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Mario Draghi: Deflation Fighter

Mario Draghi: Deflation Fighter
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Die Argumente für einen bis auf weiteres anhaltenden Anstieg der Aktienkurse haben zugenommen. Die wichtigen Zentralbanken haben in den vergangenen Wochen expansive, also die Volkswirtschaft und die Märkte unterstützende, Signale ausgesendet. Die letzte Maßnahme waren die Aussagen vom Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) im Rahmen der EZB-Pressekonferenz am 22. Oktober.

Deflationäre Kräfte
In der Eurozone haben die Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum und die Inflation zugenommen. Der Grund dafür ist die Schwäche der Schwellenländer und die Unruhe auf den Finanz- und Rohstoffmärkten. Im Zentrum steht die Frage, wie stark und lange die davon ausgehenden deflationären, also das allgemeine Preis- und Lohnniveau senkenden, Kräfte den erwarteten mittelfristigen Anstieg der aktuell zu niedrigen Inflation in Richtung des Inflationsziels von knapp unter 2% behindern.

Forward Guidance
Eine Deflation führt zu fallenden Umsätzen und Gewinnen der Unternehmen. In weiterer Folge werden die Investitionen, die Beschäftigung und die Lohnanstiege reduziert. Diese Gefahr bekämpft die EZB. Wenn das Ergebnis einer eingehenden Analyse des volkswirtschaftlichen Umfeldes seitens der EZB darauf hindeutet, dass die aktuelle geldpolitische Haltung nicht ausreicht, um das Inflationsziel zu erreichen, werden im Rahmen der nächsten EZB-Sitzung am 3. Dezember weitere expansive Schritte verlautbart. Tatsächlich ist die Forward Guidance, also das Vorbereiten des Marktes auf zukünftige geldpolitische Entscheidungen, ein wichtiges Instrument einer Zentralbank. Selbige legt sich selten hinsichtlich der zukünftigen Handlungen fest. Insofern kann alleine die Aussage als dovish, also die Inflation und die Märkte unterstützend, interpretiert werden.

Instrumentenkasten
Im Instrumentenkasten der EZB befinden sich neben der bereits eingesetzten Forward Guidance die Festlegung des Preises für Geld (die Leitzinsen) sowie der Menge des Geldes. Auf der Pressekonferenz wurden explizit eine mögliche Senkung des Zinssatzes für die Einlagenfazilität (der Geschäftsbanken bei der Zentralbank) sowie eine Ausweitung des umfangreichen Anleiheankaufsprogramms (Quantitative Easing oder QE) erwähnt. Der Zinssatz befindet sich aktuell bei minus 0,2%. Das QE-Programm beläuft sich auf EUR 60 Milliarden pro Monat und läuft bis mindestens September 2016. Die Wertpapierkäufe könnte hinsichtlich des monatlichen Volumens (größer als EUR 60 Milliarden), der Zusammensetzung (mehr Unternehmensanleihen) und der Dauer (nach September 2016) verändert werden.

Die Großen Fünf
Auch die anderen großen Zentralbanken waren nicht untätig. In den USA sind die Markterwartungen für Leitzinsanstiege deutlich gefallen. Der Chefökonom der Bank of England spricht bereits von einer Trilogie (Große Rezession 2008 / 2009, Euro-Krise 2011 / 2012, Emerging Markets 2015). In China ist das Verhältnis der Geldmenge M2 zum Bruttoinlandsprodukt nach einer Stagnationsphase im dritten Quartal angestiegen. Nun hat auch die EZB die Absicht für weitere Maßnahmen angekündigt. Bereits in der nächsten Woche, am 30. Oktober, könnte die japanische Zentralbank eine Ausweitung des Wertpapierankaufsprogramms verlautbaren.

Umfeld ist kurzfristig positiv, bleibt auf mittlere Sicht in der Schwebe
Von den Maßnahmen der Zentralbanken kann keine strukturelle Rallye bei den riskanten Wertpapieren abgeleitet werden. Eine zyklische Rallye findet dann statt, wenn die Zentralbanken darin erfolgreich sind, den Deflationsdruck zu überwinden. Die geänderte Haltung der EZB spricht nun dafür, dass die kurzfristige Erholung so lange andauern könnte, bis die zukünftigen Wirtschaftsindikatoren diese Sichtweise nicht widerlegen. Zudem unterstützt die EZB-Politik die Anleihen in der Eurozone. Das Umfeld für die Finanzmärkte ist mithin kurzfristig positiv, bleibt aber auf mittlere Sicht in der Schwebe.

 

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