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ATX auf Rekordniveau: Wie viel Potenzial steckt noch im österreichischen Aktienmarkt?

Vor 8 Stunden aktualisiert

ATX auf Rekordniveau: Wie viel Potenzial steckt noch im österreichischen Aktienmarkt?

Lange Zeit galt der österreichische Aktienmarkt als günstig bewertet, stand bei internationalen Anleger:innen aber eher im Schatten größerer Märkte. Inzwischen hat sich das Bild deutlich verändert: Nach einer starken Entwicklung im Vorjahr hat der heimische Leitindex ATX 2026 bisher um knapp 30 Prozent zugelegt und neue Höchststände erreicht.

Hinweis: Die Entwicklung in der Vergangenheit ist kein zuverlässiger Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Quelle: LSEG Datastream, Daten per 01.09.2026

Ein Blick auf die langfristige Entwicklung zeigt: Der ATX bewegte sich über weite Strecken im Gleichlauf mit anderen europäischen Aktienindizes. In jüngster Zeit hat sich die Entwicklung jedoch beschleunigt, wodurch sich der österreichische Leitindex gegenüber DAX und Euro Stoxx 50 deutlich verbessern konnte.

Beim DAX-Index ist zudem zu berücksichtigen, dass es sich um einen Performance-Index handelt, sprich dass hier die Dividendenauszahlungen auch mit berücksichtigt sind. Das ist beim ATX und Euro Stoxx 50 nicht der Fall. Der Unterschied würde damit noch höher ausfallen. Und das, obwohl die österreichische Wirtschaft weiterhin nur verhalten wächst und viele Unternehmen mit hohen Energiepreisen, geopolitischen Unsicherheiten und einer schwachen Industriekonjunktur konfrontiert sind.

Hat die Wiener Börse damit lediglich eine lange überfällige Aufholbewegung vollzogen – oder steckt hinter der Entwicklung mehr? Darüber haben wir mit Bernhard Haas, Fondsmanager des ERSTE STOCK VIENNA, gesprochen.

Bereits vor einem Jahr hatte der ATX viele internationale Aktienindizes hinter sich gelassen. Hat Sie die starke Entwicklung 2026 überrascht?

Ein zweites Jahr mit einer so deutlichen Outperformance ist durchaus eine kleine Überraschung. In der Vergangenheit folgten auf die „fetten Jahre“ häufig einige magere. Dass es diesmal anders gekommen ist, liegt vor allem an den Indexschwergewichten. Die Banken legen hervorragende Zahlen vor, die OMV partizipiert an höheren Energiepreisen und auch bei Andritz und voestalpine läuft es besser, als es die Konjunkturdaten vermuten lassen. Hier zahlt sich unter anderem die gute Marktposition der Unternehmen aus.

Hinweis: Die in diesem Beitrag angeführten Unternehmen sind beispielhaft ausgewählt worden und stellen keine Anlageempfehlung dar. Bitte beachten Sie, dass eine Veranlagung in den ERSTE STOCK VIENNA oder andere Wertpapiere neben Chancen auch Risiken birgt.

War die Kursentwicklung vor allem eine Aufholbewegung oder haben sich die fundamentalen Aussichten der Unternehmen verbessert?

Die gute Entwicklung wurde vor allem von besseren Unternehmensergebnissen getragen. An der Bewertung, etwa gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis, hat sich insgesamt gar nicht so viel verändert. Die Kurse sind also vor allem gestiegen, weil die Unternehmen mehr verdienen.

Österreichische Aktien galten lange als günstig. Trifft das nach dem starken Kursanstieg noch immer zu?

Im Vergleich mit anderen Aktienindizes ist der österreichische Markt weiterhin relativ günstig bewertet. Das liegt allerdings auch am hohen Gewicht von Finanzwerten, die üblicherweise mit niedrigeren Bewertungsmultiplikatoren gehandelt werden. Vergleicht man Banken mit Banken und Industriewerte mit Industriewerten, hat sich der Bewertungsabschlag österreichischer Titel im vergangenen Jahr deutlich reduziert. Es gibt aber weiterhin Einzeltitel mit attraktiven Bewertungen. Man muss heute selektiver vorgehen und genauer hinschauen.

Wie wichtig ist die österreichische Konjunktur für die Unternehmen im ATX überhaupt noch?

Ein Großteil der ATX-Unternehmen erwirtschaftet die Erträge überwiegend international, also außerhalb von Österreich. Die heimische Konjunktur spielt daher für viele Unternehmen eine untergeordneter Rolle – sonst wären die derzeit guten Unternehmensergebnisse kaum möglich. Wichtig wären allerdings konstruktive Signale aus der Politik für den österreichischen Arbeitsmarkt und Kapitalmarkt. Sondersteuern, etwa bei Energieunternehmen und teilweise im Bankensektor, können internationale Investor:innen abschrecken und dem Kapitalmarkt langfristig schaden – auch wenn es für solche Maßnahmen aus politischer Sicht andere Argumente geben mag.

Wo sehen Sie derzeit die größten positiven und negativen Überraschungen bei den Unternehmen?

Die Banken liefern durchwegs solide Ergebnisse – sowohl die stärker auf Zentral- und Osteuropa ausgerichteten Erste Group und RBI als auch die stärker westlich orientierte BAWAG. Auch im Öl- und Gasbereich haben OMV und SBO positiv überrascht. Schwieriger ist die Situation bei den Versorgern, wo unter anderem die Wasserknappheit die Stromproduktion belastet. Auch im Automobilbereich und in einigen industriellen Nischen bleiben die Konjunkturaussichten verhalten.

Kann die angekündigte Infrastruktur-Offensive in Deutschland und Europa der österreichischen Industrie neuen Rückenwind geben?

Das könnte für zahlreiche österreichische Industrieunternehmen sehr wichtig werden. Die heimische Exportindustrie hängt zwar weiterhin stark an der deutschen Automobilindustrie, die ihre Probleme nur langsam überwindet. Positive Signale sehen wir aber etwa in den Bereichen Luftfahrt und Infrastruktur. Daran könnten unter anderem Unternehmen wie voestalpine, AMAG, FACC, Strabag und Porr partizipieren. Bei großen Infrastrukturprojekten gibt es allerdings häufig lange Vorlaufzeiten. Erste größere Vergaben könnten 2027 erfolgen – die Aktienmärkte könnten eine solche Entwicklung aber bereits früher vorwegnehmen.

Nach der starken Kursentwicklung: Wie positionieren Sie den ERSTE STOCK VIENNA derzeit?

Unser Hauptfokus liegt weiterhin auf individuellen Wachstumsstorys, die möglichst wenig von der allgemeinen Konjunktur abhängig sind. Ein Beispiel ist DO & CO. Das Unternehmen sollte aufgrund seiner starken Position im Premium-Catering weiter wachsen können – weitgehend unabhängig davon, ob die Zinsen im kommenden Jahr etwas höher oder niedriger liegen.

Vorsichtig bleiben wir dagegen bei Versorgern. Hier könnte es im zweiten Halbjahr noch negative Überraschungen geben, insbesondere wenn die Wasserknappheit anhält. Generell sind höhere Energiepreise ein Risiko für die österreichische Wirtschaft und viele Unternehmen. Steigen dadurch Inflation und Transportkosten dauerhaft, könnte das auch den Spielraum der Notenbanken einschränken und das Wachstum belasten. Entscheidend wird daher sein, wie nachhaltig das derzeit erhöhte Energiepreisniveau ist.

Warnhinweise ERSTE STOCK VIENNA

Der Fonds verfolgt eine aktive Veranlagungspolitik und orientiert sich nicht an einem Vergleichsindex. Die Vermögenswerte werden diskretionär ausgewählt und der Ermessensspielraum der Verwaltungsgesellschaft ist nicht eingeschränkt.

Weitere Ausführungen zur nachhaltigen Ausrichtung des ERSTE STOCK VIENNA sowie zu den Angaben gemäß Offenlegungs-Verordnung (Verordnung (EU) 2019/2088) und Taxonomie-Verordnung (Verordnung (EU) 2020/852) sind dem aktuellen Prospekt, Punkt 12 und Anhang „Nachhaltigkeitsgrundsätze“ zu entnehmen. Bei der Entscheidung, in den ERSTE STOCK VIENNA zu investieren, sollten alle Eigenschaften oder Ziele des ERSTE STOCK VIENNA berücksichtigt werden, wie sie in den Fondsdokumenten beschrieben sind.

 

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