Update: Nach Wahlsieg von Bolsonaro in Brasilien – Fundamental gute Unternehmen trotz politischer Unsicherheit

Update: Nach Wahlsieg von Bolsonaro in Brasilien – Fundamental gute Unternehmen trotz politischer Unsicherheit
Update: Nach Wahlsieg von Bolsonaro in Brasilien – Fundamental gute Unternehmen trotz politischer Unsicherheit
(c) iStock
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Auch nach der Stichwahl in Brasilien bleiben Fragen in Bezug auf die politische und wirtschaftliche Lage des Landes offen. Die Märkte dürften den Wahlsieg von Jair Bolsonaro von der rechtsgerichteten Partido Social Liberal (PSL) zunächst positiv aufnehmen, aufgrund der politischen Agenda und des wirtschaftlichen Programms seines Beraters Paul Guedes. Laut Florian Zwettler, Fondsmanager der Erste Asset Management, sei aber ungewiss, ob der Rechtspopulist seine Wahlversprechen umsetzen kann.

Hier sein Bericht unmittelbar nach der 1. Wahlrunde und vor der Wahl Jair Bolsonaros:

Im aktuellen Umfeld globaler Unsicherheiten in Schwellenländern ausgehend von idiosynkratischen Ereignissen in der Türkei und Argentinien, dem Handelskonflikt zwischen den USA und China und im Hinblick auf die Präsidentenwahl, war Ende September wohl einer der spannendsten Zeitpunkte um Brasilien zu besuchen.

Weder im Stadtbild von Rio de Janeiro noch in Sao Paulo waren zu meiner Überraschung überdimensionierte Wahlplakate zu sehen. In persönlichen Gesprächen jedoch, war das Thema Wahlen allgegenwärtig. Der Ausgang der Wahlen schien ungewiss, die Wähler wirkten unentschlossen. Das Land ist gespalten zwischen dem rechtsgerichteten Lager mit Kandidat und Ex-Offizier Jair Bolsonaro (Anhänger der Partei Partido Social Liberal, kurz PSL) und dem linken Flügel mit Fernando Haddad, dem Ersatzkandidaten des ehemaligen Präsidenten Lula da Silva (welcher aufgrund einer Gefängnisstrafte wegen Korruption nicht kandidieren durfte). Fernando Haddad ist der frühere Bürgermeister von Sao Paulo und wird von der politisch linken Arbeiterpartei Partido dos Trabalhadores (PT) unterstützt. Die Wochenzeitung „The Economist“ betitelte den Rechtskandidaten Bolsonaro zuletzt als „Latin America’s latest menace“ und verurteilte den Kandidaten somit als nächste Gefahr für die gesamte Region Lateinamerika. Im Gegensatz dazu reagierten die Märkte wenig überraschend, aufgrund der politischen Agenda und des wirtschaftlichen Programms von Berater Paul Guedes, positiv auf dessen deutlichen Wahlsieg in der ersten Runde.

Neben einer Betriebsbesichtigung des Zellstoff- und Papierproduzenten Suzano am letzten Tag der Konferenz standen an den Tagen zuvor einundzwanzig Unternehmen, die Brasilianischen Entwicklungsbank BNDES und ein lokaler politischer Consultant Arko Advice Rede und Antwort auf aktuelle Entwicklungen, laufende Jahresergebnisse und strategische, zukünftige Ausrichtungen. Beinahe alle besuchten Unternehmen konnten ihre Fundamentaldaten erneut verbessern, ihre Schuldenniveaus weiterhin senken und ihre Liquiditätskennzahlen über die letzten zwei bis drei Jahre steigern. Jedoch befinden sich aktuell alle Unternehmen im stattfindenden Sog globaler Turbulenzen an den Märkten – dies kehrte sich jedoch in den ersten beiden Oktoberwochen um – und die Wirtschaft erwartet noch die zweite Runde einer Wahl mit unklaren wirtschaftlichen und politischen Folgen für Brasilien und dessen Unternehmen. Allgemeiner Konsens unter den Unternehmen war es, längst anstehende strategische Projekte und große Investitionen erst nach den Wahlen unter weniger Unsicherheiten tätigen zu wollen.

Die dominanten Unternehmenssektoren gemessen an der Wirtschaftsleistung und Anzahl an Mitarbeitern in Brasilien sind:

  1. Energie (gesehene Vertreter waren Petrobras, Ultrapar, Raizen, Cosan und Ocyan) mit einem Umsatz von über 100 Mrd. Euro und 250.000 Mitarbeitern.
  2. Die Lebensmittel- und Fleischproduktionsbranche mit den getroffenen Vertretern von JBS, BRF, Mafrig & Minerva liegen auf dem zweiten Platz mit einem Umsatz in Höhe von rund 65 Mrd. Euro und über 400.000 Mitarbeitern.
  3. Der dritte Sektor mit Unternehmen wie Vale, Teile von Votorantim, Cementis oder Suzano beschäftigt sich mit dem Abbau, Verarbeitung und Export von Rohstoffen. Deren Umsatz liegt bei knapp 60 Mrd. Euro und 150.000 Mitarbeitern.

Eindrücke aus Unternehmensgesprächen

Die ein bis eineinhalb stündigen Unternehmensgespräche waren minutiös getaktet, sehr intensiv und unglaublich lehrreich. Ohne ins Detail gehen zu wollen hier einige Eindrücke ausgewählter Unternehmen in 1-2 Sätzen:

  • Das im Staatsbesitz befindliche Unternehmen Petrobras ist eines der weltweit größten Öl- und Gasunternehmen mit größtenteils lokaler Produktion von zuletzt 2,8 Millionen Barrels pro Tag. Das Unternehmen befindet sich weiterhin am Pfad zur Schuldenreduktion mit geplanten Einnahmen aus Anlageverkäufen in Höhe von 13,5 Mrd. und 15 Mrd. US Dollar werden aus dem freien Cash Flow bis Jahresende erwirtschaftet.
  • Das private Krankenhauskonsortium Rede D’or ist in den letzten fünf Jahren im Durchschnitt um 25% gewachsen und deren Einkünfte werden zu 100% aus privaten Krankenversicherungen, welche wiederum vom privaten Einkommen, der allgemeinen Arbeitslosenrate und Wirtschaftswachstum Brasiliens abhängig sind, generiert. Potentielle Kunden stellen ungefähr 47 von knapp über 200 Millionen Brasilianern dar.
  • Die Brasilianische Entwicklungsbank BNDES wird auch im laufenden Jahr wieder ähnlich viele Kredite wie letztes Jahr, knapp 70 Mrd. Brasilianische Real (rund 15 Mrd. Euro) vergeben. 40% davon fließen in lokale Infrastrukturprojekte, jeweils 20% in Handel und Serviceleistungen und ein besonderer Schwerpunkt wird auf Innovation, Nachhaltigkeit und saubere Energie gelegt.
  • Vale, eines der größten Metall- und Bergbauunternehmen (Global die #1 in Eisenerz- und Nickelproduktion), verdient mit jeder verkauften Tonne Eisenerz eine Prämie über dem international gehandelten Eisenerzpreis, da Eisenerz nicht gleich Eisenerz ist. Der Verkaufspreis ergibt sich aus unterschiedlichen Rohstoffstandards und einem optimalen Mischverhältnis von Aluminiumoxid Al2O3 und Siliciumdioxid SiO2.
  • Die größte brasilianische Mediengruppe Globo leidet seit einigen Jahren wie auch viele andere Unternehmen im gleichen Sektor mit anhaltend hoher internationaler Konkurrenz (Netflix, Amazon und Co.) und sinkenden Gewinnspannen. Zweidrittel ihrer Umsätze werden aus Werbeeinnahmen und ein Drittel aus erfolgreichen Eigenproduktionen (unter den lokalen Konferenzteilnehmer sehr beliebt) generiert.
  • Den beiden fleischexportierenden Unternehmen BRF und JBS steckt noch immer der „Gammelfleisch-Skandal“ aus dem Jahre 2017 in den Knochen. BRF ist dabei seine Produktionsstätten in Europa abzustoßen und verzichtet auf eine Erzeugung „höherwertiger“ Produkte, welche speziell für Exportmärkte wie Europa mit höheren Standards errichtet wurden und für den einheimischen Markt zu teuer sind.
  • Die im Staatsbesitz befindliche Cemig Gruppe möchte sich wieder auf ihr Kerngeschäft: die Energiegewinnung, -transformation und den -vertrieb mithilfe von 116 Kraftwerken und einem Stromnetz mit einer Länge von 600.000 km (entspricht 15x dem Erdumfang) konzertieren und veräußert alle anderen Beteiligungen.
  • Suzano ist im Besitz von 1,2 Millionen Hektar Eukalyptuswälder. Das entspricht knapp einem Viertel des gesamten Waldbestandes Österreichs. Eukalyptus Bäume haben einen Wirtschaftszyklus (Pflanzung bis Rodung) von fünf bis sieben Jahren und das Unternehmen arbeitet gerade an einem Verfahren zur Herstellung von Zellstoffen für Windeln aus 100% Eukalyptus. Das Unternehmen rechnet in diesem Segment mit höheren Wachstumsraten und Gewinnspannen als im traditionellen Papiersektor.

Brasiliens Wirtschaft befindet sich gerade erst wieder in einer Erholungsphase nach einer der schwersten wirtschaftlichen Rezessionen des Landes ausgelöst durch den größten Korruptionsskandal in der Geschichte Brasiliens „Lava Jato“ (ein milliardenschwerer Korruptionsskandal rund um das verstaatlichte Unternehmen Petrobras mit dem deutschen Namen „Autowäsche“ Skandal), einem erwarteten Budgetdefizit von 8,9% des BIP (Italien hat eben mit einer geplanten  Neuverschuldung von 2,4% des BIP Aufsehen erregt) und damit einhergehend einem rasant wachsenden Staatsschuldenberg, Auf Unternehmensebene bleiben jedoch Verschuldungsgrade gering und Fundamentaldaten verbessern sich. Werden eine dringend benötigte fiskalische Konsolidierung, Privatisierungen und eine Sozial- und Pensionsreform von der neuen Regierung angestoßen, werden wir unsere momentan taktisch neutrale Positionierung mit selektiven Unternehmen überdenken.

Weitere politische Ergänzungen…

In der ersten Runde der Präsidentenwahl setzten sich die beiden – wie Ende September von Arko Advice prognostiziert – Kandidaten Haddad und mit leichten Vorteilen Bolsonaro durch. Mit diesem Ergebnis setzt sich der globale Trend an Anti-Establishment, Frustwählern und ein Schmelzen der politischen Mitte hin zu teilweise politischen Extremen und Populisten auch in Brasilien fort, obwohl beide Kandidaten historisch gesehen hohe Ablehnungsrate in Bevölkerung haben. Bolsonaro steht vor allem bei weiblichen Wählerinnen aufgrund sexistischer und frauenfeindlicher Aussagen in ihrer Ungunst, wohingegen Haddad für viele Brasilianer als Lula-Nachfolger und einer möglichen Fortsetzung des bestehenden und korrupten Systems (Stichwort „Lava Jato“) steht, und deswegen für viele Brasilianer keine Alternative bietet.

Welcher Kandidat ist nun in der finalen zweiten Runde zu favorisieren? Anhaltender Rückenwind, die Bewegung gegen Korruption und somit gegen PT und dass seit 1989 immer der Erstrundengewinner auch die zweite Runde, falls es eine gab, gewann, spricht für einen Wahlsieg des Rechtspopulisten und marktfreundlicheren Kandidaten Bolsonaro. Darüber hinaus genießt Bolsonaro die Unterstützung drei bedeutender Blöcke im Kongress, den sogenannten „BBB“-Repräsentanten (bull, bullet and bible) für Landwirtschaft, Militär und den evangelischen Gruppierungen im Lande.

Selbst unter einem Sieg Bolsonaros werden angestrebte und wirtschaftlich dringend benötigte Wahlversprechen wie eine allgemeine Sozial- und Pensionsreform mit dem neu gewählten und sehr zersplitterten Unterhaus (30 unterschiedliche Parteien) sowie Senat (21 unterschiedliche Parteien) aufgrund benötigter qualifizierter Mehrheiten nur schwer durchsetzbar sein, wohingegen das engere Team mit mindestens fünf ehemaligen Generälen die Recht-und-Ordnungs-Agenda: Kampf gegen Kriminalität und Korruption schnell an Fahrt aufnehmen könnte.

Wichtige rechtliche Hinweise:
Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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