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Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

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Die Renditen von Anleihen sind am vergangenen Freitag angestiegen, während Aktien Kursverluste verzeichneten. Die Anzeichen für ein Ende der Bullenphase mit niedriger Volatilität, die nach dem Brexit-Referendum eingesetzt hat, mehren sich.

EZB abwartend
Der unmittelbare Grund für die Kurverluste ist, dass der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) auf der Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag keine Hinweise für eine weitere Lockerung der Geldpolitik gegeben hat. Tatsächlich sind die jüngsten Maßnahmen vom Frühjahr zu jung, um die Effekte auf die wirtschaftliche Aktivität und die Inflation ausrechend einschätzen zu können. Die Projektionen der EZB für das reale Wirtschaftswachstum wurden nur geringfügig nach unten reviert. Wachstumsraten von 1,7% für heuer und von 1,6% für nächstes Jahr stehen im Einklang mit einer Fortsetzung des moderaten aber gleichmäßigen Wachstums. Zudem sind die Risiken zwar nach unten gerichtet, sie sind aber nicht angestiegen.

Inflation entscheidend
Die Inflationsentwicklung ist entscheidend. Die EZB erwartet einen graduellen Anstieg der Inflationsrate (heuer: 0,2%; 2017: 1,2%; 2018: 1,6%). Wenn diese Entwicklung, besser gesagt: weiterhin nicht, eintritt, ist eine geldpolitische Lockerung sehr wahrscheinlich.

Prüfung von Optionen
Präsident Draghi hat auf der Pressekonferenz einen leichten Hinweis für eine Lockerung gegeben. Der EZB-Rat hat Komitees damit beauftragt, die Optionen für eine reibungslose Implementierung der Ankaufsprogramme zu beurteilen. Diese werden vor allem dann relevant, wenn die Kaufprogramme, die im März 2017 enden, verlängert werden.

Warten bis Dezember
Ratsmitglied Ilmārs Rimšēvičs hat vergangenen Freitag gemeint, dass die EZB alle drei Optionen für eine Veränderung der Kaufprogramme prüft: Veränderung des Volumens, des Verteilungsschlüssels und der Minimumrendite. Er hat aber auch gemeint, dass wir uns wahrscheinlich bis Dezember gedulden müssen, bis eine Entscheidung getroffen wird.

Noch wichtige Ereignisse in dieser Woche
Bis dahin haben auch in dieser Woche einige Ereignisse das Potenzial, für erhöhte Volatilität zu sorgen. Am Dienstag würde eine weitere Abschwächung der chinesischen Wirtschaftsdaten im August (Industrieproduktion und Investitionen) für erneute Besorgnis hinsichtlich der Standfestigkeit des Wachstums sorgen. Am kommenden Donnerstag könnte die Zentralbank im Vereinigten Königreich die Märkte enttäuschen, indem sie die Aussicht auf eine weitere Lockerung reduziert. Am Freitag würde eine Beschleunigung der US-Inflation im August die Erwartungen für eine Leitzinsanhebung ansteigen lassen. Zu guter Letzt könnte das einzige Ergebnis der informellen Tagung der 27 Staats- und Regierungschefs (EU ohne Großbritannien) in Bratislava am Freitag sein, dass kein Konsens für die weitere Entwicklung der EU gefunden werden kann.

 

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