Europas Konjunkturlokomotive Deutschland bleibt auf Schiene

Europas Konjunkturlokomotive Deutschland bleibt auf Schiene
Europas Konjunkturlokomotive Deutschland bleibt auf Schiene
(c) iStock
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Deutschland ist nicht nur die größte, sondern auch eine der stärksten Volkswirtschaften in der Eurozone sowie in der EU. Dies zeigt sich unter anderem in einem stabilen Wirtschaftswachstum. Im vergangenen Jahr 2017 stieg das Bruttoinlandsprodukt um 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und lag damit nur knapp unter dem gesamten Eurozonen-Wachstum von 2,4 Prozent.

Für das laufende Jahr sehen Prognosen trotz der Risiken, die von den laufenden Handelskriegen ausgehen, ein Wachstum in ähnlicher Größenordnung. Der Internationale Währungsfonds rechnet für 2018 mit einem BIP-Plus von 2,2 Prozent. Im ersten Halbjahr war Deutschland bereits auf einem guten Weg, dieses Ziel zu erreichen. Im ersten Jahresviertel wuchs die deutsche Wirtschaft um 0,4 Prozent zum Vorquartal, im zweiten Quartal belief sich das Wachstum auf 0,5 Prozent. Das DIW-Institut erwartet für das dritte Quartal nun ein Wachstum von 0,4 Prozent.

Höhere Energiepreise haben die Verbraucherstimmung zwar zuletzt etwas eingetrübt, und auch die Inflation verharrte im August mit 2,0 Prozent auf vergleichsweise hohem Niveau, die Stimmung unter den Exporteuren hat sich aber den zweiten Monat in Folge gebessert. Das vom ifo-Institut auf Basis einer Umfrage errechnete Barometer für die Exporterwartungen der Industrie legte im August um 0,6 auf 14,4 Punkte zu. Die Zahl der Arbeitslosen ist in Deutschland im August zwar auf 2,351 Millionen gestiegen, das ist jedoch der niedrigste Wert für diesen Monat seit dem Jahr 1991.

Ein maßgeblicher Faktor für die deutsche Wirtschaft ist die Leistungsbilanz. Diese wiegt alle importierten und exportieren Waren und Dienstleistungen in einer Volkswirtschaft gegeneinander auf. Hat ein Land einen Überschuss in der Bilanz, exportiert es mehr als es importiert. Bei einem Defizit wird hingegen mehr importiert als exportiert, also auch mehr verbraucht als im eigenen Land produziert wird. Deutschland darf sich was diese Bilanz betrifft 2018 voraussichtlich erneut „Weltmeister“ nennen, denn das deutsche ifo-Institut prognostiziert für das Gesamtjahr einen Leistungsbilanzüberschuss von 262,5 Mrd. Euro (299 Mrd. US-Dollar). Damit wäre das Land weltweiter Spitzenreiter, gefolgt von Japan, das mit einem Überschuss von 200 Mrd. Dollar jedoch weit abgeschlagen ist.

Deutsche Industrie sieht Überschuss positiv, IWF und EU-Kommission skeptisch

Grund für den starken Überschuss in der Bilanz ist die Exportstärke des Landes. Die deutsche Industrie sieht die Lage positiv. „Er (der Überschuss, Anm.) verdeutlicht die Leistungsfähigkeit der deutschen Unternehmen und die Attraktivität ihrer Produkte – und das aktuell in einem international schwierigen Umfeld“, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die EU-Kommission sind hingegen skeptisch. Die Kommission hält Überschüsse von dauerhaft mehr als sechs Prozent des BIP für stabilitätsgefährdend, da Ländern mit Überschüssen solche gegenüberstehen, die Defizite haben und sich verschulden müssen. Der Anteil der deutschen Leistungsbilanz am BIP würde laut ifo-Institut 2018 bei 7,8 Prozent liegen. Seit 2011 trug der Leistungsbilanzüberschuss mehr als sechs Prozent zum deutschen BIP bei.

Vor allem beim Warenhandel ist Deutschland stark und das ist auch anderen Ländern ein Dorn im Auge. So hat US-Präsident Donald Trump in den vergangenen Monaten bereits mehrmals mit Strafzöllen auf den deutschen Exportschlager, nämlich Autos, gedroht. Bisher hat er seine Drohungen aber nicht wahrgemacht und nach dem Treffen mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im Juli dürften diese auch in nächster Zeit nicht mehr aktuell sein. Die deutsche Konjunkturlokomotive dürfte also vorerst ihre Reise ungehindert fortsetzen.

 

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