Wie wir wissen, liegen Euphorie und Angst an der Börse oftmals sehr nah beieinander. Der Juli hat dies einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt als innerhalb weniger Tage die allgegenwärtige KI-Euphorie in pure Angst im Halbleitersegment ummünzte. Es ist allerdings nicht das erste Mal und vermutlich auch nicht das letzte Mal, dass Zweifel an der Profitabilität der KI für Stress an den Börsen sorgen.
Angesichts der enorm starken Zugewinne im Vorfeld, kann die Kurskorrektur auch positiv gewertet werden – wie ein reinigendes Sommergewitter wurde die aufgeheizte Stimmung an den Märkten dadurch etwas abgekühlt und Risiken neu bepreist. So führten die Kursverwerfungen beispielsweise zur Teilliquidation des stark gehebelten Hedge-Fonds „Situational Awareness“ vom gerade einmal 25-Jährigen „KI-Wunderkind“ Leopold Aschenbrenner.
Die Gewinne sprudeln
Die rasche Gegenbewegung der Börsen zeigt allerdings auch, dass der Sommer sinnbildlich noch nicht vorbei ist und vorerst keine Schlechtwetterfront aufziehen dürfte. Zu gut verlief hierfür auch die Berichtsaison in den USA. So konnten knapp 90% der berichtenden Unternehmen im S&P-500 die Gewinnerwartungen übertreffen. Die durchschnittliche Gewinnsteigerung ist mit über 50% auf Quartalsbasis so stark wie seit 5 Jahren nicht mehr.
Die US-Wirtschaft läuft weiter auf Hochtouren, auch wenn erste Schwächetendenzen sichtbar wurden. So hat sich der Arbeitsmarkt im Juli empfindlich abgeschwächt – entgegen den Erwartungen wurden im Juli sogar 27.000 Stellen abgebaut. Ein schwächelnder Arbeitsmarkt erschwert die Situation der US-Notenbank welche sowohl für Vollbeschäftigung als auch Preisstabilität sorgen muss. Bei der letzten Sitzung im Juli beließ die FED ähnlich wie die EZB den Leitzins unverändert – der Druck auf die FED wächst allerdings, wie die stark steigenden US-Zinsen zeigen. Innerhalb der Notenbank ist der Dissens groß. Zudem gibt Kevin Warsh’s zurückhaltende Kommunikationsweise kaum Anhaltspunkte für zukünftige Zinsschritte.
Japan zieht die Reißleine
Für Aufsehen sorgte im Juli auch eine der größten Währungsinterventionen der jüngeren Geschichte. Wie die unten dargestellte Grafik zeigt, geriet der japanische Yen in den letzten Monaten zusehends unter Druck.
Quelle: Bloomberg, 11.8.2026. Hinweis: Die Entwicklung in der Vergangenheit ist kein zuverlässiger Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Vor allem seit dem Amtsantritt der neuen Regierungschefin Sanae Takaichi, welche trotz eines Schuldenstandes von mehr als 200% der Wirtschaftsleistung auf hohe Staatsausgaben setzt, ist der ohnehin schwache Yen in einer Abwärtsspirale. Die Intervention, an welcher sich überraschend auch die USA beteiligt hatten, hat den Wechselkurs zumindest zwischenzeitlich stabilisiert.
Auch wenn Trump von einem Freundschaftsakt gegenüber seiner japanischen Kollegin sprach, so dürfte die US-Regierung durchaus Eigeninteressen verfolgen. Japan ist der größte ausländische Gläubiger der USA und eine ausgewachsene Währungskrise hätte wohl ein erhebliches Ansteckungsrisiko für die ohnehin auch unter Druck stehenden US-Anleihen.
Sommerloch war gestern
Die Nachrichtendichte bleibt somit auch in diesem Sommer erstaunlich hoch. Wie die Entwicklung im Juli gezeigt hat, ist der Markt durchaus anfällig für Schwankungen, jedoch werden Kursrückgänge weiterhin als Kaufgelegenheit gesehen.
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