Chinas strikte Null-Covid-Strategie bremst Konjunkturerholung

Chinas strikte Null-Covid-Strategie bremst Konjunkturerholung
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Die strikte Null-Covid Politik Chinas und die damit verbundenen Lockdowns in vielen Städten haben der rasanten Konjunkturerholung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt zuletzt einen deutlichen Dämpfer verpasst. Millionen Chines:innen waren seit Wochen im Lockdown, vor allem im Nordosten des Landes und in der Wirtschaftsmetropole Shanghai, dem Standort vieler ausländischer Unternehmen und des größten Hafens des Landes. Die drakonischen Quarantäne-Maßnahmen lassen Produktionsstätten stillstehen, unterbrechen Lieferketten, gefährden Jobs und damit die Nachfrage, und bremsen den weltweiten Frachtverkehr aus.

Nach rund zwei Jahren erfolgreicher Pandemie-Bekämpfung in China hat die hoch ansteckende Omikron-Variante des Virus heuer neue Lockdowns nötig gemacht. Denn das Land will trotz des zunehmenden Unmuts in der Bevölkerung und der wirtschaftlichen Kosten an den Maßnahmen seiner Null-Toleranz-Politik festhalten.

Chinas Regierung begründet den harten Kurs mit der großen Bevölkerungszahl, der großen Zahl alter Menschen und den unzureichenden medizinischen Ressourcen des Landes. Mit strengen Quarantänemaßnahmen, Abriegelungen ganzer Städte und Massentestungen sollen daher jegliche Ansteckungen vermieden werden. So sind in Shanghai regelmäßige Tests aller Einwohner verpflichtend. Ein einziger positiver Omikron-Fall führt oft zu Massenquarantäne eines ganzen Wohnblocks.

Ökonomen senken Wachstumsprognosen

Chinas rascher Konjunkturaufschwung nach einem Einbruch zu Beginn der Pandemie könnte damit aber bald ein Ende finden. So hat der internationale Währungsfonds IWF im April seine Wachstumsprognose für China für das laufende Jahr deutlich auf 4,4 Prozent gesenkt. Die Ratingagentur Fitch hatte kürzlich ihre Prognose auf 4,3 Prozent von zuvor 4,8 Prozent gesenkt. Das Wachstum würde damit deutlich unter dem von Chinas Regierung ausgegebenem Ziel von 5,5 Prozent liegen.

Erste wirtschaftliche Folgen der Lockdowns sind deutlich spürbar: So hat Chinas Statistikamt am Montag einen starken Dämpfer der Produktionstätigkeit vermeldet. Die Produktion des Landes schrumpfte im April im Jahresvergleich überraschend um 2,9 Prozent. Analysten hatten im Vorfeld lediglich eine Stagnation erwartet. Im März wurde noch ein Anstieg von 5,0 Prozent verbucht.

Davon betroffen sind auch die Produktionsstätten ausländischer Unternehmen, allen voran die Automobilhersteller. So hat der US-Elektroautobauer Tesla die Produktion in Shanghai für mehrere Wochen gestoppt. Auch der Autoabsatz ging deutlich zurück. Die PKW-Verkäufe sind im April auf nur 1,04 Millionen gefallen – das sind 36 Prozent weniger als im Vorjahresmonat und der niedrigste Stand seit zwei Jahren. China ist der weltgrößte Automarkt und damit ein wichtiger Absatzmarkt für viele internationale Automobilkonzerne.

Die in China ansässigen deutschen Maschinenbauer bewerten die Lage zunehmend pessimistisch. So sehen in einer aktuellen Umfrage des Branchenverbands VDMA nur mehr 27 Prozent der 850 befragten Unternehmen die Lage als gut. 28 Prozent stuften sie als schlecht ein und 45 Prozent als zufriedenstellend. Damit überwogen laut VDMA erstmals seit zwei Jahren die negativen Einschätzungen die positiven.

Lockdowns beeinträchtigen internationalen Frachtverkehr

Massive Auswirkungen auf internationale Unternehmen dürften auch die Staus von Frachtschiffen im Hafen von Shanghai haben. Das Exportvolumen des größten Hafens der Welt ist Schätzungen zufolge schon um rund 40 Prozent zurückgegangen.

„Die deutsche Industrie befürchtet in den kommenden Wochen gestörte Produktionsabläufe. Getroffen sind vor allem Branchen, die auf Rohstoff- oder Bauteillieferungen sowie den Versand ihrer Fertigprodukte über Seetransporte angewiesen sind“, sagte Siegfried Russwurm, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Der drohende Stillstand des weltgrößten Containerhafens wirbelt den globalen Container-Seeverkehr und die internationalen Lieferketten komplett durcheinander, so Russwurm.

Doch nicht nur der Schiffsverkehr, auch der für Chinas Lieferketten wichtige LKW-Verkehr ist deutlich ins Stocken geraten. Damit ist die Verweildauer von importierten Containern im Hafen von Shanghai laut Daten des Branchendiensts Project44 seit April um 210 Prozent gestiegen. Die Experten von Project44 führen die langen Wartedauern darauf zurück, dass es an LKWs mangelt, die die Container rechtzeitig vom Handel abholen können. Darunter leiden die Lieferketten. Auch in Landesteilen, die nicht von den Lockdowns betroffen sind, stehen teilweise die Fließbänder still.

Die Produktionsstillstände und erschwerten Transportbedingungen ziehen Chinas Exportwirtschaft stark in Mitleidenschaft. Chinas Export legten im April nur noch um 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu. Das ist das langsamste Wachstum seit Juni 2020 zu Beginn der Pandemie. Auch der Einzelhandel kann nicht als Wachstumsmotor dienen: Chinas Konsum schrumpfte im April laut aktuellen Daten um 11,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Analysten hatten nur mit einem Rückgang um 6,1 Prozent gerechnet.

Für internationale Investor:innen wird China damit zunehmend weniger attraktiv. Rund die Hälfte der US-Firmen hat Investitionen verschoben oder reduziert, wie aus einer jüngsten Umfrage der US-Handelskammer hervorgeht. In einer Umfrage der EU-Handelskammer sagten 78 Prozent der befragten Firmen, dass China für sie wegen der Corona-Maßnahmen zu einem weniger attraktiven Investitionsziel geworden ist.

Regierung und Notenbank wollen gegensteuern

Chinas Notenbank will nun gegensteuern und die Wirtschaft stärker unterstützten. Die People’s Bank of China will die Liquidität in angemessenem Umfang aufrechterhalten, der Stabilität Vorrang einräumen und Maßnahmen zur Stärkung des Vertrauens ergreifen. Man werde aber nicht auf flutartige Stimulierungsmaßnahmen zurückgreifen und das Vorgehen in einem vernünftigen Rahmen halten, teilte die Notenbank mit.

Die Regierung hatte zuletzt verstärkte Hilfen für die Industrie und kleine Unternehmen in Aussicht gestellt. Die Rückerstattung von Mehrwertsteuer-Gutschriften an qualifizierte Betriebe soll bis Ende Juni erfolgen, hieß es bei einer Sitzung des Staatsrats Anfang Mai. Außerdem solle mehr finanzielle Unterstützung gewährt werden. Dazu sollen Banken aufgefordert werden, die Rückzahlung von Krediten zu verlängern und kleine Firmen von Verzugszinsen zu befreien.

Gestützt werden soll zudem der Außenhandelssektor, der Millionen von Beschäftigten zählt. Die Regierung wolle sich dazu auf die Sicherung von Auslandsaufträgen konzentrieren. Der Wechselkurs der Landeswährung Yuan soll stabil gehalten und mehr Kredite an Handelsunternehmen vergeben werden, hieß es. Daneben will die Regierung eine gesunde Entwicklung des Immobilienmarktes fördern und ein stabiles Funktionieren der Kapitalmärkte gewährleisten.

FAZIT: Durch das erneute Aufkeimen des Corona-Virus wird die Wirtschaft Chinas in Mitleidenschaft gezogen. Die Exporte verzeichnen das langsamste Wachstum seit Beginn der Pandemie, der Frachtverkehr ist eingebrochen. Internationale Investor:innen kehren dem Land den Rücken. Nun will die chinesische Regierung gegensteuern.

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