AIFMG“ und das Basisinformationsblatt erhältlich sind, sowie allfällige weitere Abholstellen der Dokumente, sind auf der Homepage www.erste-am.com ersichtlich. Eine Zusammenfassung der Anlegerrechte ist in deutscher und englischer Sprache auf der Homepage www.erste-am.com/investor-rights abrufbar sowie bei der Verwaltungsgesellschaft erhältlich.

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