In Japan steigen die Zinsen wieder und beenden damit eine wirtschaftliche Ära. Nach dem Ende ihrer langjährigen Nullzinspolitik hat Japans Notenbank heuer erstmals seit einem Jahrzehnt die Zinsen wieder angehoben. Am Anleihenmarkt gaben die Kurse von Staatsanleihen zuletzt weiter nach. Die Rendite zehnjähriger Anleihen stieg im Gegenzug auf den höchsten Stand seit den Neunzigerjahren und bewegt sich in Richtung drei Prozent. Das schlägt sich auch am Hypothekenmarkt nieder. Sich zu verschulden ist in Japan für Staat, Unternehmen und Private derzeit so teuer wie schon lange nicht mehr.
Japans Wirtschaftsdaten überraschten zuletzt zwar positiv. Belasten dürften die Anleihenkurse aber Budgetsorgen angesichts der ausgabenfreudigen Wirtschaftspolitik der neuen Ministerpräsidentin Sanae Takaichi sowie Ängste vor einer weiter steigenden Inflation und damit auch weiteren Zinserhöhungen der Notenbank.
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Japans Wirtschaft leidet besonders stark unter den Ölpreisanstiegen
Die Kerninflation in Japan ist im April zwar auf 1,4 Prozent und damit den niedrigsten Stand seit vier Jahren gefallen. Viele Expert:innen erwarten aber, dass die Inflation angesichts der weiter steigenden Energiekosten in den kommenden Monaten anziehen wird. Japans rohstoffarme Volkswirtschaft ist stark von Ölimporten aus dem Nahen Osten abhängig. Da wegen des Iran-Kriegs die Straße von Hormuz und damit eine zentrale Route für Rohöllieferungen praktisch geschlossen ist, sind die Öl- und Energiepreise heuer stark angestiegen.
Dazu kommt für Japan die Schwäche des japanischen Yen, die Öl für das Land noch teurer macht. Der Yen hat am Devisenmarkt heuer kontinuierlich verloren. Japans Finanzministerium hat angesichts der Yen-Schwäche schon direkte Eingriffe am Devisenmarkt zur Stützung der Währung in Aussicht gestellt. Marktteilnehmer:innen zufolge hat die Notenbank tatsächlich schon mehrmals mit Stützungskäufen noch größere Yen-Verluste verhindert.
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Notenbank könnte mit weiteren Zinsschritten auf hohe Energiepreise reagieren
Auch ihren Zinserhöhungskurs dürfte die Notenbank Expert:innen zufolge fortsetzen. Die Inflation lag zwar zuletzt weiter unter dem Notenbank-Zielwert von 2,0 Prozent. Mit der Aussicht auf steigende Inflationsraten wächst an den Märkten aber auch die Erwartung gegensteuernder Zinserhöhungen der Bank of Japan.
Bei ihrer letzten Sitzung im April hat die Notenbank ihren Leitzins trotz der Folgen des Iran-Krieges noch unverändert bei 0,75 Prozent belassen. Innerhalb der Bank of Japan wuchs aber der Druck auf eine straffere Geldpolitik. Drei der neun Ratsmitglieder stimmten für eine Anhebung und verwiesen auf den Inflationsdruck infolge des Krieges. Das ist die größte Zahl an abweichenden Stimmen seit Jänner 2016. Die Notenbank korrigierte auch ihre Inflationsprognosen deutlich nach oben und signalisierte eine hohe Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung in den kommenden Monaten.
Japans neue Premierministerin setzt trotz hoher Schulden auf Investitionen
Druck auf die Anleihenkurse machen auch Sorgen um Japans Staatshaushalt. Die nach China zweitgrößte Volkswirtschaft Asiens ist so stark verschuldet wie kein anderes großes Industrieland. Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge machen die Verbindlichkeiten des Staats gut 200 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. Zum Vergleich: Deutschlands Staatsschuldenquote liegt lauf IWF derzeit bei 65 Prozent, jene von China und den USA bei etwas über hundert Prozent. Dazu kommen jetzt noch die steigenden Zinsen am Staatsanleihenmarkt, die Neuverschuldungen für Japans Staat noch teurer machen.
Trotz der hohen Verschuldung hat Japans neue Ministerpräsidentin schon bei ihrem Amtsantritt eine Abkehr von der bisherigen Sparpolitik angekündigt und setzt auf Steuersenkungen und die positiven Konjunktureffekte staatlicher Ausgaben. „Meine Regierung wird mit dem langjährigen Trend exzessiver Sparmaßnahmen und chronischer Unterinvestitionen in die Zukunft brechen“, sagte Takaichi im Februar. Japan solle nicht zögern, die Ausgaben zu erhöhen, um private Investitionen zu unterstützen. Gleichzeitig hat die Regierungschefin auch die Zinserhöhung der Notenbank kritisiert.
Jüngste Wirtschaftsdaten überraschten positiv
Jüngste Wirtschaftsdaten in Japan haben positiv überrascht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im ersten Quartal auf das Jahr hochgerechnet um 2,1 Prozent zu. Expert:innen hatten im Schnitt ein Wachstum von deutlich unter 2 Prozent erwartet. Der private Konsum und die Investitionen legten dabei um jeweils 0,3 Prozent zu. Zudem steuerte der Außenbeitrag, also der Saldo aus Exporten und Importen, 0,3 Prozentpunkte zum Wachstum bei.
Auch Japans Exporte sind im April angetrieben von einer anhaltend starken Nachfrage aus China und Europa überraschend kräftig gestiegen. Das Volumen der Ausfuhren ist im Jahresvergleich um 14,8 Prozent auf 10,5 Billionen Yen oder umgerechnet rund 57 Mrd. Euro gestiegen. Damit beschleunigte sich das Exportwachstum überraschend. Positive Signale lieferte zuletzt auch die Industrie. Die Produktion der japanischen Fabriken stieg im April im Monatsvergleich überraschend um 0,8 Prozent. Analyst:innen hatten im Vorfeld mit einem Rückgang von 0,9 Prozent gerechnet. Viele Expert:innen fürchten aber, dass die Energiepreisanstiege und Lieferengpässe wegen des Iran-Konflikts Japans Wirtschaft im weiteren Jahresverlauf noch dämpfen werden.
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