Schwenk in der Geldpolitik

Schwenk in der Geldpolitik
Schwenk in der Geldpolitik
©iStock
Beitrag teilen:

Die wichtigste Zentralbank der Welt, die Fed in den USA, hat im Rahmen der Sitzung des Offenmarktausschusses vom 26. Jänner bekräftigt, dass eine Änderung in der generellen geldpolitischen Haltung stattgefunden hat.

Das Hauptaugenmerk ist darauf gerichtet, die ansteigenden Inflationserwartungen einzufangen.

Effektive Zinsuntergrenze

Über Jahre waren die Zentralbanken in den entwickelten Volkswirtschaften mit einer zu geringen Inflation konfrontiert. Aus diesem Grund wurden die Zentralbankpolitiken immer expansiver.

Die Leitzinsen wurden in Richtung null Prozent gesenkt, die Europäische Zentralbank hat sogar eine Negativzinspolitik eingeführt. Schlussendlich konnten die Leitzinsen nicht mehr viel gesenkt werden, weil sie nahe an der sogenannten effektiven Zinsuntergrenze (Effective Lower Bound) anstießen.

Weil der Preis des Geldes (die Zinsen) nicht mehr weiter gesenkt werden konnte, wurde die Zentralbankgeldmenge via Anleiheankaufsprogramme massiv ausgeweitet.

Der Ausbruch der Pandemie hat diese Tendenz nochmals verstärkt. Die Geldpolitiken wurden ultra-expansiv. Ziel war es, die Auswirkungen der Pandemie auf die Wirtschaft möglichst gering und kurz zu halten.

Ausstieg aus dem Krisenmodus

Seit dem pandemiebedingten, starken aber kurzen Einbruch im Frühjahr 2020 befindet sich die Weltwirtschaft in der Wirtschaftszyklusphase „Erholung“. Die Arbeitslosenraten sind schneller als erwartet auf ein Niveau gefallen, das mit dem NAIRU-Bereich identifiziert werden kann. NAIRU steht für „Non-Accelerating Inflation Rate of Unemployment”.

Wenn die Arbeitslosenraten unter diese Schwelle fallen, nimmt der Druck für ansteigendes Lohnwachstum strukturell zu (Phillips-Kurve). Langfristig betrachtet gibt es vor allem einen Bestimmungsfaktor für die Inflationsentwicklung: die Entwicklung der Lohnstückkosten. Das ist das Lohnwachstum abzüglich Produktivitätswachstum. Die Argumente für eine Reduktion der sehr expansiven Geldpolitik haben zugenommen.

Doch das alleine würde die generelle Grundhaltung der Zentralbanken nicht ändern. Sinngemäß: Weil eine zu hohe Inflation kein Problem ist – in den vergangenen Jahren war wie gesagt der Fokus auf eine zu niedrige Inflation gerichtet –, kann die Geldpolitik sehr wirtschaftsunterstützend bleiben, das heißt, nur sehr langsam reduziert werden, um langfristig einen hohen Beschäftigungsgrad zu erreichen.

Das Hauptaugenmerk der Fed und der anderen Zentralbanken ist es, mit einem beschleunigten Ausstieg aus der ultra-expansiven Haltung die Inflationserwartungen möglichst stabil zu halten.“

Gerhard Winzer, Chef-Ökonom

© Bild: Erste AM

Inflationsüberraschung

Seit dem Sommer 2021 hat jedoch in zunehmendem Ausmaß bei immer mehr Zentralbanken eine Änderung dieser Einschätzung stattgefunden. Der Grund dafür ist, dass die Inflation überraschenderweise deutlich angestiegen ist.

Der treibende Faktor dafür ist pandemiebedingt. Schnelle und starke Änderungen bei den Wachstumsraten des BIP, der Energienachfrage und der Beschäftigung haben zu Ungleichgewichten zwischen Angebot (Engpässe) und Nachfrage (schnelle Erholung) geführt.

Das Resultat waren hohe Inflationsraten. Dieses Phänomen wurde als temporär beschrieben. Das stimmt (wahrscheinlich), aber hinsichtlich der Dauer haben sich die meisten Ökonomen deutlich verschätzt. Mittlerweile sind Überwälzungseffekte auf immer mehr Preiskomponenten feststellbar. So können die angestiegenen Nahrungsmittelpreise mit höheren Kosten für die Energie und den Transport erklärt werden.

Für die Zentralbanken ist es in diesem Umfeld besonders wichtig, dass die Inflationserwartungen nicht ansteigen. Ein Blick in die Medien – von Tageszeitungen bis hin zu akademischen Arbeitspapieren – reicht: Das Thema Inflation kommt öfter vor als noch vor ein paar Jahren.

Je länger jedoch die aktuelle Phase der hohen Inflationsraten andauert, umso wahrscheinlicher ist ein anhaltender Anstieg der Inflationserwartungen der Wirtschaftsagenten (Konsumenten, Unternehmen, Zentralbanken, Regierungen).

Pivot

Die Inflationsentwicklung in diesem Jahr können die Zentralbanken nicht wesentlich beeinflussen. Auch ein Schwenk hin zu einer restriktiven Politik ist derzeit nur wenig wahrscheinlich. In diesem Risikoszenario werden die Leitzinsen so hoch angehoben, dass das Wirtschaftswachstum und die Beschäftigung, also die Nachfrage, beeinträchtigt werden.

In der Vergangenheit haben starke Leitzinsanhebungen sogar Rezessionen ausgelöst. Mit einer Zeitverzögerung (von einigen Jahren) fiel dann auch die Inflation.

Das Hauptaugenmerk der Fed und der anderen Zentralbanken ist es vielmehr, mit einem beschleunigten Ausstieg aus der ultra-expansiven Haltung die Inflationserwartungen möglichst stabil zu halten. Neue Begründungskette: Damit langfristig eine hohe Beschäftigung erreicht werden kann, ist eine lange wirtschaftliche Expansionsphase nötig. Um das zu gewährleisten, müssen die hohen Inflationsraten wieder sinken.

Neutrales Zinsniveau

Der schnellere Ausstieg bedeutet: erste Leitzinsanhebung früher (Fed: März 2022), schnellere Anhebung der Leitzinsen (Fed: fünf Leitzinsanhebungen in diesem Jahr sind wahrscheinlicher geworden), Ende der Anleiheankaufsprogramme früher (Fed: März 2022), Start für eine Reduktion der Zentralbankbilanzen früher (Fed: wahrscheinlich ab dem Sommer 2022) als erwartet.

Die Rekalibrierung der geldpolitischen Ausrichtung belastet natürlich so gut wie alle Wertpapiersegmente. So lange die Wirtschaftsphase „Erholung“ hält, die Zentralbankpolitiken also nicht restriktiv werden und ein Ölpreisschock ausbleibt (Ukraine), bleibt das Umfeld netto betrachtet positiv für Aktien, auch wenn die Kursbewegungen wohl ruppig bleiben (höhere Volatilität).

Nachsatz: Auf die längere Sicht ist eine Frage mindestens ebenso wichtig, wie jene nach der Geschwindigkeit des Ausstiegs. Auf welches Niveau werden die Leitzinsen schlussendlich angehoben werden? In den USA preisen die Zinsmärkte (implizite 5-Jahreszinsen in fünf Jahren) lediglich einen Wert von 1,8% ein. Die Argumente für ein ansteigendes neutrales Zinsniveau haben jedoch zugenommen.

Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

REAGIEREN SIE AUF DEN ARTIKEL

WICHTIGE RECHTLICHE HINWEISE

Hierbei handelt es sich um eine Werbemitteilung. Sofern nicht anders angegeben, Datenquelle Erste Asset Management GmbH. Unsere Kommunikationssprachen sind Deutsch und Englisch.

Der Prospekt für OGAW-Fonds (sowie dessen allfällige Änderungen) wird entsprechend den Bestimmungen des InvFG 2011 idgF erstellt und im „Amtsblatt zur Wiener Zeitung“ veröffentlicht. Für die von der Erste Asset Management GmbH verwalteten Alternative Investment Fonds (AIF) werden entsprechend den Bestimmungen des AIFMG iVm InvFG 2011 „Informationen für Anleger gemäß § 21 AIFMG“ erstellt.

Der Prospekt, die „Informationen für Anleger gemäß § 21 AIFMG“ sowie die Wesentliche Anlegerinformation/KID sind in der jeweils aktuell gültigen Fassung auf der Homepage www.erste-am.com jeweils in der Rubrik Pflichtveröffentlichungen abrufbar und stehen dem/der interessierten AnlegerIn kostenlos am Sitz der jeweiligen Verwaltungsgesellschaft sowie am Sitz der jeweiligen Depotbank zur Verfügung. Das genaue Datum der jeweils letzten Veröffentlichung des Prospekts, die Sprachen, in denen die Wesentliche Anlegerinformation/KID erhältlich ist, sowie allfällige weitere Abholstellen der Dokumente, sind auf der Homepage www.erste-am.com ersichtlich. Eine Zusammenfassung der Anlegerrechte ist in deutscher und englischer Sprache auf der Homepage www.erste-am.com/investor-rights abrufbar sowie bei der Verwaltungsgesellschaft erhältlich.

Die Verwaltungsgesellschaft kann beschließen, die Vorkehrungen, die sie für den Vertrieb von Anteilscheinen im Ausland getroffen hat, unter Berücksichtigung der regulatorischen Vorgaben wieder aufzuheben.

Diese Unterlage dient als zusätzliche Information für unsere AnlegerInnen und basiert auf dem Wissensstand der mit der Erstellung betrauten Personen zum Redaktionsschluss. Unsere Analysen und Schlussfolgerungen sind genereller Natur und berücksichtigen nicht die individuellen Bedürfnisse unserer AnlegerInnen hinsichtlich des Ertrags, steuerlicher Situation oder Risikobereitschaft. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Fonds zu. Bitte beachten Sie, dass eine Veranlagung in Wertpapieren neben den geschilderten Chancen auch Risiken birgt. Der Wert von Anteilen und deren Ertrag können sowohl steigen als auch fallen. Auch Wechselkursänderungen können den Wert einer Anlage sowohl positiv als auch negativ beeinflussen. Es besteht daher die Möglichkeit, dass Sie bei der Rückgabe Ihrer Anteile weniger als den ursprünglich angelegten Betrag zurück erhalten. Personen, die am Erwerb von Investmentfondsanteilen interessiert sind, sollten vor einer etwaigen Investition den/die aktuelle(n) Prospekt(e) bzw. die „Informationen für Anleger gemäß § 21 AIFMG“, insbesondere die darin enthaltenen Risikohinweise, lesen. Ist die Fondswährung eine andere Währung als die Heimatwährung des Anlegers, so können Änderungen des entsprechenden Wechselkurses den Wert seiner Anlage sowie die Höhe der im Fonds anfallenden Kosten - umgerechnet in seine Heimatwährung - positiv oder negativ beeinflussen.

Zu den Beschränkungen des Vertriebs des Fonds an amerikanische Staatsbürger entnehmen Sie die entsprechenden Hinweise dem Prospekt bzw. den „Informationen für Anleger gemäß § 21 AIFMG“. Druckfehler und Irrtümer vorbehalten.