Slowakei: Budget und Weg zur langfristigen Nachhaltigkeit

Slowakei: Budget und Weg zur langfristigen Nachhaltigkeit
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Neues Budget in Slowakei 2019-2021

Die Wirtschaft in der Slowakei läuft derzeit mit großem Schwung. Die letzten Jahre waren von einem zyklischen Aufschwung gekennzeichnet. Lesen Sie alles über das neue Budget, Treiber dieses Aufwärtstrends und mögliche Risiken in der Zukunft.

Am 10. Oktober verabschiedete die Regierungspartei SMER den Budgetentwurf für die kommenden drei Jahre, d.h. bis 2021. Laut Vorhersage wird das Budgetdefizit heuer 0,6% des BIP erreichen und in 2019 auf 0,1% schrumpfen. In 2020 sollte das Budget ausgeglichen sein und in 2021 sogar einen leichten Überschuss von 0,2% generieren. Dazu kommt ein niedriger Schuldenstand von prognostizierten 49% des BIP in 2018 (2017: 51%), der aufgrund einer erwarteten Konsolidierung der öffentlichen Finanzen bis 2021 auf 45% fallen sollte. Dies ist deutlich unter der Maastricht-Grenze von 60% und, noch wichtiger, signifikant unter dem EU-Durchschnitt von 86,8%.

Fehlende Strukturreformen

Allerdings enthält das Budget keine der wichtigen strukturellen Reformen, die die Slowakei braucht, um wettbewerbsfähig zu bleiben; das Bildungswesen, Infrastrukturentwicklung und Straßenbau sind hier die Schlüsselthemen. Die generelle Arbeitslosenrate liegt bei historisch niedrigen 6,5%, was nahe der Vollbeschäftigung ist. Trotz dessen, dass dies die höchste Rate unter den Visegrad 4 (V4)-Staaten ist, bleibt die Nachfrage nach Facharbeitern unverändert hoch. Dies bildet jedoch eine leichte Divergenz zwischen Angebot und Nachfrage in der arbeitenden Bevölkerung; der Mangel an Fachkräften drückt auf das Wachstumspotenzial. Es scheint, als ob ein naheliegender Schritt gewesen wäre, dem Bildungsbereich und Forschung & Entwicklung mehr Ressourcen zukommen zu lassen, um den Bedarf des Arbeitsmarktes zu decken und so das Wachstum des in der Slowakei erzeugten Mehrwerts zu stärken.

Slowakei

Quelle: Finanzministerium der Slowakischen Republik; Slovenská sporiteľna, a.s.

Jaguar Land Rover

Am 25. Oktober eröffnete Jaguar Land Rover seine Produktion in Nitra, welche annahmegemäß deutlich zum BIP-Wachstum beitragen wird. Der Budgetentwurf sieht +4,5% für nächstes Jahr vor. Dies bedeutet die Ankunft des vierten Fahrzeugbauers in der Slowakei. Die Frage eines möglicherweise zu großen Maßes an Vertrauen in Autoexporte kommt in diesem Zusammenhang auf, zumal die Fahrzeugproduktion in den nächsten fünf Jahren um etwa 40% wachsen sollte. Sie zeichnet derzeit für 35% der gesamten slowakischen Industrieproduktion und für 40% aller Industrieexporte verantwortlich. Die Slowakei liegt beim Verhältnis der Anzahl produzierter Fahrzeuge pro 1000 Einwohnern ganz vorne, mit derzeit 0,192 Fahrzeugen pro Person und Jahr. Die führenden Exportmärkte für lokal produzierte Fahrzeuge sind Deutschland, Österreich und andere CEE-Märkte. Dies könnte man angesichts des derzeitigen, unnötige Unsicherheit verursachenden Handelsdisputs zwischen den USA und China als Vorteil sehen. Andererseits könnte das Land Sekundäreffekte der Strafzölle über Subunternehmer zu spüren bekommen.

Wachstum angetrieben von..

Im Lichte der positiven wirtschaftlichen Stimmung und des BIP-Wachstums, welches vorrangig von der Inlandsnachfrage, privatem Konsum und Investitionen getrieben ist, hat sich die Kreditvergabe sowohl im Inland als auch auf Unternehmensebene simultan beschleunigt. Privat- und Unternehmenskredite stiegen in 2017 um etwa 12% bzw. 10% an. Um die Kontrolle über die Situation nicht zu verlieren, implementierte die slowakische Zentralbank eine Vorschrift, kraft derer die Gesamtverschuldung nicht mehr als das Achtfache des jährlichen Haushalts-Nettoeinkommens und das Kreditvolumen nicht mehr als 90% des Immobilienwerts ausmachen dürfe. Moody’s geht von Inlandskreditwachstum von etwa 6% bis 2012 aus, während das Verhältnis von Krediten zu Einlagen bei Kommerzbanken von derzeit 90% auf über 100% steigen sollte, was auf weitere Expansion hinweist, wenngleich mit verringerter Geschwindigkeit.

In Q2 emittierte die Slowakische Republik ihre erste 50J-Anleihe, mit einem Emissionsvolumen von EUR 500 Mio. und einem Kupon von 2,25%. Die Anleger zeigten großes Interesse, in Folge war die Emission um einen Faktor von 3x überzeichnet. Hierbei handelte es sich um die längstlaufende Anleihe in der CEE-Region in den letzten zehn Jahren und um die längstlaufende jemals in der Geschichte der Slowakei. Diese Platzierung am Kapitalmarkt kann man als gemessen und erfolgreich bezeichnen, zumal historisch niedrige Fremdkapitalkosten ausgenutzt wurden.

In Summe darf man konstatieren, dass die Slowakei die Phase prolongierten Wachstums bis mindestens 2012 genießen wird können. Die Haupttreiber sind die Industrieproduktion – vornehmlich aufgrund der Automobilindustrie –, privater Konsum, Kreditwachstum und Investitionen. Wachstumshemmend könnte sich hingegen die Fehlallokation von Budgetausgaben zuungunsten von Strukturreformen auswirken, wie z.B. einer Bildungsreform, wo großer Spielraum hinsichtlich der Ausprägungen selbiger im Zusammenspiel mit den Notwendigkeiten des Marktes besteht. Dies könnte es der Slowakei ermöglichen, den Abstand zu den anderen V4-Staaten bei Indikatoren wie der Arbeitslosenrate und dem BIP zu schließen.

Slowakei

Quelle: Bloomberg
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