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Wie die größte Savanne der Welt dem Fleischkonsum zum Opfer fällt

Wie die größte Savanne der Welt dem Fleischkonsum zum Opfer fällt
Wie die größte Savanne der Welt dem Fleischkonsum zum Opfer fällt
(c) WWF
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Der brasilianische Cerrado ist eine Ökoregion der Superlative und sowohl für den Klimaschutz als auch für den Erhalt der Biodiversität von zentraler Bedeutung.

Die tropische Savanne liegt in Zentralbrasilien, grenzt im Norden an den Amazonas-Regenwald und im Süden an den atlantischen Küstenregenwald. Acht der zwölf wichtigsten Wasserquellen Brasiliens entspringen dort. Die Region versorgt den Amazonas mit Wasser und liefert rund 50 % des brasilianischen Süßwassers. All dem zu Trotz ist die Region kaum jemandem ein Begriff. Das muss sich ändern. Denn durch Gesetzeslücken und die maßlose Sojaproduktion gerät die Zerstörung des Cerrado außer Kontrolle.

Anders als im benachbarten Amazonas, wird der Cerrado auch der „auf dem Kopf stehende Wald“ genannt. Die Biomasse befindet sich zu 2/3 unter der Erde, im Vergleich zum Amazonas, wo 2/3 der Biomasse überirdisch und im üppigen grün sichtbar sind. Der Kohlenstoff ist daher überwiegend im Boden gespeichert, die Wurzelsysteme gehen bis zu 30 Meter tief in den Boden.

Die karge Savanne mit ihren niedrigen Bäumen, Büschen und Graslandschaften steht dem Amazonas vielleicht optisch etwas nach. In Sachen Klimaschutz ist sie aber genauso wichtig, da äquivalent viel Kohlenstoff gespeichert wird. Auf einer Größe von 2 Mio. Quadratkilometer, also ungefähr die Größe Westeuropas, befinden sich 5 % der weltweiten Biodiversität, darunter zehntausende Pflanzen-, Vogel- und Säugetierarten sowie 480 einheimische Wirbeltierarten.

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Trotz seiner wichtigen Rolle für die regionale Wasserversorgung sowie Klima- und Biodiversitätsschutz, besteht der Cerradeo mittlerweile aus unzähligen Weide- und Ackerflächen. Bereits 50 % der Fläche der natürlichen Vegetation wurden zerstört. Eine der Hauptkulturen ist Soja, welches auch nach Europa exportiert wird.

Rund 16 % des Sojas, welches wir in Europa importieren, kommt aus dem Cerrado. Tendenz steigend.

Aktuell verlagern sich auch immer mehr Abholzungen kontinuierlich vom Amazonas in den Cerrado der kaum eines Schutzes unterliegt. Auch das EU-Waldschutzgesetz (EU Deforestation Regulation) schützt den Cerrado nicht ausreichend, denn nur die 26 %, die als Waldfläche per Definition gelten, fallen in die Verordnung. EU-Konsument:innen, die bald entwaldungsfreie Produkte und Lieferketten bei bestimmten Produkten (u.a. Soja, Palmöl, Rindfleisch, Kaffee) erwerben können, kaufen und finanzieren somit weiterhin zerstörte Savannen trotz ihrer massiven Bedeutung für Klima- und Biodiversitätsschutz.

Wie der Konsum hat auch die Veranlagung von Geld massive Auswirkungen auf Ökosysteme– und auch hier sind die Konsequenzen und Zusammenhänge häufig nicht auf den ersten Blick deutlich erkennbar.

So ist beispielsweise der Handel mit Soja mehrheitlich von wenigen Großhändlern, wie beispielweise ADM, Bunge oder Cargill (die sogenannten ABC) organisiert. Aktien und Anleihen dieser Unternehmen stecken wiederum in Fonds für private Veranlagungen, Pensionsvorsorge oder in Versicherungsprodukten. Wer sicherstellen möchte, dass die Zerstörung von Ökosystemen und deren massive Konsequenzen für uns alle keine Rolle in den eigenen Geldanlagen spielen, sollte auf Umwelt- und Sozialkriterien achten.

Besonders bei nachhaltigen Fonds müssen Informationen dazu klar und nachvollziehbar zugänglich sein. Denn diese Art von Fonds investiert direkt in Unternehmen und Staaten, die sich aktiv mit den Folgen der Klimakrise und Biodiversitätsverlust auseinandersetzten. So fließen Geldströme nicht nur in zukunftsfähige Bereiche, sondern werden gleichzeitig von besonders schädlichen Aktivitäten abgezogen.

Die industrielle Landwirtschaft hat im Cerrado überhandgenommen. Einzelne Betriebe mit bis zu 20.000 ha Flächen sind keine Ausnahme. Die kreisrunden Felder haben meist ein Fläche von 100 ha und brauchen viel Wasser, welches tief aus dem Boden gepumpt wird. Die regionale Bevölkerung kämpft mit immer weniger Wasser und muss mit eingeschränkten Wasserressourcen haushalten.

Da die enormen Monokulturen wenig widerstandsfähig sind, benötigen sie Pestizide. Ob der Größe der Felder werden diese großflächig mit dem Flugzeug ausgebracht ohne Rücksicht auf Wasserläufe oder Menschen in naher Umgebung. Die Folgen sind verunreinigte Fließgewässer, die in den Dörfern ankommen. Auch Krebserkrankungen sind in der Region überdurchschnittlich häufig, Atemwegs- und Hauterkrankungen sind keine Seltenheit.

Im Cerrado leben 25 Millionen Menschen, rund 80 indigene Völker. Über Generationen hinweg wurde auf dem Gebiet gewohnt und Landwirtschaft betrieben. Es findet sich kleinstrukturierte Landwirtschaft mit überlieferten traditionellen Methoden, um die einheimischen „Cerrado-Fruits“ nachhaltig zu nutzen und den Lebensunterhalt zu verdienen.

Die absolute Dringlichkeit den Cerrado zu schützen wird besonders deutlich, wenn man die Geschichten der einheimischen Bevölkerung hört. Wie die von Fátima Cabral. Sie bewirtschaftete eine kleine Fläche von 40 Hektar auf der sie auch mit ihrer Familie gelebt hatte. Eines Tages brannte ihr gesamtes Hab und Gut inkl. Felder ab. Nur wenige Tage darauf kam das erste Kaufangebot eines großen Unternehmens. Diese Geschichte ist leider kein Einzelfall. Die Methoden, um an Land zu kommen, sind dreist. Die lokale Bevölkerung steht wie die Natur unter enormen Druck.

Den Cerrado zu schützen bedeutet die Menschen vor Ort zu schützen und damit auch ein weltweites wichtiges Ökosystem zu erhalten bzw. wieder zu renaturieren, welches wir alle für eine lebenswerte Zukunft benötigen. Dafür muss die Politik und Wirtschaft jetzt handeln:

  • Die europäische Politik muss das EU-Waldschutzgesetz auf alle wichtigen Ökosysteme ausweiten.
  • Das in der EU aktuell verhandelte EU-Lieferkettengesetze muss wirksam gestaltet werden. D.h. Unternehmen müssen verpflichtet werden, die Einhaltung von Klima- und Umweltschutz und den Schutz der lokalen Bevölkerung entlang ihrer Lieferketten zu garantieren. Jegliche Landnutzungsänderungen (in sensiblen Ökosystemen) müssen dafür insbesondere genau überwacht und Verstöße sofort unterbunden werden. Dafür müssen Möglichkeiten für die Betroffenen geschaffen werden, um zu klagen.
  • Investor:innen müssen darlegen, ob Finanzprodukte in illegale Rodungen oder anderweitige Naturzerstörung verwickelt sind und gegebenenfalls ihren Einfluss bei den Unternehmen geltend machen um diese Aktivitäten zu verhindern.
  • Unternehmen müssen Klima- und Biodiversitätsschutz umfassend in ihr Kerngeschäft integrieren. Die Science Based Targets Initiative bietet dafür praxiserprobte, wissenschaftsbasierte Methodensets für Klima und Biodiversität an, welcher auch die Lieferketten abdecken.
  • Konsument:innen können die notwendigen Maßnahmen von Politik und Wirtschaft vorantreiben, indem sie die eigene Ernährung hauptsächlich pflanzenbasiert wählen.

Der WWF ist vor Ort und unterstützt die ansässige Bevölkerung auf unterschiedliche Art und Weise. Neben Rechtsbeistand bei Klagen werden gemeinsam Kooperativen gegründet, Landwirte zusammengebracht und in gemeinschaftlicher Manier biologisch gewirtschaftet. Junge Landwirte werden zu „Samenhelden“ ausgebildet, sie lernen die Samen des Cerrados zum richtigen Zeitpunkt zu ernten, sie aufzubereiten um dann damit aufzuforsten oder sie weiter zu verkaufen um damit ein Einkommen zu generieren.

👉 Mehr zu unserer Kooperation mit dem WWF Österreich erfahren Sie hier

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