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Abnehm-Pillen, Krebsforschung, Übernahmen: Die Pharma-Industrie vor der nächsten Wachstumswelle

Vor 10 Stunden aktualisiert

Abnehm-Pillen, Krebsforschung, Übernahmen: Die Pharma-Industrie vor der nächsten Wachstumswelle

Mehrere große Pharmakonzerne haben zuletzt mit starken Quartalszahlen positiv überrascht und ihre Gewinnprognosen weiter angehoben. Getragen wurde die gute Entwicklung zu einem großen Teil vom anhaltenden Boom der Abnehmpräparate und bedeutenden Umsätzen der Krebsmittel. In beiden Bereichen versprechen neue Produkte und Wirkstoffe weiteres Potenzial.

Hinweis: Die hier angeführten Unternehmen sind beispielhaft ausgewählt worden und stellen keine Anlageempfehlung dar. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit und Prognosen sind keine zuverlässigen Indikatoren für künftige Entwicklungen.

Quelle: APA/Citeline Pharma, Daten per 11.09.2026

Eli Lilly: Diabetesmittel Mounjaro und Gewichtssenker Zepbound treiben

Der gemessen an der Marktkapitalisierung weltgrößte Pharmakonzern Eli Lilly hat seine Umsatzprognose für 2026 nach einem überraschend starken zweiten Quartal auf eine Bandbreite von 85 bis 87 Milliarden US-Dollar (74 bis 76 Mrd. Euro) erhöht. Erst Ende April hatte der US-Konzern seine Prognose auf 82 bis 85 Milliarden angehoben. Das Diabetesmittel Mounjaro und ein starkes Geschäft mit dem Gewichtssenker Zepbound trieben das Wachstum von Eli Lilly an. Im zweiten Quartal wuchs der Konzernumsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um fast die Hälfte auf knapp 23 Mrd. Dollar. Unterm Strich stieg der Gewinn um ein Viertel auf 7,1 Mrd. Dollar.

Eli Lilly verfügt mit seinen Medikamenten Mounjaro gegen Diabetes und Zepbound gegen Adipositas derzeit über zwei der erfolgreichsten Präparate dieser Sparte und entwickelt laufend neue Produkte. Die neue Abnehmpille Foundayo kam im zweiten Quartal auf einen Umsatz von knapp 100 Millionen Dollar. Das Mittel mit dem Wirkstoff Orforglipron war Anfang April erstmals von der US-Arzneimittelbehörde zugelassen worden. Für das in Entwicklung befindliche Abnehmmittel Retatrutid könnte der Konzern bald die Zulassung beantragen.

Eli Lilly dürfte auch weiter an seiner starken Stellung am wichtigen US-Markt partizipieren, denn in den USA bekommen immer mehr Menschen Zugang zu Abnehmmitteln. Seit Juli erhalten mehr ältere Menschen über das staatliche Medicare-Programm Zugang zu GLP-1-Medikamenten, die gegen Diabetes und zum Abnehmen verschrieben werden.

Johnson & Johnson: Blockbuster-Medikament Darzalex im Mittelpunkt

Auch der US-Pharmariese Johnson & Johnson hat sich im zweiten Quartal trotz rückläufiger Verkäufe seines Psoriasis-Medikaments Stelara gut geschlagen. In den drei Monaten bis Ende Juni erzielte der Konzern einen Umsatz von gut 25 Mrd. Dollar, das waren 6,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Damit übertraf das Unternehmen die durchschnittlichen Erwartungen von Analyst:innen. Dazu trugen vor allem das Blockbuster-Medikament Darzalex zur Behandlung des multiplen Myeloms, einer Krebserkrankung des Knochenmarks, sowie die beiden Lungenkrebsmedikamente Rybrevant und Lazcluze bei. Der bereinigte Gewinn legte um fast fünf Prozent auf 2,90 Dollar je Aktie zu. Konzernchef Joaquin Duato sprach von einem starken Jahresviertel und hob die Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf 101,4 Mrd. Dollar an.

Merck & Co: Hoffnung auf Blutdrucksenkern Keytruda und Winrevair

Der US-Pharmakonzern Merck & Co hat im zweiten Quartal an einer starken Nachfrage nach neueren Medikamenten partizipiert und den Umsatz überraschend stark gesteigert. Im zweiten Quartal stiegen die Erlöse im Jahresvergleich um fünf Prozent auf 16,6 Mrd. Dollar. Fortschritte machte der Konzern beim Ausbau seiner Produktpipeline, inklusive deutlichen Zuwächsen bei Hoffnungsträgern wie dem Blutdrucksenker Winrevair. Die Erlöse mit dem Blockbuster Keytruda gegen Krebs stiegen zuletzt um fünf Prozent auf fast 8,4 Mrd. Die Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 hat das Management auf eine Spanne von 66,3 bis 67,3 Mrd. Dollar nach zuletzt 65,8 bis 67,0 Mrd. erhöht. Die Gewinnprognose wurde wegen der Übernahme des Leukämie-Spezialisten Terns Pharmaceuticals aber gesenkt.

AstraZeneca: Medikamente gegen Krebs und seltene Krankheiten

Eine starke Nachfrage nach Medikamenten gegen Krebs und seltene Krankheiten hat auch der britischen AstraZeneca im zweiten Quartal ein überraschendes Gewinnplus beschert. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg zu konstanten Wechselkursen um 18 Prozent auf 2,63 Dollar. Analyst:innen hatten im Schnitt 2,48 Dollar erwartet. Der währungsbereinigte Umsatz legte um 5 Prozent auf 15,38 Mrd. Dollar zu und entsprach den Markterwartungen. Seine Jahresprognose bekräftigte der Konzern. Beim Umsatz wird ein Plus im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich erwartet.

Daten per 11.09.2026

Schweizer Pharmakonzerne Roche und Novartis mit Problemen

Nicht ganz so erfolgreich waren zuletzt die Quartalszahlen der großen Schweizer Pharmakonzerne ausgefallen. Roche hat im ersten Halbjahr unter kräftigem Gegenwind von den Wechselkursen gelitten. Der Umsatz fiel im ersten Halbjahr in Franken gerechnet um zwei Prozent auf 30,4 Mrd. Franken (32,32 Mrd. Euro). Währungsbereinigt gab es aber eine Zunahme um sechs Prozent. Für das Gesamtjahr 2026 bestätigte der Pharmakonzern seine bisherigen Ziele.

Der Schweizer Novartis stemmt sich derzeit erfolgreich gegen die Folgen des Umsatzeinbruchs bei seinem einstigen Kassenschlager Entresto. Während billige Nachahmerprodukte den Erlös mit dem Herzmedikament im zweiten Quartal halbierten, brachten stark wachsende Krebs- und Multiple-Sklerose-Mittel den Konzern auf den Wachstumspfad zurück. Der Umsatz stieg von April bis Juni um knapp drei Prozent auf 14,4 Mrd. Dollar. Währungsbereinigt lag das Plus bei einem Prozent. Das bereinigte operative Ergebnis stagnierte bei 5,9 Mrd. Dollar, übertraf damit aber die Analystenerwartungen. Unterm Strich brach der Reingewinn wegen höherer Steuern und Zinsaufwendungen um 19 Prozent auf 3,3 Mrd. Dollar ein.

Harald Kober, Senior Fondsmanager des Aktienfonds ERSTE STOCK BIOTEC sieht nun wachsenden Druck aufgrund der auslaufenden Patente. Pharmaunternehmen würden sich nun nach kleineren und innovativen Biotechnologie-Unternehmen umsehen, die gute Chancen auf Produktzulassungen hätten. Daran dürfte der gesamte Biotechnologie-Sektor partizipieren.

Hinweis: Bitte beachten Sie, dass eine Veranlagung in Wertpapiere neben Chancen auch Risiken hat.

Harald Kober, Fondsmanager ERSTE STOCK BIOTEC: Pharma-Unternehmen ohne Nachfolgeprodukte für ihre Blockbuster geraten zunehmend unter Druck und müssen sich nach innovativen Biotechnologie-Unternehmen umsehen.

Novo Nordisk setzt mit Mittel in Tablettenform auf Comeback

Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk lag beim Gewinn im zweiten Quartal über den Markterwartungen und hat seine Gewinn- und Umsatzprognose für das Gesamtjahr angehoben. Der Hersteller des Abnehmmittels Wegovy steigerte seinen bereinigten Betriebsgewinn im Quartal im Jahresvergleich um rund elf Prozent auf 33,4 Mrd. dänischen Kronen oder rund 4,5 Mrd. Euro.

Novo Nordisk ist ein Pionier im Bereich der modernen Abnehmpräparate und hat mit seinen Mitteln Ozempic und Wegovy den Boom der Präparate auf GLP-1-Basis ausgelöst. GLP-1 ist ein körpereigenes Hormon, das die Insulinausschüttung fördert, aber auch das Sättigungsgefühl steigert. Dank der Mega-Umsätze in diesem Bereich waren die Dänen gemessen an der Börsenkapitalisierung zeitweise der wertvollste Konzern in Europa. Mittlerweile ist Novo Nordisk im Kampf um die Vorherrschaft im lukrativen Abnehmmarkt hinter den US-Konkurrenten Eli Lilly zurückgefallen.

Der ehemalige Branchenprimus Novo Nordisk will nun mit seiner neuen Abnehmpille Marktanteile von Eli Lilly wieder zurückerobern. Novo-Chef Mike Doustdar erwartet, dass der Markt für Abnehmtabletten bis 2030 bis zu 50 Prozent des GLP-1-Marktes ausmachen könnte. Bisher wurde der Markt vor allem von Abnehmspritzen beherrscht. In Deutschland ist die Wegovy-Abnehmtablette seit 1. September erhältlich. Zugelassen sind die rezeptpflichtigen Tabletten für Menschen mit Adipositas oder Übergewicht und mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung.

Im Kampf um den stark wachsenden Markt für Abnehmmittel wehrt sich der Chef von Novo Nordisk gegen die Vorstellung eines reinen Zweikampfs mit dem US-Rivalen Eli Lilly. Der Markt werde sich nicht zu einem Duell nach dem Muster „Cola gegen Pepsi“ entwickeln, sagte Mike Doustdar in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Er erwarte vielmehr eine stärkere Segmentierung: „Es wird Cola und Pepsi und Fanta und Dr Pepper und Red Bull geben.“

Moderna-Aktienkurs nach erfolgreicher Krebsstudie zeitweise verdreifacht

Neue Wirkstoffe und Produkte dürften auch dem umsatzstärksten Pharmasegment der Krebsmedikamente weiter Auftrieb verleihen. Für Aufsehen sorgte zuletzt eine erfolgreiche Studie von Moderna und Merck & Co zu einem Melanom-Impfstoff. Die Moderna-Aktie war am Tag der Studienveröffentlichung an der US-Technologiebörse Nasdaq um 177 Prozent nach oben geschossen. Der Marktwert von Moderna stieg damit allein an diesem Tag um 44 auf rund 70 Mrd. Dollar. Die Merck-Aktie legte am selben Tag gut 12 Prozent zu.

Merck und Moderna ist laut den Studiendaten möglicherweise ein Durchbruch bei mRNA-Impfstoffen gegen Krebs gelungen. Die letzte Phase der klinischen Studien zu einem therapeutischen Impfstoff für Patient:innen mit schwarzem Hautkrebs im fortgeschrittenen Stadium hat positive Ergebnisse gezeigt. „Dies ist die erste Bekanntgabe von positiven Phase-3-Ergebnissen für eine mRNA-basierte Krebstherapie“, hieß es in der gemeinsamen Erklärung. Forscher:innen arbeiten schon seit Längerem an der Entwicklung von mRNA-Therapien gegen Krebs. Der neue Impfstoff namens Intismeran Autogene basiert auf derselben Technologie, die auch den Covid-19-Impfstoffen zugrunde liegt.

💉 Was ist die mRNA-Technologie?

Die mRNA-Technologie ermöglicht es, genetische Informationen gezielt in Proteine umzusetzen, ohne das Erbgut zu verändern. Sie hat die Impfstoffentwicklung beschleunigt und eröffnet neue Möglichkeiten in der personalisierten Medizin, Onkologie und Behandlung genetischer Erkrankungen. Trotz technischer Herausforderungen gilt sie als bahnbrechende Plattform für zukünftige therapeutische Innovationen. Quelle: Bild der Wissenschaft

Auch andere Pharmakonzerne arbeiten intensiv an neuen Krebsmedikamenten. Roche hat in den USA zuletzt eine Zulassung für den erweiterten Einsatz von zwei Krebstests erhalten. Die Gesundheitsbehörde FDA erlaubt die laufenden Tests nun auch zur Untersuchung fortgeschrittener Krebsarten des Verdauungstrakts. Für die gemeinsame Entwicklung und Vermarktung des Blutkrebs-Wirkstoffs Bexobrutideg zahlte Roche seinem US-Partner Nurix Therapeutics zudem eine Vorabprämie von 700 Mio. Dollar. Bexobrutideg soll in die dritte Phase der klinischen Prüfung für die Behandlung von lymphatischer Leukämie gehen.

Die britische AstraZeneca musste hingegen kürzlich einen Rückschlag bei einer entscheidenden klinischen Studie mit dem Wirkstoff Volrustomig zur Behandlung von Lungenkrebs einstecken. Ein Kontrollkomitee kam zu dem Schluss, dass die Kombinationstherapie mit einer Chemotherapie ihre Ziele voraussichtlich nicht erreichen werde.

Übernahmefantasie macht Investor:innen neugierig

Auch mit Firmenübernahmen wollen die großen Pharmakonzerne ihre Medikamenten-Pipelines weiter stärken. AstraZeneca erwägt laut einem Bericht der „Financial Times“ die Übernahme des US-Konkurrenten Bristol Myers Squibb. Das wäre der größte Deal der Branchengeschichte und würde einen der weltgrößten Pharmakonzerne mit einem Börsenwert von knapp 400 Mrd. Dollar schaffen.

Der US-Pharmakonzern AbbVie will das Biotechunternehmen Apogee Therapeutics um 10,9 Mrd. Dollar kaufen. Der Kauf soll im dritten Quartal abgeschlossen werden. Die Verwaltungsräte beider Firmen und die Großaktionär:innen von Apogee haben der Übernahme bereits zugestimmt.

Roche hat zuletzt eine Vereinbarung zur Übernahme des US-Unternehmens PathAI getroffen. Mit dem Zukauf wollen die Schweizer ihre Position bei KI-basierten Diagnoselösungen ausbauen. Der Kaufpreis beträgt 750 Mio. US-Dollar zuzüglich möglicher Meilensteinzahlungen von bis zu 300 Mio. Im April hat Roche bereits die amerikanische Saga Diagnostics erworben. Novartis wiederum übernimmt die britische Myricx Bio für bis zu 1,5 Mrd. US-Dollar und stärkt damit seine Pipeline für Krebsmedikamente.

Neue Milliardenmärkte Darm- und Herzmuskel-Erkrankungen?

Laut ERSTE STOCK BIOTEC Fondsmanager Kober könnte auch das französische Biotechnologieunternehmen Abivax ein Kandidat für Big Pharma sein: „Das Unternehmen hat das orale Medikament Obefazimod gegen eine entzündliche Erkrankung des Verdauungstraktes Colitis ulcerosa entwickelt. Der globale Markt für diese Krankheit wird auf cirka 20 Mrd. US-Dollar im Jahr 2030 geschätzt und hat bisher kein effektives orales Medikament hervorgebracht. Dieses Medikament wird auch gegen Morbus Crohn getestet. Die Daten der Phase 2 werden im 1. Halbjahr 2027 erwartet.

Das kalifornische Biotechnologie-Unternehmen Cytokenetics hat mit Aficamten ein vielversprechendes Medikament gegen hyperthrophe Kardiomyopathie, einer genetisch bedingten Herzmuskelerkrankung, entwickelt. Dieses Medikament könnte 2027 auf den Markt kommen und hat Blockbuster-Potential. Der global adressierbare Markt könnte größer als 10 Mrd. US-Dollar sein, so Kober.

🧬 Wie kann man in Biotechnologie investieren?

Die Biotechnologie-Branche bietet Anleger:innen eine breite Palette an Investitionsmöglichkeiten in Unternehmen, die in der Entwicklung von neuen Medikamenten, Diagnostika, Genom-Analysen und anderen biotechnologischen Produkten tätig sind. Es ist zu beachten, dass Aktien von Unternehmen aus dem Biotechnologie-Bereich ein höheres Risiko aufweisen als andere Branchen aufgrund der hohen Forschungs- und Entwicklungskosten, hohen Regulierungsanforderungen sowie der Unsicherheit hinsichtlich der Zulassung neuer Produkte. Investmentfonds wie der ERSTE STOCK BIOTEC streuen das Risiko auf eine Vielzahl an aussichtsreichen Aktien.

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