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Winzer der Woche: Zunehmender Inflationsdruck

Vor 2 Stunden aktualisiert

Winzer der Woche: Zunehmender Inflationsdruck
(c) APA-Images / dpa Picture Alliance / Oliver Böhmer
(c) APA-Images / dpa Picture Alliance / Oliver Böhmer

Die Hinweise darauf, dass die Inflation in den USA länger als gedacht auf einem erhöhten Niveau bleiben könnte, haben zuletzt zugenommen. Das hat vor allem die Anleihemärkte unter Druck gesetzt: Die Anleihekurse sind gefallen und gleichzeitig die Renditen angestiegen. Bei zehnjährigen US-Staatsanleihen liegt diese bereits bei 4,63%.

Für die Finanzmärkte stellt sich damit nicht nur die Frage, wie sich die Inflation weiterentwickeln wird, sondern auch, wie die Zentralbanken auf das gestiegene Inflationsrisiko reagieren.

Energiepreise halten Inflationsdruck hoch

Im März und April sind zahlreiche Inflationsraten gestiegen. Freilich ist das wenig überraschend: Mit der de-facto-Schließung der Straße von Hormuz haben die Energiepreise stark angezogen und den Inflationsdruck massiv erhöht.

Doch auch bei Inflationskennzahlen ohne Energiekomponenten zeigt sich eine teils kräftige Dynamik. In den USA betrug die Konsumentenpreisinflation im April 3,8 % im Jahresvergleich. Ohne Energie und Nahrungsmittel stiegen die Preise um 2,8 %. Zahlreiche Indikatoren, die den zugrunde liegenden Trend schätzen, senden eine ähnliche Botschaft: Die Inflation liegt bei rund 3 %. Das vom neuen Fed‑Chef Kevin Warsh bevorzugte Inflationsmaß – der gestutzte Mittelwert (trimmed mean) – lag bei 2,8 %.

Höhere Teuerungsraten nicht nur in den USA

Dabei ist ein Muster in vielen Ländern zu beobachten: Die Inflation im Dienstleistungssektor liegt seit einiger Zeit hartnäckig über 3 %. In den USA fiel der Anstieg bei den Produzentenpreisen mit 6,0 % im Jahresvergleich noch stärker aus. Ohne die schwankungsanfälligen Komponenten Energie und Nahrungsmittel lag der Preisanstieg immer noch bei 5,2 %. Auch die Importpreisinflation war kräftig – naturgemäß hauptsächlich getrieben von höheren Energiepreisen. Aber auch ohne Erdöl war der Anstieg hoch. Teilweise sind hier deutliche Preisanstiege im Technologiesektor (Halbleiter) erkennbar.

Hohe Inflationsraten sind nicht nur in den USA zu beobachten. In Japan stiegen im April die Produzentenpreise – vor allem energiepreisbedingt – auf 4,9 % im Jahresvergleich. Bereits im ersten Quartal war die Preisentwicklung erhöht.

Inflation könnte sich weiter verfestigen

Die Preisdaten haben den Eindruck verstärkt, dass es zu einer Verfestigung der Inflation deutlich über dem Zwei‑Prozent‑Ziel der Zentralbanken kommen könnte. Die Argumente dafür lauten:

  1. Solides globales Wirtschaftswachstum.
  2. Boom im Bereich Künstliche Intelligenz als Investitionsboom mit Engpässen, etwa bei Halbleitern. 
  3. Gestiegene Energiepreise, die in den kommenden Monaten zusätzliche Preisanstiege in anderen Sektoren auslösen könnten (Überwälzungseffekte).  
  4. Zudem besteht das Risiko weiter steigender Energiepreise.
  5. Die Inflation liegt nun bereits das sechste Jahr in Folge über 2%. Der erneute Inflationsanstieg erhöht das Risiko, dass auch die langfristigen Inflationserwartungen von Konsument:innen und Unternehmen nach oben abgleiten.

Wachstum bleibt robust

Die zyklischen Wachstumsindikatoren deuten global auf ein durchschnittliches bis kräftiges Wachstum hin. In den USA signalisiert die Gesamtheit der Indikatoren ein annualisiertes BIP‑Wachstum im zweiten Quartal von rund 4 %. Die zuletzt veröffentlichten Einzelhandelsumsätze deuten auf einen Wachstumsbeitrag von 1,9 Prozentpunkten zum privaten Konsum hin. Kernbotschaft: Die gestiegenen Energiepreise reduzieren die Kaufkraft bislang nicht so stark wie befürchtet.

Keine Einarbeitungszeit für neuen Fed-Chef

Das Zusammenspiel aus kräftigen Inflationsindikatoren und resilienten Wachstumsindikatoren drängt die Zentralbanken in Richtung einer stärker inflationsbekämpfenden (hawkish) Grundhaltung. Für einige Zentralbanken sind bereits deutlichere Leitzinsanhebungen eingepreist, obwohl das Wirtschaftswachstum eher gering ist (Europäische Zentralbank: 0,73 Prozentpunkte, Vereinigtes Königreich: 0,59 Prozentpunkte, Japan: 0,48 Prozentpunkte).

Für die Fed in den USA ist bis Jahresende lediglich (oder immerhin) ein um 0,16 Prozentpunkte höherer Leitzins eingepreist, obwohl das Wirtschaftswachstum kräftig ist. Für den neuen Fed‑Vorsitzenden Kevin Warsh gibt es damit keine Einarbeitungszeit. Die Kernfrage ist, wie stark er die unterschiedlichen Ziele Preisstabilität (höhere Zinsen dämpfen die Inflation), Vollbeschäftigung (niedrigere Zinsen stützen das Wachstum) und – implizit – fiskalische Stabilität (niedrige Zinsen erhöhen den budgetären Spielraum) gewichtet. Das Risiko besteht darin, dass eine zu inflationsfreundliche (dovish) Haltung die Inflationserwartungen steigen lässt.

Fazit


Insgesamt bleibt das Umfeld freundlicher für Aktien als für Anleihen. Dafür sprechen die inflationären Tendenzen, die insgesamt guten zyklischen Wachstumsindikatoren sowie der Boom im Bereich Künstliche Intelligenz. Allerdings mahnen auch bei Aktien ein drohender Energieengpass (falls die Straße von Hormus zu lange geschlossen bleibt), eine zu wachstumsdämpfende (hawkish) Geldpolitik sowie steigende Renditen von Staatsanleihen zur Vorsicht.

Hinweis: Eine Investition in Wertpapiere birgt neben Chancen auch Risiken.

 

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