Navigation überspringen

Markt-Update: Zwischen KI-Boom und geopolitischen Risiken

Vor 16 Stunden aktualisiert

Markt-Update: Zwischen KI-Boom und geopolitischen Risiken

Geopolitische Spannungen, geldpolitische Entscheidungen und der KI-Investitionsboom prägten die ersten sechs Monate des Jahres. Trotz eines von Unsicherheit geprägten Umfelds zeigten sich Wirtschaft und Kapitalmärkte bemerkenswert widerstandsfähig. Die wichtigsten Entwicklungen, Chancen und Risiken des ersten Halbjahres 2026 im Überblick.

Offen oder Geschlossen?

Das erste Halbjahr verlief deutlich besser als erwartet. Ein Blick auf die Entwicklung der breiten Aktienindizes ließe eher auf eine wirtschaftliche Boomphase schließen als auf die laut Internationaler Energieagentur (IEA) schwerste Energiekrise der Geschichte. Der amerikanische Aktienmarkt blickt gar auf das beste Quartal seit 6 Jahren zurück und zeigt eindrucksvoll, dass der Iran-Konflikt zwar die tägliche Nachrichtenlage aber nicht mehr die globalen Aktienkurse dominiert. (Hinweis: Die Entwicklung in der Vergangenheit ist kein zuverlässiger Indikator für künftige Wertentwicklungen.)

Auch wenn der direkte Effekt auf die Kapitalmärkte stark nachgelassen hat, so wird uns der Konflikt (ähnlich wie bei der Ukraine) wohl noch länger begleiten. Die neuerliche Eskalation der letzten Tage mit gegenseitigen Angriffen lässt nämlich ein potenzielles Ende des Krieges wieder in weite Ferne rücken. Wie die unten dargestellte Grafik zeigt, ist auch der Schiffsverkehr in der so wichtigen Straße von Hormus nach der zwischenzeitlichen „Öffnung“ wieder vollständig zum Erliegen gekommen.

Quelle: Bloomberg, Daten per 13.7.2026

Obwohl der Ölmarkt offensichtlich längerfristig gestört bleiben dürfte, ist die Reaktion des Ölpreises – welcher zwischenzeitlich sogar auf das Vorkriegsniveau zurückgefallen war – mit einem Anstieg auf 78 USD je Fass Rohöl (Brent) außerordentlich moderat. Die geringe Preisreaktion ist wohl darauf zurückzuführen, dass die Marktteilnehmer:innen erneut nur eine kurze Schließung der Schifffahrt erwarten. Zudem haben sich die Marktteilnehmer:innen unglaublich schnell an die neue Situation am Ölmarkt angepasst. So hat beispielsweise China – der mit Abstand größte Ölimporteur weltweit – seine Nachfrage zuletzt auf das niedrigste Niveau seit über 10 Jahren gedrosselt. Massive Ölreserven im Reich der Mitte machen dies möglich, jedoch kann dieser Zustand nur temporär aufrecht gehalten werden. Außerdem hat sich auch die Angebotsseite wesentlich schneller stabilisiert als ursprünglich befürchtet. Trotz der kriegsbedingten Schäden an der lokalen Infrastruktur konnten beispielsweise Saudi-Arabien als auch die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Förderkapazitäten ausgehend vom kriegsbedingten Tief merklich erhöhen. Schätzungen zufolge nähert sich die tägliche Produktion sogar dem Vorkriegsniveau, sodass einige Analyst:innen in den kommenden Quartalen sogar ein Angebotsüberschuss am Ölmarkt erwarten. (Hinweis: Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Wertentwicklungen.)

Selbst wenn diese Erwartungshaltung zu optimistisch erscheint, so ist sowohl die nachfrage- als auch angebotsseitige Reaktion einmal mehr ein Beweis dafür, dass die Resilienz der globalen Konjunktur in den letzten Jahren massiv zugenommen hat.

KI treibt Kurse und Wirtschaft an

Während der Iran-Krieg das Wachstum in Europa und einigen Schwellenländern außer Tritt gebracht hat, wächst die US-Wirtschaft robust weiter. Auch wenn sich der amerikanische Arbeitsmarkt im Juni merklich abgekühlt hat (lediglich 57.000 neu geschaffene Stellen anstatt 110.000), so zeugt die hiesige Arbeitslosenrate von 4,2% von einer enormen wirtschaftlichen Stärke. Diese Stärke wird auch die Debatte über die künftige Geldpolitik weiter anfachen. So prekär die Ausgangslage für Warsh auch sein mag, für die Realwirtschaft dürfte es letztlich von geringer Bedeutung sein, ob die Fed die Leitzinsen nun einmal oder zweimal anheben wird. Auch auf einem etwas höheren Niveau wären die Zinsen kaum restriktiv genug, um die Konjunktur merklich zu belasten. Politisch ist die Situation jedoch anders gelagert, da Donald Trump vor den Zwischenwahlen jeglichen Zinsschritt verurteilen wird. Entsprechend könnte die sichtbare Abgrenzung der Fed gegenüber dem Präsidenten wichtiger werden als die konkrete Höhe des Leitzinses. Anders die Situation in Europa, wo trotz der wirtschaftlichen Schwäche im Juni bereits die erste Zinserhöhung als Reaktion auf den Nahostkonflikt vollzogen wurde.

Neben der expansiven Fiskalpolitik erscheint das US-Wachstum vor allem durch den enormen KI-Investitionszyklus gut abgesichert. Die hohen Investitionen der großen Hyperscaler – welche vom Markt mittlerweile kritisch gesehen werden – haben sich inzwischen zu dem wichtigsten Wachstumstreiber in den USA entwickelt. Wie die unten dargestellte Darstellung zeigt, übersteigt das Investitionsvolumen von Meta, Google, Microsoft und Amazon bereits die österreichische Wirtschaftsleistung des letzten Jahres. (Hinweis:  Die in diesem Text angeführten Unternehmen sind beispielhaft ausgewählt worden und stellen keine Anlageempfehlung dar.)

Quelle: Bloomberg, Daten per 8.4.2026

Die erheblichen Investitionen in die KI-Infrastruktur haben bislang vor allem die Halbleiterindustrie begünstigt und bei einzelnen Unternehmen zu massiven Kurssteigerungen geführt. Diese überproportional starke Kursentwicklung des Technologiebereichs hat mittlerweile zu einer erheblichen Marktkonzentration geführt und verzerrt dadurch auch den Blick auf die Gesamtmarktentwicklung.

So verzeichneten beispielsweise knapp 40% der S&P-500 Unternehmen bisher eine negative Jahresentwicklung und seit Februar ist die gesamte Indexperformance ohnehin nur auf den Technologiebereich zurückzuführen. Selbst im MSCI World, der mit 1.384 Unternehmen als Paradebeispiel für Diversifikation gilt, entfielen zuletzt nahezu 60 % der gesamten Indexperformance auf lediglich zehn Technologiewerte. Noch ausgeprägter ist diese Entwicklung in den Schwellenländern: Der MSCI Emerging Markets umfasst zwar 1.178 Unternehmen, doch bedingt durch die starken Kursanstiege im Halbleitersektor vereinen Samsung Electronics, TSMC und SK Hynix inzwischen rund 30 % des gesamten Indexgewichts auf sich. Auch wenn die hohe Konzentration der Performance zuträglich gewesen wäre, so versuchen wir dennoch an der gesamten KI-Wertschöpfungskette zu partizipieren. Diese stellt weit mehr als nur die Chip-Hersteller dar und somit erhalten langfristig auch Unternehmen aus den Bereichen Rohstoffe, Bauindustrie, Energiewirtschaft, Kühlung, Cloud-Computing oder auch dem viel gescholtenem Softwarebereich Rückenwind.

Luftige Höhen

Einen regelrechten Hype hatte der Börsengang von SpaceX ausgelöst, welcher mit einer unglaublichen Bewertung von USD 1,77 Billionen zum größten Börsengang der Geschichte wurde und gleichzeitig Elon Musk zum ersten Billionär der Welt machte. Ein Monat später scheint der Hype bereits verflogen und Ernüchterung macht sich breit – der Aktienkurs ist seit dem Hoch in den ersten Handelstagen um mehr als 30% eingebrochen und nähert sich mit großen Schritten dem IPO-Einstandskurs von 135 US-Dollar. Angesichts der außerordentlich hohen Bewertungen ist die Entwicklung grundsätzlich keine allzu große Überraschung, wenngleich die ungewöhnliche rasche Inklusion in den Nasdaq100 für künstliche Nachfrage sorgen hätte sollen. Ein Blick in die Historie zeigt allerdings, dass sich vor allem sehr große Börsengänge in den folgenden drei Jahren tendenziell schlechter als der Gesamtmarkt entwickelt hatten. Ein Grund liegt darin, dass die Unternehmen natürlich ein günstiges Börsenumfeld, hohe Wachstumsaussichten und somit auch ambitionierte Bewertungen für den Börsengang wählen. Vor allem bei sehr großen Unternehmen – welche sehr spät an die Börse drängen – ist ein Gutteil der Kursentwicklung bereits in den privaten Märkten erfolgt.

Das aktuell positive Umfeld und vor allem die Euphorie rund um die KI dürfte wohl den größten Emissionszyklus der Geschichte einläuten – Schätzungen zufolge werden inklusive SpaceX in den kommenden Monaten IPOs im Ausmaß von USD 4.000 Milliarden an den Markt drängen. Mit Anthropic und OpenAI stehen bereits zwei weitere Schwergewichte in der Warteschlange, welche wohl im Herbst bzw. Anfang 2027 den Schritt an die Börse wagen. Es stellt sich daher auch die berechtigte Frage, ob der Markt dieses zusätzliche Emissionsvolumen auch verdauen kann. Angesichts der Tatsache, dass die Unternehmen nur einen geringen Anteil der Unternehmensbeteiligungen anbieten, sind diese Sorgen allerdings unbegründet. Ungeachtet dessen ist ein verstärktes Emissionsaufkommen in jedem Fall ein gewisses Warnsignal – auch hier liefert die Historie zumindest Orientierung, wo derartige Phasen oft mit positiven aber leicht schwächerer Kurs- und Bewertungsentwicklung einherging.

Kompakte Aufstellung

Auch wenn sich die Nachrichtenlage im gefühlten Minutentakt ändert, so ist gefühlt die Ausgangslage an den Märkten seit Monaten unverändert. Ausgehend von einer soliden wirtschaftlichen Entwicklung sowie positiven Unternehmensgewinnen notieren die Aktienmärkte nahe den Höchstständen. Der Investitionsboom rund um die Künstliche Intelligenz treibt die Wirtschaft aber insbesondere die Aktienkurse diverser Teilsegmente an. Unter der Oberfläche bauen sich dadurch durchaus Risiken auf, da die Erwartungshaltung an die Unternehmensgewinne immer weiter steigt und man zudem die erwähnten Konzentrationsrisiken nicht außer Acht lassen darf. Gleichzeitig bleibt das Marktumfeld von einer Reihe schwer kalkulierbarer Einflussfaktoren geprägt – der Krieg im Nahen Osten, geopolitische Spannungen, Zölle, Notenbankpolitik, Inflation oder politische Unsicherheit können jederzeit für erhebliche Schwankungen an den Märkten sorgen.

Wie bereits im Vorwort erwähnt, spricht das aktuelle Umfeld aus unserer Sicht weder für maximale Offensive noch vollständige Defensive. Wir bleiben daher unserer breiten Portfoliodiversifikation treu und setzen im Aktienbereich weiterhin auf qualitativ hochwertige Wachstums- als auch Value-Unternehmen und versuchen diese um diverse Sonderthemen zu ergänzen. Angesichts der soliden Fundamentaldaten und der zumindest leichten Entspannung im Nahostkonflikt, haben wir unserer Aktiengewichtung zuletzt moderat übergewichtet. Anleiheseitig achten wir ebenfalls auf eine sehr breite Streuung, erachten Emerging Markets Anleihen als attraktiv und halten Geldmarkt für etwaige Opportunitäten vor.  Im Sinne der Portfoliodiversifikation halten wir weiterhin an den Rohstoffen fest und sehen Gold trotz der jüngsten Performanceschwäche strukturell gut unterstützt.

Ähnlich wie im Fußball versuchen wir somit kompakt zu agieren und warten auf die richtigen Umschaltmomente um noch offensiver zu agieren.

Hinweis: Bitte beachten Sie, dass eine Veranlagung in Wertpapiere neben Chancen auch Risiken beinhaltet.

 

WICHTIGE RECHTLICHE HINWEISE

Hierbei handelt es sich um eine Werbemitteilung. Sofern nicht anders angegeben, Datenquelle Erste Asset Management GmbH. Die Kommunikationssprache der Vertriebsstellen ist Deutsch und jene der Verwaltungsgesellschaft zusätzlich auch Englisch.

Der Prospekt für OGAW-Fonds (sowie dessen allfällige Änderungen) wird entsprechend den Bestimmungen des InvFG 2011 idgF erstellt und veröffentlicht. Für die von der Erste Asset Management GmbH verwalteten Alternative Investment Fonds (AIF) werden entsprechend den Bestimmungen des AIFMG iVm InvFG 2011 „Informationen für Anleger gemäß § 21 AIFMG“ erstellt.

Der Prospekt, die „Informationen für Anleger gemäß § 21 AIFMG“ sowie das Basisinformationsblatt sind in der jeweils aktuell gültigen Fassung auf der Homepage www.erste-am.com jeweils in der Rubrik Pflichtveröffentlichungen abrufbar und stehen dem/der interessierten Anleger:in kostenlos am Sitz der jeweiligen Verwaltungsgesellschaft sowie am Sitz der jeweiligen Depotbank zur Verfügung. Das genaue Datum der jeweils letzten Veröffentlichung des Prospekts, die Sprachen, in denen der Prospekt bzw. die „Informationen für Anleger gemäß § 21 AIFMG“ und das Basisinformationsblatt erhältlich sind, sowie allfällige weitere Abholstellen der Dokumente, sind auf der Homepage www.erste-am.com ersichtlich. Eine Zusammenfassung der Anlegerrechte ist in deutscher und englischer Sprache auf der Homepage www.erste-am.com/investor-rights abrufbar sowie bei der Verwaltungsgesellschaft erhältlich.

Die Verwaltungsgesellschaft kann beschließen, die Vorkehrungen, die sie für den Vertrieb von Anteilscheinen im Ausland getroffen hat, unter Berücksichtigung der regulatorischen Vorgaben wieder aufzuheben.

Hinweis: Sie sind im Begriff, ein Produkt zu erwerben, das schwer zu verstehen sein kann. Bevor Sie eine Anlageentscheidung treffen, empfehlen wir Ihnen, die erwähnten Fondsdokumente zu lesen. Diese Unterlagen erhalten Sie zusätzlich zu den oben angeführten Stellen kostenlos am jeweiligen Sitz der vermittelnden Sparkasse und der Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG. Sie können die Unterlagen auch elektronisch abrufen unter www.erste-am.com.

Unsere Analysen und Schlussfolgerungen sind genereller Natur und berücksichtigen nicht die individuellen Merkmale unserer Anleger:innen hinsichtlich des Ertrags, der steuerlicher Situation, Erfahrungen und Kenntnisse, des Anlageziels, der finanziellen Verhältnisse, der Verlustfähigkeit oder Risikotoleranz. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Fonds zu.

Bitte beachten Sie: Eine Veranlagung in Wertpapieren birgt neben den geschilderten Chancen auch Risiken. Der Wert von Anteilen und deren Ertrag können sowohl steigen als auch fallen. Auch Wechselkursänderungen können den Wert einer Anlage sowohl positiv als auch negativ beeinflussen. Es besteht daher die Möglichkeit, dass Sie bei der Rückgabe Ihrer Anteile weniger als den ursprünglich angelegten Betrag zurückerhalten. Personen, die am Erwerb von Investmentfondsanteilen interessiert sind, sollten vor einer etwaigen Investition den/die aktuelle(n) Prospekt(e) bzw. die „Informationen für Anleger gemäß § 21 AIFMG“, insbesondere die darin enthaltenen Risikohinweise, lesen. Ist die Fondswährung eine andere Währung als die Heimatwährung des/der Anleger:in, so können Änderungen des entsprechenden Wechselkurses den Wert der Anlage sowie die Höhe der im Fonds anfallenden Kosten – umgerechnet in die Heimatwährung – positiv oder negativ beeinflussen.

Wir dürfen dieses Finanzprodukt weder direkt noch indirekt natürlichen bzw. juristischen Personen anbieten, verkaufen, weiterverkaufen oder liefern, die ihren Wohnsitz bzw. Unternehmenssitz in einem Land haben, in dem dies gesetzlich verboten ist. Wir dürfen in diesem Fall auch keine Produktinformationen anbieten.

Zu den Beschränkungen des Vertriebs des Fonds an amerikanische oder russische Staatsbürger entnehmen Sie die entsprechenden Hinweise dem Prospekt bzw. den „Informationen für Anleger gemäß § 21 AIFMG“.

In dieser Mitteilung wird ausdrücklich keine Anlageempfehlung erteilt, sondern lediglich die aktuelle Marktmeinung wiedergegeben. Diese Mitteilung ersetzt somit keine Anlageberatung.

Die Unterlage stellt keine Vertriebsaktivität der Verwaltungsgesellschaft dar und darf somit nicht als Angebot zum Erwerb oder Verkauf von Finanz- oder Anlageinstrumenten verstanden werden.

Die Erste Asset Management GmbH ist mit der Erste Bank und den österreichischen Sparkassen verbunden.

Beachten Sie auch die „Informationen über uns und unsere Wertpapierdienstleistungen“ Ihres Bankinstituts.