Nach den deutlichen Kursgewinnen in den vergangenen Monaten haben die Aktienmärkte im Juni eine Verschnaufpause eingelegt. Technische Faktoren und die Sorge vor einer möglichen Übertreibung an den Märkten haben die Dynamik gebremst. Aus volkswirtschaftlicher Sicht hat sich das Umfeld für risikobehaftete Anlageklassen jedoch sogar weiter verbessert – Kurskorrekturen hat das aber noch nie verhindert.
Hinweis: Prognosen und die Entwicklung in der Vergangenheit sind keine zuverlässigen Indikatoren für künftige Wertentwicklungen.
Weltwirtschaft wächst solide
Die aktuellen Konjunkturdaten sprechen weiterhin für ein globales Wachstum auf Trendniveau von rund 2,5 Prozent auf das Jahr hochgerechnet. Besonders die jüngsten Einkaufsmanagerindizes aus den Industrieländern zeigen, dass sich die wirtschaftliche Aktivität stabil entwickelt.
Ein wichtiger positiver Faktor sind die zuletzt deutlich gefallenen Energiepreise. Während hohe Öl- und Gaspreise in den vergangenen Monaten die Kaufkraft belastet haben, wirkt der Rückgang des Ölpreises inzwischen inflationsdämpfend und fördert damit die Kaufkraft. Die Hoffnung ist, dass es dadurch zu einer Verbesserung der Stimmung und des Wachstums kommen wird.
Gleichzeitig haben sich geopolitische Risiken etwas entspannt. Die Aussicht auf eine dauerhafte Öffnung der Straße von Hormus reduziert das Risiko erneuter Energieengpässe und extremer Preissprünge.
USA bleiben Wachstumslokomotive
Besonders robust präsentiert sich weiterhin die US-Wirtschaft. Die inflationsbereinigten Konsumausgaben steigen solide und auch die Investitionstätigkeit der Unternehmen nimmt weiter Fahrt auf. Vorlaufindikatoren wie Investitionsgüteraufträge und Auslieferungen deuten auf eine anhaltend hohe Investitionsbereitschaft hin. Insgesamt signalisiert das Modell der Atlanta Fed zur Schätzung des US-Wirtschaftswachstums einen kräftigen Zuwachs von 2,5 % im zweiten Quartal (auf das Jahr hochgerechnet).
Auch der Arbeitsmarkt zeigt sich überraschend stark. Die Zahl neu geschaffener Arbeitsplätze liegt deutlich über dem Niveau, das für eine stabile Arbeitslosenquote notwendig wäre. Entsprechend steigen die Chancen, dass die Arbeitslosenquote in den kommenden Monaten sogar weiter sinkt.
Eurozone verbessert sich langsam
Auch in Europa hellt sich das Bild zunehmend auf. Sowohl der Ifo-Geschäftsklimaindex als auch der Wirtschaftsvertrauensindex der Europäischen Kommission konnten zuletzt zulegen. Zwar liegen beide Indikatoren noch unter ihren Höchstständen vom Jahresbeginn, der Trend zeigt jedoch klar nach oben.
Positiv ist zudem die Entwicklung der Kreditvergabe: Nachdem das Kreditvolumen zuletzt rückläufig war, steigt es inzwischen wieder an – ein wichtiger Frühindikator für eine allmähliche Belebung der Wirtschaft. Auf das BIP-Wachstum umgerechnet bedeutet das einen geschätzten Anstieg von 0,5 % (annualisiert) im zweiten Quartal auf 1 % im dritten Quartal.
IT- und KI-Boom bleibt Wachstumstreiber
Ein wesentlicher Motor der aktuellen Entwicklung bleibt der anhaltende Boom im Bereich Informationstechnologie und Künstliche Intelligenz. Die hohen Investitionen in Digitalisierung und Halbleiter wirken sich weltweit positiv auf Produktion, Exporte und Unternehmensgewinne aus.
Besonders eindrucksvoll zeigen dies die Exportzahlen aus Asien: Taiwan, Südkorea und Singapur verzeichnen weiterhin außergewöhnlich hohe Wachstumsraten im Technologiesektor. Mittel- bis langfristig könnte dieser Investitionsboom sogar die Produktivität nachhaltig steigern und damit höheres Wirtschaftswachstum bei moderater Inflation ermöglichen. Kurzfristig führt die erhöhte Nachfrage aber auch zu spezifischen Engpässen, etwa bei Halbleitern. Das treibt die Preise in diesen Bereichen nach oben.
Inflation bleibt das zentrale Thema
Trotz sinkender Energiepreise dürfte die Kerninflation in vielen Volkswirtschaften weiterhin oberhalb des Zwei-Prozent-Ziels der Notenbanken bleiben. In den USA zeigt sich zwar keine erneute Beschleunigung des Preisauftriebs, gleichzeitig bleibt das Inflationsniveau aber weiterhin erhöht. Insgesamt liegt die Inflation seit 2021 über dem Zielwert von 2%, weshalb das Risiko eines dauerhaften Anstiegs der langfristigen Inflationserwartungen erhöht ist.
Auch für die Eurozone erwarten Ökonomen einen Rückgang der Gesamtinflation. Entscheidend wird jedoch sein, ob sich die höheren Energiepreise dauerhaft auf andere Bereiche der Wirtschaft übertragen haben oder nicht.
Fazit
Das gesamtwirtschaftliche Umfeld bleibt derzeit positiv. Die Konjunktur entwickelt sich stabil, geopolitische Risiken haben zuletzt etwas nachgelassen und der anhaltende Technologieboom sorgt weiterhin für positive Wachstumsimpulse. Gleichzeitig unterstützen die Zentralbanken trotz einzelner Zinsschritte die Wirtschaft insgesamt noch immer mit einer vergleichsweise expansiven Geldpolitik.
Kurzfristige Schwankungen an den Aktienmärkten bleiben jederzeit möglich und sind nach den kräftigen Kursanstiegen nicht ungewöhnlich. Aus fundamentaler Sicht spricht derzeit jedoch vieles dafür, dass das Umfeld für risikobehaftete Anlageklassen weiterhin günstig bleibt – vorausgesetzt die Notenbanken treten mit ihrer Geldpolitik nicht zu stark auf die Bremse.
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