Die USA stehen derzeit als Gastgeberland der Fußball-Weltmeisterschaft im Rampenlicht, doch die Stimmung im eigenen Land ist durchwachsen. Die Verbraucherstimmung in den USA ist angesichts steigender Energiepreise und Inflationsängste im Frühling auf ein neues Tief gefallen. Eine Wende könnte jetzt aber die Aussicht auf eine Lösung des Nahostkonflikts liefern, jüngste Stimmungsdaten zeigten schon eine Erholung. Die Co-Gastgeberländer Mexiko und Kanada bemühen sich unterdessen nach den Zollwirren um neue Handelspartnerschaften um sich unabhängiger von den USA zu machen.
Während in den drei Ländern bis zum Finale am 19. Juli der Ball rollt, blicken wir auf die aktuellen Stimmungs- und Wirtschaftsdaten in den WM-Gastgeberländern.
Inflation deutlich über Zielwert
Noch im Mai war der von der Universität Michigan in Umfragen ermittelte Index der Verbraucherstimmung in den USA auf ein Rekordtief von 44,8 Punkten gefallen. Grund für den Absturz war laut der Umfrageleiterin Joanne Hsu vor allem die wegen der Versorgungsengpässe in der wichtigen Handelsstraße von Hormuz stark gestiegenen Benzinpreise.
Die im Zuge des Iran-Kriegs und der Hormuz-Sperre angestiegenen Öl- und Energiepreise haben sich im Frühling auch in den Inflationsdaten deutlich niedergeschlagen. Im Mai lag die Inflationsrate bei 4,2 Prozent, das war der höchste Wert seit April 2023. Für Energie musste im Mai 23,5 Prozent mehr gezahlt werden als ein Jahr davor, für Benzin sogar 40 Prozent mehr. Die Inflation liegt damit weiter deutlich über dem Zielwert der US-Notenbank Fed und schürte an den Finanzmärkten auch Ängste vor gegensteuernden Zinserhöhungen der Fed.

Stand per 16. Juni 2026
Aussicht auf Ende des Nahostkonflikts sorgt für Aufatmen
Die jüngsten Signale für eine nahende Beilegung des Nahost-Konflikts brachten aber bereits eine messbare Stimmungsverbesserung. Nach wochenlangen Verhandlungen haben sich die USA und der Iran am vergangenen Wochenende auf ein Abkommen verständigt. Im Rahmen des Deals soll auch die Handelsstraße von Hormuz nach Angaben von US-Präsident Trump bis Ende der Woche wieder geöffnet werden. Viele Stimmen bewerteten den Deal als Zwischenschritt in einem diplomatischen Prozess mit noch vielen Hürden. Die Auswirkungen und möglichen nächsten Schritte analysierte Chefvolkswirt Gerhard Winzer bereits hier am Blog.
Die sich abzeichnende Einigung hatte davor schon für einen Rückgang der Ölpreise und damit auch eine Erholung der Verbraucherstimmung gesorgt. Im Juni hat sich der Konsumklimaindex der Uni Michigan wegen der Benzinpreisrückgänge überraschend deutlich um 4,1 Punkte auf 48,9 Punkte verbessert. Auch die Inflationserwartungen der Verbraucher gaben auf hohem Niveau etwas nach. Auf Sicht von einem Jahr sanken sie von 4,8 auf 4,6 Prozent.
US-Arbeitsmarkt zeigte sich zuletzt trotz des Kriegs robust
Andere Wirtschaftsindikatoren zeigten zuletzt trotz des Iran-Kriegs ein weitgehend robustes Bild. So sind in den USA im Mai trotz der Unsicherheit wegen des Kriegs doppelt so viele Jobs entstanden wie erwartet. Unterm Strich wurden 172.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen; von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur einen Anstieg um 85.000 erwartet. Die Arbeitslosenquote verharrte den dritten Monat in Folge bei 4,3 Prozent. Ökonomen zufolge habe der Krieg im Iran zwar viele Unternehmen verunsichert, das dürfte aber noch nicht groß auf den Arbeitsmarkt durchgeschlagen haben.
Der Weltwährungsfonds (IWF) hat bei seinem letzten Prognose-Update im April seine Schätzungen für die USA nur geringfügig angepasst. Die IWF-Ökonomen haben wegen des Iran-Kriegs ihre Wirtschaftsprognosen für die USA für heuer von 2,4 auf 2,3 Prozent gesenkt. Stabil zeigte sich zuletzt auch die Industrieproduktion. Die Produktion im Mai ist zwar nur um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat gestiegen und damit etwas weniger als erwartet. Gleichzeitig wurde aber der April-Wert von 0,7 auf 0,9 Prozent nach oben revidiert.
Eine kleine Verbesserung zeigte zuletzt die US-Handelsbilanz. Das US-Handelsdefizit ist im April wegen rekordhoher Ausfuhren leicht geschrumpft. Die Importe übertrafen die Exporte nur noch um 55,9 Mrd. Dollar. Im März hatte das Defizit noch 56,6 Mrd. Dollar betragen. Grund für die Entwicklung: Die Exporte wuchsen mit 2,6 Prozent zum Vormonat auf den Rekordwert von 327 Mrd. Dollar, während die Einfuhren nur um 2,0 Prozent auf 383 Mrd. Dollar zulegten. Die Bestmarke war auch auf den Anstieg der Erdöllieferungen zurückzuführen.
Kanada und Mexiko setzen in Wirtschaftsflaute auf neue Partnerschaften
In den beiden anderen WM-Gastgeberländern Kanada und Mexiko wächst die Wirtschaft derzeit nur langsam. Die von Trump verhängten Zölle auf Importwaren haben den kanadischen Produktionssektor schon im Vorjahr schwer getroffen. Dies zwang viele Unternehmen zu Produktionskürzungen, Stellenabbau und Investitionskürzungen. Im ersten Quartal 2062 ist Kanadas Bruttoinlandsprodukt (BIP) noch um 0,1 Prozent geschrumpft. Im Gesamtjahr dürfte das Land laut Prognosen des IWF auf ein Wachstum von 1,5 Prozent kommen. Für Mexiko erwartet der IWF heuer 1,6 Prozent Wachstum.
Beide Länder bemühen sich derzeit um neue Handelspartnerschaften und Allianzen, um ihre Abhängigkeit von den USA zu reduzieren. So haben zuletzt die EU und Mexiko nach jahrelangen Verhandlungen eine modernisierte Version ihres Handels- und Kooperationsabkommens aus dem Jahr 2000 unterzeichnet. Dadurch sollen weitere Zölle und Handelshemmnisse abgebaut und der Rahmen für die Zusammenarbeit aktualisiert werden.
Kanada will gemeinsam mit anderen Ländern Rohstoff-Abhängigkeit von China verringern
Für das bevölkerungsreichste spanischsprachige Land mit 130 Millionen Einwohnern ist die EU nach den USA der weltweit größte Exportmarkt. Das jährliche bilaterale Handelsvolumen beträgt rund 86 Milliarden Euro. Etwa 80 Prozent der mexikanischen Exporte gehen in die USA, deren Wirtschaft sich unter der Regierung von US-Präsident Donald Trump durch die Einführung neuer Zölle abgeschottet hat.
Kanada prüft derzeit gemeinsam mit Japan und Frankreich Alternativen zu einem von den USA geführten Handelsblock für kritische Rohstoffe. Ziel sei es, die Abhängigkeit von China zu verringern und die Lieferketten zu sichern, teilten Regierungsvertreter mit. Zu den diskutierten Optionen gehörten Importquoten für seltene Erden, Subventionen für Bergbauunternehmen sowie ein von Kanada initiierter Käuferclub. Damit distanzierten sich die Länder offenbar von Plänen des US-Vizepräsidenten JD Vance, der einen US-dominierten Handelsblock vorgeschlagen hatte. Kanadas Premierminister Mark Carney hatte angesichts der Politik von Präsident Donald Trump zum Zusammenschluss der Mittelmächte aufgerufen.
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