IMF Meetings in Washington: Liebkinder und Prügelknaben

IMF Meetings in Washington: Liebkinder und Prügelknaben
IMF Meetings in Washington: Liebkinder und Prügelknaben
flickrPhoto: World Bank / Simone D. McCourtie (https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/)
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Im Rahmen der Jahrestagungen des IMF finden verschiedene Veranstaltungen für Emerging Markets Investoren statt. Meinungsführer, Entscheidungsträger, Wirtschaftsforscher und Analysten aus Politik, Think-Tanks, Wirtschaft und der akademischen Welt halten Vorträge und/oder stellen sich der Diskussion mit Investoren.

Das Treffen bietet andererseits eine gute Gelegenheit für den Gedankenaustausch mit Fachkollegen und den Finger „auf den Puls“ des Marktgeschehens zu legen.

Die relevantesten Erkenntnisse: synchronisierter Slow-Down Modus

90% aller Länder befinden sich in einem synchronisierten Slow-Down Modus und einem Entglobalisierungschock. Der IMF sieht für 2019 das globale Wirtschafts-Wachstum bei ca. 3%. Für 2020 kann auf Grund einer verhaltenen Preisentwicklung bei Rohstoffen für die Emerging Markets im Durchschnitt nicht mit einer Wachstumsbeschleunigung gerechnet werden. Die USA werden nicht in eine Rezession rutschen und China kein Hard Landing produzieren.

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China ist strukturell langfristiger Art, vor dem Hintergrund Sicherheit, Intellectual Property und Tech. Chinas Hauptinteresse ist nur, die Situation nicht noch schlechter werden zu lassen. Tarife und Handelsrestriktionen werden nicht so schnell zurückgenommen werden.

Die Auseinandersetzung beschleunigt Chinas Strategie der selektiven Entkoppelung („Disengagement“) und Bemühen, das Land auf eine mehr konsum- und dienstleistungsorientierte Basis zu stellen. Ein Ausdehnen der Sanktionen auf Finanzinstrumente gilt angesichts ungewisser internationaler Auswirkungen als unwahrscheinlich.

Der Handelszwist schadet dem Rest der Welt vermutlich mehr als den USA und China selbst. Die momentan propagierte „Phase 1“ in der Beilegung des Konfliktes wird eher als Waffenstillstand zu betrachten sein.

USMCA (Nachfolger von NAFTA) wird kein Opfer der Entwicklungen rund um ein  Impeachment von Präsident Trump. Die Ratifizierung seitens der USA wird in Q1/2020 erwartet (vielleicht sogar schon Dezember 2019).

SATURDAY, OCTOBER 19, 2019 WASHINGTON DC. 2019 ANNUAL MEETINGS. Development CommitteerrWorld Bank Group President David Malpas, International Monetary Fund Managing Director Kristalina Georgieva. Photo: World Bank / Franz Mahr (https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/)

Die Emerging Markets Sorgenkinder:

In Argentinien wird auf Grund der schieren Grösse ein Kapitalverzicht auch auf IMF Kredite notwendig sein. Der IMF zeigt sich „flexibel“, aber konkrete Details bezüglich Neuverhandlung des Finanzpaketes werden erst nach den am 26.10.19 stattfindenden Präsidentschaftswahlen bekannt werden. Für die privaten Gläubiger gehen die Schätzungen zum Kapitalschnitt auseinander (40-60%).

  • Venezuela: Die Kohäsion in der Opposition ist brüchig und macht der Regierung Maduro derzeit keine ernsthaften Probleme. Eine (komplizierte) Umschuldung sämtlicher Auslandsschulden ist nach wie vor unumgänglich, hat aber immer noch keinen offiziellen „Startschuss“ seitens des Schuldners bekommen.
  • Ecuador: Die sozialen Unruhen wurden vorerst beendet, die Regierung sucht mittels einer breiten gesellschaftlichen Einbeziehung nach konsensualen Lösungen für die prekäre Budgetsituation. Der IMF zeigt sich sehr kooperationswillig.
  • Zambia: Keine ernsthaften Massnahmen zur Lösung der Verschuldungssituation erkennbar. Sollte es dabei bleiben, besteht Umschuldungsgefahr.
  • Libanon: Das Modell der Staatsschuldenfinanzierung mithilfe von Bankeinlagen wird zunehmend kritisch hinterfragt. Gleiches gilt für die Unterstützung seitens arabischer Freunde (Saudi Arabien ?) in einer Stresssituation. Wackelkandidat.

Die Emerging Markets Liebkinder:

  • Brasilien: Weiterhin Vertrauen in die kommenden Strukturreformen. Wird als „Best Performer 2020“ gesehen.
  • Ukraine: Die fiskalen Spannungen wurden erfolgreich bereinigt. Der Reformstau wurde reduziert und die Beziehungen zum Währungsfonds sind offenbar sehr gut.
  • Kolumbien: Mit 3,4% (2019) höchstes Wachstum aller EM Investmentgrade- Länder. Erwirtschaftung eine Primärüberschusses (+0,6%) in 2019. FDI und Remittances machen ca. 6.1%/GDP aus, bei einem Leistungsbilanzdefizit von -4,4% in 2019.
  • Russland und Ägypten genießen ebenfalls das Wohlwollen der Investoren.

 

Wichtige rechtliche Hinweise:
Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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