Spielverderber

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(c) Patrick Semansky / AP / picturedesk.com
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In den vergangenen Tagen haben die Hinweise für eine Abschwächung des realen Wirtschaftswachstums in den USA zugenommen. Das beinhaltet auch unmittelbare Rezessionsrisiken. Die Kursanstiege seit Jahresanfang wurden vom Optimismus getragen, dass es zu anhaltenden Inflationsrückrückgängen kommen könnte (Disinflationsszenario), ohne dass dafür ein schwaches Wachstum beziehungsweise sogar eine Rezession nötig sein müsste (Stagnations- oder Rezessionsszenario). Tatsächlichen könnten sich die drei Szenarien als treibender Faktor für die Märkte abwechseln.

Hoffnung Disinflationsszenario

Immerhin widersprechen bis dato die veröffentlichten Inflationsindikatoren nicht dem Disinflationsszenario. Dieses beinhaltetet einen deutlichen und anhaltenden Inflationsrückgang, der es den Zentralbanken ermöglicht, den Zinsanhebungszyklus im ersten Halbjahr auslaufen zu lassen und im zweiten Halbjahr die Zinsen abzusenken. In den USA ist der Deflator für die persönlichen Konsumausgaben im Dezember um nur 0,1% im Monatsabstand angestiegen. Die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel blieb aber mit 0,3% p.m. / 4,4% p.a. erhöht. In dieser Woche wird die US-Zentralbank dem Arbeitskostenindex für das vierte Quartal ein großes Augenmerk schenken. Der Index ist der beste Indikator für die Lohninflation und beeinflusst maßgeblich den im Inland erzeugten Inflationsdruck (im Dienstleistungssektor).

Leitzinsanhebungen

In den kommenden Tagen stehen drei wichtige Zinsentscheidungen am Kalender. Für die Zentralbank in den USA (Fed) wird am kommenden Mittwoch für das obere Band des Leitzinssatzes eine Anhebung um 0,25 Prozentpunkte auf 4,75% erwartet. Sowohl für die Europäische Zentralbank (EZB) als auch für die Bank of England (BoE) wird eine Leitzinsanhebung um jeweils 0,5 Prozentpunkte auf 3,0% (Hauptrefinanzierungssatz) beziehungsweise 4,0% prognostiziert.

Quelle: Refinitiv Datastream; Daten vom 31.1.2023
Hinweis: Die Entwicklung in der Vergangenheit ist kein zuverlässiger Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Scharfe Zentralbankrhetorik

Für die Zentralbanken ist es wahrscheinlich noch zu früh, um die scharfe (hawkishe) Zinsanhebungsrhetorik abzumildern. Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Inflation ist noch zu groß, als dass sie von der datenabhängigen Politik abweichen könnten (vergangenheitsbezogener Ansatz). Das größte Überraschungspotential ist bei der Fed angesiedelt. Der Vorsitzende des Offenmarktausschusses, Powell, könnte versuchen, mittels einer inflationskämpferischen Wortwahl die in den Marktpreisen bereits enthaltenen Leitzinssenkungen für dieses Jahr abzumildern. Im Unterschied dazu hat die Zentralbank in Kanada vergangene Woche offiziell eine Pause im Zinsanhebungszyklus angekündigt, so lange die Inflationsentwicklung den Prognosen der Zentralbank entspricht (zukunftsbezogener Ansatz).

Gutes Wachstum in den USA

Die erste Schätzung für das reale Wirtschaftswachstum im vierten Quartal 2022 weist an der Oberfläche ein gutes Wachstum von 2,9% im Quartalsabstand (auf das Jahr hochgerechnet, sprich: tatsächliches Wachstum mal vier) und 1,0% im Jahresabstand auf. Die Details des BIP waren allerdings nicht ermutigend.

Kernrate

Genauso wie für andere volkswirtschaftliche Kategorien (Inflation, Verschuldung, Zinsen, Gewinne) wird auch beim Wirtschaftswachstum versucht, eine zugrundeliegende Tendenz zu erkennen. Eine einfache Methode ist, die Komponenten mit höheren (angenommenen) Schwankungen herauszurechnen. Für den Fall des Bruttoinlandsproduktes in den USA werden der externe Sektor (Exports minus Importe), die Staatsausgaben und die Lagerveränderung exkludiert. Übrig bleiben der private Konsum und die privaten Investitionen, bezeichnet als Real Final Sales to Domestic Purchases.

Niedriges zugrundeliegendes Wachstum

Diese Kernrate für das BIP-Wachstum ist im vierten Quartal um nur noch 0,2% (annualisiert) gewachsen. Die Wachstumstreiber lagen außerhalb der Kernrate. Die Veränderung der Lagerbestände trug 1,5 Prozentpunkte zum BIP-Wachstum von 2,9% bei. Umfragebasierte Indikatoren deuten allerdings auf einen ungewollten Lageraufbau hin. Die Lagerveränderung könnte bald das Wachstum reduzieren. Die Staatsausgaben trugen 0,6 Prozentpunkte zum Wachstum bei. Die Erreichung der Schuldenobergrenze wird wahrscheinlich zu einer Reduktion führen. Die Nettoexporte lieferten ebenfalls einen Wachstumsbeitrag von 0,6 Prozentpunkten. Allerdings deshalb, weil die Importe stärker fielen als die Exporte. Geringere Importe liefern einen Hinweis für eine niedrigere Inlandsnachfrage. Die Verbesserung der Wachstumsaussichten für Europa und China könnten bei den Exporten im ersten Halbjahr helfen, aber insgesamt hat der externe Sektor einen geringen Anteil am BIP. Innerhalb der Kernrate war abermals insbesondere der zinssensitive Bausektor schwach. Residential Investment zog 1,3 Prozentpunkte vom Wachstum ab.

Bis auf weiteres wird die Zentralbank eine restriktive Zinspolitik umsetzen. Die Unternehmensinvestitionen sind mit einen Wachstumsbeitrag von 0,1 Prozentpunkten kaum gewachsen. Die Kernraten der Neuaufträge für langlebige Kapitalgüter, die als Frühindikator für die Investitionen herangezogen wird, ist im Dezember um 0,2% im Monatsabstand geschrumpft. Der persönliche Konsum ist zwar im Quartalsdurchschnitt gut gewachsen (Wachstumsbeitrag: 1,4 Prozentpunkte), aber die Monate November (-0,2 p.m.) und Dezember (-0,3% p.m.) wiesen einen Wachstumsrückgang auf. Bleibt die Frage, wie lange der Arbeitsmarkt stark bleiben wird, um den privaten Konsum zu unterstützen.

Die verbesserten Wachstumsaussichten für China und Europa und die Hoffnung auf einen anhaltenden Inflationsrückgang haben die Märkte seit Jahresanfang unterstützt. Eine scharfe Zentralbankrhetorik und schwache Wachstumsindikatoren in den USA könnten sich jedoch als Spielverderber herausstellen.

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Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

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