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Die Natur braucht uns nicht – aber wir brauchen sie

Gerade erst aktualisiert

Die Natur braucht uns nicht – aber wir brauchen sie

Zwischen Urwald und Zukunftsfragen: Was ein Besuch im Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal über Natur, Verantwortung und nachhaltiges Investieren lehrt.

Wälder werden oft als die „Lungen unseres Planeten“ bezeichnet. Als unverzichtbare Ökosysteme regulieren sie das Klima, absorbieren CO₂, speichern Kohlenstoff, schützen Böden und Wasserkreisläufe und bieten Lebensraum für unzählige Arten.

Mit der zunehmenden Häufigkeit von Hitzewellen und Trockenperioden wird ihre Bedeutung für Mensch und Umwelt immer deutlicher. Gleichzeitig stehen viele Wälder unter erheblichem Druck. Neben den Folgen des Klimawandels wie Hitze, Trockenstress, Stürmen und Schädlingsbefall wurden viele Wälder, insbesondere in Europa, durch menschliche Aktivitäten zerstört, stark beeinträchtigt oder grundlegend verändert.

Obwohl viele Flächen inzwischen wiederhergestellt oder aufgeforstet wurden, sind diese neuen Wälder oft nicht mit ursprünglichen, unberührten Ökosystemen vergleichbar. In vielen Fällen werden lediglich einzelne Baumarten gepflanzt. Dabei wird die komplexe Struktur eines intakten Waldes häufig übersehen: zahlreiche Baum- und Pflanzenarten, verschiedene Vegetationsschichten, vielschichtige Beziehungen zwischen Arten, Totholz, Pilze, Mikroorganismen sowie eine hohe genetische Vielfalt.

Im Juni besuchte das Responsible-Investments-Team der Erste Asset Management ein einzigartiges Gebiet in der Region Kalkalpen: das rund 7.000 Hektar große Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal in den Ybbstaler Alpen. Es grenzt an den Rothwald, den größten verbliebenen Urwald des gesamten Alpenraums. Weltweit stellt ein Wildnisgebiet der International Union for Conservation of Nature (IUCN)-Kategorie 1a und 1b die höchste Form des Naturschutzes dar. Diese Schutzkategorien stehen für Gebiete, in denen die Natur weitgehend sich selbst überlassen bleibt. Zudem finden hier nur wenige Führungen pro Jahr statt, und diese ausschließlich für Bildungs- und Forschungsprogramme. Dieser strenge Schutz trägt dazu bei, die Natur in einem Zustand zu erhalten, welcher ihrem ursprünglichen Charakter möglichst nahekommt.

Ein Wald mit hoher Artenvielfalt ist stärker, anpassungsfähiger und widerstandsfähiger. Die beste Versicherung gegen die Klimakrise ist eine intakte Natur. Je vielfältiger ein Wald ist, desto stabiler bleibt er – und desto besser kann er auch unsere Lebensgrundlagen schützen.“ – teilte Christian Scheucher, unser Exkursionsleiter, mit.

Neben einem faszinierenden Natur- und Wandererlebnis nahmen wir mehrere wichtige Erkenntnisse mit:

Menschliches Handeln ist von der Natur abhängig nicht umgekehrt.

„Die Natur braucht den Menschen nicht. Aber der Mensch braucht eine funktionierende Natur. Umso vollständiger, vielfältiger und gesünder unsere Ökosysteme bleiben, desto besser sichern sie unsere Lebensgrundlagen.“ – Christian Scheucher

Aus unserer Analystenarbeit wissen wir, dass es kaum eine Industrie gibt, die nicht direkt oder indirekt von der Natur abhängig ist. Sauberes Wasser, fruchtbare Böden, stabile Klimabedingungen, Bestäubung, Rohstoffe und funktionierende Ökosysteme bilden die Grundlage fast aller wirtschaftlichen Aktivitäten. Wir müssen uns dieser Abhängigkeit bewusst sein und natürliche Ressourcen verantwortungsvoll, achtsam und respektvoll behandeln.

Wenn wir so weitermachen wie bisher, könnte der Zusammenbruch von Ökosystemen unumkehrbar werden.

Der Verlust der Biodiversität, der Klimawandel und die Zerstörung natürlicher Lebensräume hängen eng miteinander zusammen. Werden bestimmte ökologische Grenzen überschritten, sind die Schäden möglicherweise gar nicht oder nur mit enormem Aufwand rückgängig zu machen. Der Schutz intakter Ökosysteme ist daher nicht nur eine ökologische Verantwortung, sondern auch eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Notwendigkeit.

„Klimakrise und Artensterben gehören zusammen und es ist klar, dass wir Menschen sie verursacht haben. Die Frage ist nicht, ob die Natur ohne uns bestehen kann – sondern ob wir bereit sind, unsere eigene Zukunft zu sichern.“ – Christian Scheucher

Die Natur kann sich selbst regenerieren – wenn wir ihr genügend Raum und Zeit dafür geben.

Die Natur ist unendlich komplex, intelligent und selbstregulierend. Geschützte Naturräume gehören wahrscheinlich zu den wirksamsten Möglichkeiten, die Erholung der Biodiversität zu fördern. Diese Regeneration erfordert jedoch Geduld. Waldökosysteme entwickeln sich über Jahrzehnte und Jahrhunderte – nicht innerhalb kurzfristiger menschlicher Planungszyklen.

Eine Veränderung ist möglich, erfordert aber unvermittelte Handlung.

„Wir wissen, warum das Klima sich verändert und warum Arten verschwinden. Wir kennen die Ursachen und die Lösungen. Was uns fehlt, ist nicht das Wissen, sondern der Mut zu handeln.“ – Christian Scheucher

Die Unternehmen tragen einen erheblichen Anteil an den Auswirkungen der Menschheit auf die Natur. Als verantwortungsvolle Investorin nimmt die Erste Asset Management ihre Eigentümerrechte bei den Unternehmen, in die wir investieren, aktiv wahr. Dazu gehört sowohl der Dialog mit den Unternehmen als auch die Ausübung von Stimmrechten auf Hauptversammlungen, sowie die Beteiligung an internationalen kollaborativen Engagement-Initiativen. Mit diesen Maßnahmen wollen wir nachhaltige Praktiken fördern und positive Transformationen beschleunigen sowie die Unternehmen dazu ermutigen, die Natur als Grundlage des langfristigen Wohlergehens zu verstehen. Mithilfe unserer hauseigenen Klima- und Biodiversitätsmodelle identifizieren wir Unternehmen mit besonders hohen negativen Auswirkungen auf die Umwelt und die Natur oder solche mit Nachholbedarf im Vergleich zu ihren Wettbewerbern und adressieren entsprechende Themen.

Der Besuch im Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal war eine eindrucksvolle Erinnerung daran, wie stark, widerstandsfähig und intelligent die Natur ist, wenn wir Menschen sie in Ruhe lassen. Es ist bewundernswert zu sehen, wie Arten einander schützen und unterstützen und gemeinsam den Herausforderungen des Klimawandels und der menschlichen Zerstörung begegnen. Das Einzige, was die Natur jetzt von uns Menschen dringend braucht, ist, dass wir die Ausbeutung natürlicher Ressourcen und die Zerstörung von Lebensräumen beenden. Das erfordert zwar eine tiefgreifende Transformation unseres Lebensstils und unserer wirtschaftlichen Aktivitäten, ist aber notwendig, um die Grundlagen unseres Lebens und unseres wirtschaftlichen Wohlstands zu bewahren. 

 

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