„As far as I’m concerned, it’s over“, meinte der US-Präsident Donald Trump bei einer Rede auf dem NATO-Gipfel in Ankara am Mittwoch. Gemeint ist das bestehende Waffenstillstandsabkommen zwischen den USA und dem Iran. Er fügte hinzu, dass die Verhandlungen fortgesetzt werden können, auch wenn das seiner Meinung nach eine reine Zeitverschwendung sei. Die Finanzmärkte reagierten dementsprechend: Der Ölpreis stieg bei der Nordseesorte Brent auf 78 US-Dollar pro Fass, die Aktien- und Anleihenkurse fielen, während auch der Goldpreis nachgab.
Hinweis: Beachten Sie, dass eine Investition in Wertpapiere neben Chancen auch Risiken beinhaltet.
Nach der Absichtserklärung für einen Waffenstillstand vor einigen Wochen hatten die Märkte erleichtert reagiert. Die Aussicht auf eine dauerhafte Öffnung der Straße von Hormus sorgte für positive Stimmung, da dadurch einerseits der stagflationäre Impuls abnimmt und andererseits das Ausreißerrisiko eines Energieengpasses und starken Energiepreissprungs (falls die Meeresenge zu lange geschlossen bleibt) sinkt.
Verhandlungen noch immer alternativlos
Es war von Anfang an klar, dass der Verhandlungsprozess für ein Friedensabkommen holprig verlaufen wird und ein Restrisiko für eine neuerliche Eskalation besteht. Auf allen Seiten (USA, Israel, Iran) gibt es Verfechter eines harten Kurses. Doch was ist die Alternative zu Verhandlungen? Der Iran hat die Ambition, eine dominante Macht in der Region zu werden, andere Staaten wollen das verhindern. Doch eine militärische Option ohne Bodentruppen hat Analysen zufolge nur eingeschränkte Erfolgsaussichten.
Das globale Wachstum und die Finanzmärkte haben sich in den vergangenen Jahren als widerstandsfähig gegenüber zahlreichen negativen Entwicklungen (Covid, Ukraine, Zölle, Iran) erwiesen. Neben den unterstützenden Fiskal- und Geldpolitiken kann das auf zunehmende Investitionen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (Datenzentren, Energie) sowie Ausgaben für Verteidigung und wirtschaftliche Sicherheit zurückgeführt werden.
Zu Letzterem: Mit Covid wurde offensichtlich, dass Effizienz (je billiger, umso besser) nicht das allein ausschlaggebende Kriterium sein sollte. Resiliente Lieferketten sind ebenso wichtig, was allerdings auch höhere Kosten bedeutet. Mit der Iran-Krise ist der Anreiz angestiegen, sowohl die Energieträger (weniger Rohöl) als auch die Lieferketten zu diversifizieren (höhere Lagerhaltung an Rohstoffen). Diese Entwicklungen bedeuten höhere Investitionen.
Umfeld weiterhin gut
Aus rein volkswirtschaftlicher Sicht hat sich das Umfeld für die risikobehafteten Wertpapierklassen sogar verbessert. Zum Thema Resilienz gesellte sich zuletzt auch der sinkende Ölpreis. Dieser führte bereits im Juni zu fallenden Inflationsraten. Natürlich werden die Auswirkungen des Energiepreisschocks noch für einige Zeit nachwirken.
Aber bis vor dem Nahostkonflikt war das globale Wirtschaftswachstum kräftig. Die wirtschaftliche Aktivität wurde im 2. Quartal infolge des Ölpreisschocks etwas belastet. Die Erwartung ist, dass sich das Wachstum im dritten Quartal etwas beschleunigt – darauf deuten ach die jüngsten Daten zu den globalen Einkaufsmanagerindizes.
Inflation dürfte über Zielwert verbleiben
Auf der Inflationsebene ist es wichtig, die kurzfristigen von den langfristigen Trends zu unterscheiden. Aktuell fallen die Inflationsraten, weil der Ölpreis gefallen ist. Das Ausmaß der Überwälzungseffekte ist ungewiss. Immerhin gibt es einige boomende Sektoren, die es den Unternehmen ermöglichen, die Kostenanstiege weiterzugeben. Ein prominenter Anbieter von Smartphones hat bereits signifikante Preisanstiege angekündigt, weil die Kosten für Halbleiter angestiegen sind.
Auf lange Sicht betrachtet wird die Inflation in zahlreichen Ländern wahrscheinlich nicht auf das Ziel der Zentralbanken zurückkehren. Dafür sorgt das Zusammenspiel aus strukturell kostentreibenden Kräften und der Antwort der Politik darauf. Die Veränderung der Weltordnung kostet eben. Das betrifft sowohl die Fragmentierung der Weltwirtschaft (Zölle und Resilienz) als auch die ansteigenden Verteidigungsausgaben. Hinzu kommt der demografische Wandel. Die Fiskalpolitik wird in diesem Umfeld wahrscheinlich nicht auf Konsolidierung ausgerichtet werden (niedrigere Budgetdefizite). Dafür werden allein schon die zunehmenden Kosten für Gesundheit sorgen. Die Folge der steigenden Staatsschuldenquoten ist, dass sich die Regierungen deutlich positive reale Zinsen schwer leisten können.
Das heißt: Trotz der derzeit stattfindenden minimalen Leitzinsanhebungen bleiben die um die Inflation bereinigten Leitzinsen niedrig. Die Geldpolitik bleibt zu locker. Daraus folgt: Langfristig wird die Inflation wahrscheinlich nicht wieder auf das Ziel der Zentralbanken zurückkehren. Das Inflationsziel (meistens bei rund 2 %) könnte mehr eine Untergrenze anstatt eines Durchschnittswerts sein.
Das Umfeld für die Finanzmärkte kann mit „inflationärem Wachstum“ beschrieben werden. Möglicherweise erfolgt eine Entwicklung in Richtung „inflationärer Boom“. Wenn keine unerwarteten Negativ-Ereignisse auftreten (zB. Ölpreisschock), bleibt das Umfeld für die risikobehafteten Wertpapierklassen günstig.
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