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Aussicht auf längere Sperre der Straße von Hormuz lässt Ölpreis wieder steigen

Vor 11 Stunden aktualisiert

Aussicht auf längere Sperre der Straße von Hormuz lässt Ölpreis wieder steigen

Am Ölmarkt sind alle Augen weiter auf den Iran-Krieg und die Straße von Hormuz gerichtet. Die Friedensverhandlungen des Iran mit den USA scheinen festgefahren, ein Ende des Kriegs zeichnet sich weiterhin nicht ab.

Die Aussicht, dass damit der wichtige Transportweg für Öllieferungen aus den Fördergebieten am Persischen Golf durch die Meerenge von Hormuz vorerst weiter blockiert bleibt, hatte die Ölpreise in der vergangenen Woche wieder deutlich steigen lassen. Der Preis für die Referenzölsorte Brent kletterte zeitweise über 90 Dollar je Fass (159 Liter). Er hat sich zuletzt angesichts der festgefahrenen Verhandlungen bei diesem Niveau eingependelt. Seit Jahresbeginn hat sich der Brent-Preis damit um rund 50 Prozent verteuert.

Mit dem Beginn des Kriegs zwischen den USA, Israel und dem Iran wurde dieser wichtige Transportweg für Öltanker erstmals gesperrt, was wiederum die Ölpreise nach oben katapultiert hatte. Der Preis für die Referenzölsorte Brent stieg in Folge von Niveaus unter 70 Dollar je Fass auf zeitweise bis zu 120 Dollar.

Infolge gab es je nach Nachrichtenlage größere Schwankungen der Ölpreise. Zeichen für eine Verhandlungslösung führten zeitweise zu einer Entspannung bei den Ölpreisen, gegenteilige Signale dann wieder zu Anstiegen. Mittlerweile dürften sich die meisten Marktteilnehmer:innen auf eine länger dauernde Patt-Situation und damit auch eine praktische Sperre der Straße von Hormuz eingestellt haben.

Derzeit wird weiter nur ein kleiner Teil der üblichen Ölmengen über die bedeutende Handelsstraße transportiert. Die Meerenge, über die früher ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen (LNG) abgewickelt wurde, gilt wegen der Gefahr von Angriffen und Minen während des Kriegs zwischen den USA, Israel und dem Iran als weitgehend blockiert. Iranische Kontrollen des Schiffsverkehrs und die Seeblockade iranischer Häfen durch das US-Militär machen einen verlässlichen Ölhandel nahezu unmöglich.

Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen. Daten per 27.08.2026

Öltransport über Straße von Hormuz eingebrochen, inoffizielle Zahlen aber höher

In den vergangenen Jahren wurden laut Daten der US-Energiebehörde EIA (Energy Information Administration) täglich gut 20 Millionen Barrel Öl durch die Straße von Hormuz transportiert. Zuletzt wurden laut Berechnungen der Agentur Bloomberg offiziell nur mehr etwa 300.000 Fass pro Tag offen durch die Handelsstraße geschleust.

Die inoffiziellen Zahlen könnten allerdings deutlich höher liegen. Nach jüngsten Angaben von US-Energieminister Chris Wright passierten zuletzt täglich rund acht Millionen Fass Öl die Straße von Hormuz. Unabhängigen Analyst:innen zufolge könnte der Wert bei etwa der Hälfte liegen.

Nicht nur der Iran selbst, auch kleine Transportunternehmen und sogar große Energiekonzerne finden derzeit Wege, Öl trotz der Kriegsrisiken durch die Straße zu schiffen. Der französische Ölkonzern TotalEnergies transportiert etwa trotz der Risiken profitabel Rohöl durch die Straße von Hormuz, wie Konzernchef Patrick Pouyanne zu Wochenbeginn auf einer Energiekonferenz in Norwegen erklärte. „Wir sind heute wahrscheinlich der größte Händler von Öl aus dem Irak oder aus Katar“, sagte Pouyanne. „Und ich kann Ihnen sagen, dass sich Rohöl heute sehr leise und nicht öffentlich durch die Straße von Hormuz bewegt.“

Hinweis: Die in diesem Beitrag angeführten Unternehmen sind beispielhaft ausgewählt worden und stellen keine Anlageempfehlung dar.

Hohe Preisnachlässe von Rohölproduzenten glichen die gestiegenen Transportkosten mehr als aus, erklärte Pouyanne: „Rohöl wird einem für 50 bis 60 Dollar pro Barrel verkauft, nicht zum Brent-Preis, da die Produzenten verzweifelt versuchen, ihr Öl auf den Markt zu bringen.“ Der Transport eines Supertankers durch die Straße von Hormuz und zurück koste etwa 20 Millionen Dollar. Geteilt durch die Transportmenge von 2 Millionen Barrel Öl ergebe dies einen Aufpreis von 10 Dollar pro Barrel. Einkaufspreis und Transportkosten liegen damit unter dem Brent-Ölpreis von 90 Dollar.

Auch kleinere Ölhändler und Reedereien transportieren trotz der Drohungen des Iran weiter Öl durch die Handelsstraße. Sie verwenden dabei kleinere Schiffe, die den Handelsweg mehrfach durchqueren, um Öl von einem großen Handelsschiff auf der einen Seite der Handelsstraße auf einen Öltanker auf der anderen Seite auf offener See zu transferieren. Mit diesem sogenannten „Ship-To-Ship“-System wird das Risiko gestreut, zudem sind kleinere Schiffe schwerer ortbar.

USA wollen mit Wirtschaftssanktionen iranische Ölverkäufe unterbinden

Der Iran selbst nutzt auch Schattenwege und verkauft trotz der Bemühungen der USA, dies zu unterbinden, weiter Rohöl. Entsprechend wollen die USA nun mit weitreichenden Wirtschaftssanktionen die Abnehmer von iranischem Öl ins Visier nehmen und das Land von dieser Einnahmequelle abschneiden. Die neuen Sanktionen der Operation „Wirtschaftlicher Verstoßener“ („Economic Outcast“) zielten darauf ab, jede potenzielle Einnahmequelle der iranischen Revolutionsgarden zu unterbinden, sagte US-Finanzminister Scott Bessent am Montag auf einer Pressekonferenz.

Sollte dies gelingen, würde dies das weltweite Ölangebot verknappen und könnte die Ölpreise wieder nach oben treiben. Chinesische Banken, die unter Verdacht stehen, den iranischen Ölhandel zu unterstützen, wurden aber vorerst von den US-Sanktionen verschont. Länder, die weiterhin Handel mit dem Iran treiben, liefen jedoch Gefahr, aus dem dollarbasierten Finanzsystem ausgeschlossen zu werden, erklärte Bessent. Er will den betroffenen Staaten Zeit geben, sich an die neuen Vorgaben anzupassen.

Der Iran hat den USA nach der Ankündigung der Sanktionen bereits mit Vergeltung gedroht. Das Land sei vollständig auf die US-Strafmaßnahmen vorbereitet, sagte Wirtschaftsminister Ali Madanizadeh am Dienstag. Auch China kritisierte die angedrohten Sanktionen gegen den Iran und seine Handelspartner. Ein Wirtschaftskrieg führe nicht zu einer Lösung, sondern verschärfe Konflikte und störe die globale Finanzordnung, erklärte Chinas Außenamtssprecher Lin Jian.

 

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