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Das Wunder Wald und warum wir es schützen müssen

Das Wunder Wald und warum wir es schützen müssen
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Interview mit Robert Pröll, Landwirt & Ranger im Nationalpark Kalkalpen

Das Ökosystem Wald ist nicht nur ein wichtiger Kohlenstoffspeicher, sondern auch Lebensraum für eine Vielzahl an Pflanzen und Lebewesen. Im Interview erklärt Robert Pröll, Landwirt, Nationalpark-Ranger und Referent bei unserer diesjährigen Nachhaltigkeitskonferenz, warum wir das „Wunder Wald“ gerade im Kampf gegen die Klimakrise mehr denn je schützen müssen.

Ihr Vortrag bei der Nachhaltigkeitskonferenz trägt den Titel „Wunderwald“. Was ist für Sie das Faszinierende am Ökosystem Wald?

Robert Pröll: Am meisten fasziniert mich, dass im Ökosystem Wald nichts weggeworfen wird. Dort wird alles wiederverwendet, sei es das Totholz am Boden das Wasser speichert oder der umgefallene Baum, auf dem neue Bäume wachsen und der dadurch neues Leben spendet. Alles läuft in einem Kreislauf, der sich von selbst reguliert. Für uns produziert der Wald ein wunderbares Klima. Ich denke das merkt jeder – wie kühl und angenehm das Klima ist, sobald man in den Wald eintritt, während die Natur abseits davon überhitzt ist.

Was hat Sie dazu bewogen mit Ihrer Arbeit im Nationalpark den Menschen den richtigen Umgang mit unseren Wäldern näher zu bringen?

Mir ist wichtig, dass wir unsere Wälder und unsere Natur im Allgemeinen wieder mehr zu schätzen lernen. Denn nur wer seine Umwelt schätzt, schützt sie auch. Als Ranger im Nationalpark kann ich den Menschen bei unseren Touren meine ökologischen Anliegen näherbringen. Besonders wichtig sind mir dabei die Kinder. Wer schon als Kind lernt, wie wertvoll und wichtig der sorgsame Umgang mit der Natur ist, wird das auch als Erwachsener nicht vergessen. Für mich sind naturverbundene Kinder die Naturschützer der Zukunft.

Die Arbeit im Nationalpark ist aber nur ein Teil meines täglichen Lebens. Den Hauptteil verbringe ich damit, meine ökologische Kleinlandwirtschaft zu betreiben. Dabei ist mir wichtig über den Bio-Gedanken hinaus zu gehen. Meine Überzeugung war schon immer, dass unser Handeln umwelt- und naturverträglich sein muss.

Zur Person

Robert Pröll ist Maschinenbauingenieur, Umwelttechniker, Europäischer Energiemanager, Landwirtschaftlicher Facharbeiter, Nationalpark-Ranger und Oberösterreichisches Naturwacheorgan. Zudem betreibt er eine sehr ökologische Kleinlandwirtschaft mit einer alten Nutztierrasse in Oberösterreich.

Die Klimakrise ist allgegenwärtig. Wie kann uns der Wald helfen, mit den Auswirkungen fertig zu werden?

Der Wald ist ein enorm wichtiger Kohlenstoffspeicher der CO2 abbaut, speichert und damit den Treibhauseffekt abmildern kann. Viele denken beim Wald nur an die Bäume und das Holz, das in den Himmel wächst. Dabei sollten wir nicht nur nach oben, sondern auch nach unten blicken. Nur um das zu verdeutlichen: Ein herkömmlicher, bewirtschafteter Fichtenwald umfasst auf einer Fläche von einem Hektar cirka 350m³ Vorratsfestmeter Holz. In einem naturbelassenen Urwald stehen zwar weniger Bäume, dafür umfasst er auf der selben Fläche über 1.200m³ Vorratsfestmeter – also mehr als dreimal so viel.

Den Unterschied macht das naturbelassene Totholz am Waldboden, welches ein enorm wichtiger Faktor, nicht nur als Kohlenstoffspeicher, sondern auch als Lebensraum für viele Kleinstlebewesen ist. Gerade deshalb ist es wichtig, möglichst wenig einzugreifen und dieses Totholz im Wald zu belassen. Einem degradierten und kaputten Waldboden fehlt die Biodiversität und diese wieder aufzubauen ist sehr schwierig. Verlieren wir natürliche Wälder, so verlieren wir auch einen großen und wichtigen Kohlenstoffspeicher und damit einen Verbündeten im Kampf gegen die Klimakrise.

Wie könnte eine nachhaltigere Bewirtschaftung der Wälder aussehen?

Für eine nachhaltige Nutzung muss man den Wald möglichst ökologisch und naturbelassen bewirtschaften und möglichst viel Totholz im Wald belassen. Es muss in die Richtung gehen, mehr naturnahe Wälder aufzubauen. Damit einhergehend wird man auch in Kauf nehmen müssen, dass man nicht mehr so wirtschaftlich arbeiten kann wie jetzt.

Wie sollte so ein ökologischer Wald aussehen? Fichtenmonokulturen wie man sie häufig vorfindet sind anfälliger für Käferbefall und damit für Windereignisse. Man kann sich daher denken, dass solche Monokulturen nur wenig Zukunft haben. Auch bei der Struktur des Waldes ist es wichtig auf eine große Vielfalt zu achten und so viel Natur wie nur möglich in den Wald zu lassen und dort zu belassen. An aller erster Stelle sollte jedoch stehen, dass wir keine weiteren Wälder mehr verlieren, da wir die Biomasse und den Sauerstoff, den er uns zur Verfügung stellt, brauchen und wir auf diesen Kohlenstoffspeicher nicht verzichten können.

Stichwort Biodiversität: Wie deutlich merken Sie den Rückgang der Artenvielfalt und welche Probleme kommen da Ihrer Meinung nach auf uns zu?

Der Verlust der Biodiversität geht in enormer Geschwindigkeit vonstatten. Um uns an die neuen Gegebenheiten anzupassen, die der Klimawandel mit sich bringt, brauchen wir jedoch eine möglichst breite Artenvielfalt. Bei einer großen Artenvielfalt ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass gewisse Arten sich an die neuen Bedingungen anpassen können und uns somit bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels helfen. Mit der immer stärker schwindenden Biodiversität wird das allerdings schwierig.

Deswegen ist es wichtig sich zumindest Restbestände zu erhalten, von denen aus, ein weiterer Aufbau möglich ist. Dazu ein Beispiel: Im Nationalpark Kalkalpen wurden im Vorjahr Exemplare des rothalsigen Düsterkäfers gefunden. Das ist eine der seltensten Käferarten in Europa. In Österreich war die letzte Sichtung eines Exemplars vor 40 Jahren und in der Region war der Käfer überhaupt seit 119 Jahren verschollen. Im Nationalpark können wir einfach die Gegebenheiten gewährleisten, um eine große Artenvielfalt vorzufinden und daher sind solche unberührten Gebiete so wichtig.

Letzte Frage: Was kann jeder und jede Einzelne von uns zum Schutz unserer Wälder beitragen?

Das Wichtigste, das jeder beitragen kann ist, zu verstehen wie wichtig das Ökosystem Wald für uns ist und ihn dementsprechend wertzuschätzen und sorgsam mit ihm umzugehen. Pressspanplatten, Papier – das sind Dinge, die unsere Wälder zerstören. Man darf diese Dinge konsumieren, allerdings sollte man darauf achten wieviel davon und unter welchen Umständen. Es braucht einen nachdenklichen Umgang mit diesem Thema.

Vielleicht hilft uns dabei auch ein Blick auf das große Ganze: Egal ob die hunderte Jahre alte Buche im Wald, der kleine Käfer im Laub oder wir Menschen wie Sie und ich – wir bestehen alle aus den gleichen Bausteinen: Kohlenstoff, Wasserstoff, Magnesium, Schwefel, usw. Und wir laufen alle im Prinzip im gleichen Kreislauf – wir werden aufgebaut und dann wieder abgebaut, dann wieder aufgebaut und wiederum abgebaut. Wir sind also sozusagen baugleich wie unsere Natur, daher sollten wir auch im Einklang mit ihr leben.

Vielen Dank für das Interview!

Info

Der Nationalpark Kalkalpen schützt auf einer Fläche von knapp 21.000 Hektar das größte zusammenhängende Waldgebiet Österreichs. Gemeinsam mit dem Wildnisgebiet Dürrenstein zählt der Nationalpark zur ersten UNESCO Weltnaturerbestätte Österreichs.

Mehr Informationen unter: https://www.nationalparksaustria.at/de/nationalpark-kalkalpen.html

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