„Less is better” vs. “Drink responsibly”

„Less is better” vs. “Drink responsibly”
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Interview mit Dr. Alfred Uhl, „Kompetenzzentrum Sucht“ der Gesundheit Österreich und Sigmund-Freud-Privatuniversität

Welche Verantwortung haben die alkoholproduzierenden Unternehmen?

Alfred Uhl

Dr. Alfred Uhl

Die UNO-Vollversammlung hat der Wirtschaft eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von nicht-übertragbaren Erkrankungen, wie Sucht zugewiesen. Das erfordert, dass man finanzielle Unterstützung durch die Industrie für zur Problemverringerung durch Forschung, Suchtprävention und Behandlung von Alkoholkranken nicht kategorisch ablehnt, sondern akzeptiert – wobei hier natürlich unbedingt kritisch darauf zu achten ist, dass das nicht in einer Art und Weise passiert, die der Intention „Problemverringerung“ zuwiderläuft.

Politisch und gesellschaftlich betrachten die einen Alkohol generell als bedenkliches Produkt und andere sehen den moderaten Konsum von Alkohol als Genussmittel positiv und nur den übermäßigen Konsum als ernstes Problem. Die Industrie steht in dabei in der Zwickmühle mehrere Interessen zu verbinden. Wie in allen Branchen sind manche Akteure sehr auf einen guten Ruf und verantwortungsbewusstes Handeln bedacht, während andere ausschließlich Umsatzsteigerung im Sinn haben.

Wie sehen Sie die Lage derzeit?

Spannungen treten dort auf, wo um grundlegende Definitionen und Einstellungen gekämpft wird. In Nordeuropa gilt der Satz „less is better“ und wenn man in geografischen Begriffen bleibt, im Süden: „drink responsibly“. Dort ist die Haltung,  dass moderater Konsum kein Problem darstellt, während in den nordeuropäischen Ländern eher eine alkoholfeindliche Gesinnung vertreten wird.

Die beiden politischen und gesellschaftlichen Strömungen stehen stellvertretend für eine Grundhaltung. Auf der grundsätzlichen Ebene wird von der Industrie gefordert Prävention Therapie und unabhängige Forschung zu fördern. Gleichzeitig betrachtet man die Finanzierung durch den Alkoholsektor generell als bedenklich. Einerseits Aktivitäten zur Problemreduktion zu fordern und diese dann gleichzeitig kategorisch zurückzuweisen ist nicht wirklich sinnvoll.

Inwieweit ist der Staat gefordert (Gesetzgebung, Informationskampagnen, Steuer)?

Die Verhinderung und Verringerung von alkoholassoziierten Problemen ist ohne Frage eine wichtige Aufgabe des Staates. In diesem Sinne wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche öffentlich Maßnahmen finanziert und Gesetzesänderungen durchgeführt – beides um Alkoholprobleme zu verringern. So wurden z.B. Kampagnen im Straßenverkehr finanziert und die Gesetze in Bezug Alkohol im Straßenverkehr sind schrittweise erweitert worden (Promillegrenze, verdachtsfreie Alkoholkontrolle etc.). Suchttherapie und Suchtprävention werden öffentlich finanziert, wobei in diesem Zusammenhang der übermäßige Alkoholkonsum konsequent problematisiert wird.

Wenn man in die Vergangenheit blickt gab es immer wieder  Veränderungen in Richtung Problemverringerung, wie z.B. in der Gewerbeordnung, wo die ausdrückliche Erlaubnis, Alkohol an Kinder zu verkaufen, wenn diese angeben, diesen für ihre Eltern zu erwerben, gestrichen wurde. Es ist heutzutage z.B. unvorstellbar, dass Kinder legal für ihre Eltern Alkohol kaufen können. Das ist durchaus ein Verdienst der Politik.

Das Bewusstsein, dass übermäßiger Alkoholkonsum gesundheitlich problematisch sein kann und auch zahlreiche andere Probleme verursacht, ist gestiegen. Grundlegende Veränderungen, wie einen besseren Umgang mit Alkohol, gehen allerdings nicht über Nacht. Grundhaltungen und kulturelle Gewohnheiten ändern sich nur langsam. So ist der Alkoholkonsum in Österreich ist seit 1971 um rund 1/5 zurückgegangen. Gleichzeitig muss man aber betonen, dass übermäßiger Alkoholkonsum und Alkoholabhängigkeit in Österreich nach wie vor ein gravierendes Problem darstellt.

Wie schneidet Österreich hier im Vergleich mit anderen Staaten der EU ab?

Es gibt unterschiedliche politische Herangehensweisen an das Thema. Nordeuropäische und englischsprachige Länder fordern generell eine restriktivere Alkoholpolitik, befürworten eine Hochpreispolitik und versuchen die Verfügbarkeit von Alkohol möglichst einzuschränken. Dieser Zugang ist vielen Ländern, unter anderem auch Österreich, eher fremd.

Hohe Preise und stark reduzierte Öffnungszeiten können zwar den Durchschnittskonsum verringern, aber begünstigen gleichzeitig Probleme im Zusammenhang mit Exzessen, wie ein Vergleich zwischen Nordeuropa und dem katholische geprägten Süden deutlich macht. In Nordeuropa trinken zwar mehr Personen gar keinen Alkohol und jene, die Alkohol trinken, trinken seltener, aber, wenn sie trinken, konsumieren sie oft viel zu viel. Das führt öfter zu Rauschexzessen mit Problemen, die von Ruhestörung bis zu Gewaltexzessen reichen, auch wenn der Durchschnittskonsum niedriger ausfällt.

 

Den gesamten ESG* Letter finden Sie hier.

*ESG steht für „Environmental, Social and Governance“ – zu Deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Das sind die drei groben Kategorien, nach denen Unternehmen beim nachhaltigen Investieren geprüft werden.

 

Wichtige rechtliche Hinweise:
Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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